GOTHIC
Das-Ich-Gründer Bruno Kramm ist tot: Gothic-Szene trauert

Die Schwarze Szene trauert um eine ihrer prägendsten Figuren: Bruno Kramm, Mitbegründer und Kopf der Gothic-Formation Das Ich, ist am vergangenen Freitag, den 25. September 2026, völlig überraschend verstorben. Der gebürtige Münchener wurde 58 Jahre alt. Nur wenige Stunden vor seinem Tod hatte er mit seiner Band noch ein Konzert im spanischen Granada gegeben.
Wie aus ersten Meldungen hervorgeht, brach Kramm im Anschluss an den Auftritt im Backstage-Bereich des Clubs Planta Baja zusammen. Vor Ort anwesende Rettungskräfte versuchten umgehend, den Musiker zu reanimieren, konnten jedoch nichts mehr für ihn tun. Der plötzliche Tod trifft die Gothic- und Dark-Wave-Gemeinde völlig unvorbereitet, da Kramm bis zuletzt aktiv auf der Bühne stand und offenbar keine Anzeichen einer akuten gesundheitlichen Krise erkennbar waren.
Die Reaktion der Band
Als Erster meldete sich Das Ich-Keyboarder Sven Hegewald am Samstag öffentlich zu Wort und bestätigte den Tod seines langjährigen Weggefährten. In einem emotionalen Statement schrieb er: „Gestern Abend ist ein bedeutender Teil der Szene – und ein riesiger Teil meiner eigenen Lebensgeschichte – von uns gegangen. Gestern Abend fanden viele Geschichten ihr Ende. Geschichten, die uns geprägt, begleitet und miteinander verbunden haben. Gestern Abend ist Bruno Kramm verstorben. Nach dem Konzert im spanischen Granada erlitt Bruno einen medizinischen Notfall. Die Rettungskräfte vor Ort konnten nichts mehr für ihn tun.“
Hegewald richtete sich in seiner Mitteilung zudem direkt an Bands, Veranstalter und Weggefährten, die in den kommenden Tagen mit offenen Fragen rund um Termine, Verpflichtungen und organisatorische Belange konfrontiert sein dürften. Er bat darum, sich mit sämtlichen Anliegen zunächst an ihn persönlich zu wenden: „Ich werde versuchen, alle Fragen so schnell und effizient wie möglich zu beantworten. In einer solchen Situation bleiben viele Dinge ungeklärt und offen. Bitte habt daher etwas Geduld.“ Besonders eindringlich bat er darum, die Familie des Verstorbenen vorerst nicht zu kontaktieren, da diese in dieser schweren Zeit Ruhe und Kraft für sich selbst benötige. Sein Statement endete mit den Worten: „Ruhe in Frieden, Bruno.“
Wer war Bruno Kramm
Bruno Kramm gründete Das Ich im Jahr 1989 gemeinsam mit Sänger Stefan Ackermann. Die Band entwickelte sich in der Folge zu einem der zentralen Aushängeschilder der sogenannten Neuen Deutschen Todeskunst – einer literarisch geprägten, tiefgründigen Strömung innerhalb der Gothic- und Dark-Wave-Szene, die sich durch philosophische Texte und eine eigenständige musikalische Ästhetik auszeichnete. Über Jahrzehnte hinweg prägte Kramm mit seiner Band den Klang und das Selbstverständnis dieser Musikrichtung entscheidend mit.
Über seine Arbeit mit Das Ich hinaus war Kramm auch als gefragter Produzent tätig. Er zeichnete unter anderem für Produktionen der Bands Atrocity, Illuminate, Saviour Machine, Die Schinder und Distorted Reality verantwortlich und hinterließ damit auch abseits der eigenen Diskografie deutliche Spuren in der Gothic- und Metal-Landschaft. Bemerkenswert war zudem sein politisches Engagement: Kramm betätigte sich sowohl für die Piratenpartei als auch für die Partei Die Grünen und verband damit sein künstlerisches Schaffen mit gesellschaftspolitischem Engagement.
Weggefährten nehmen Abschied
Auch aus dem Umfeld der Metal-Szene kamen bewegende Reaktionen auf die Nachricht vom Tod des Musikers. Atrocity-Mastermind Alexander Krull meldete sich in den sozialen Medien zu Wort und erinnerte an die gemeinsame Geschichte beider Künstler: „Lieber Bruno, mit Entsetzen habe ich die schrecklichen Nachrichten bekommen. Wir haben sehr viel zusammen erlebt in den Zeiten, als wir mit Atrocity feat. Das Ich gemeinsam DIE LIEBE unser Gothic-Metal-Pionierwerk erschaffen haben.“
Krull betonte, dass nach diesem gemeinsamen Projekt viel Bewegung in die Metal- und Gothic-Szene gekommen sei und weitere gemeinsame Auftritte, Albumproduktionen und Projekte gefolgt seien. „Darauf bin ich immer noch sehr stolz und dankbar. Unsere tollen persönlichen und musikalischen Abenteuer werde ich nie vergessen, und Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben“, so Krull weiter. Er sprach der Band, insbesondere Sänger Stefan Ackermann, sowie der Familie und den Freunden von Bruno Kramm sein herzliches Beileid aus und wünschte ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit. Sein Statement schloss er mit den Worten: „Ruhe in Frieden, alter Freund.“
Offene Fragen und weiteres Vorgehen
Wie es mit anstehenden Verpflichtungen von Das Ich, geplanten Auftritten oder laufenden Projekten weitergeht, ist derzeit noch unklar. Sven Hegewald machte in seiner Mitteilung deutlich, dass in der aktuellen Situation naturgemäß viele organisatorische Fragen offen seien und bat alle Beteiligten aus dem Kreis der Bands und Veranstalter ausdrücklich um Geduld, während er versuche, sämtliche Anfragen zeitnah zu klären.
Der plötzliche Tod von Bruno Kramm reißt eine schmerzliche Lücke in die Gothic- und Dark-Wave-Szene, die er über mehr als drei Jahrzehnte hinweg als Musiker, Produzent und kreativer Kopf mitgeprägt hat. Mit Das Ich schuf er ein Werk, das die Neue Deutsche Todeskunst maßgeblich definierte und Generationen von Musikern und Hörern beeinflusste. Die zahlreichen Reaktionen von Weggefährten wie Sven Hegewald und Alexander Krull zeigen, wie tief verwurzelt Kramms Wirken in der Szene war und wie sehr sein Tod nun eine ganze musikalische Bewegung erschüttert.
Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:38:52
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