TOUREN
Gregor Mackintosh von Paradise Lost: "Ich bin ein kompletter Einsiedler"

Gregor Mackintosh, Gitarrist der britischen Gothic-Metal-Institution PARADISE LOST, hat in einem neuen Interview mit dem australischen Portal Headbangers Australia offene Einblicke in sein Privatleben abseits der Bühne gegeben. Der Musiker, der seit fast vier Jahrzehnten das musikalische Rückgrat der Band bildet, beschrieb darin, wie er sich vom hektischen Tourleben erholt – und offenbarte dabei eine überraschend einsiedlerische Lebensweise.
Auf die Frage, wie er abschalte, wenn er nicht mit seinen Bandkollegen auf Tournee sei, antwortete Mackintosh laut einer Transkription von BLABBERMOUTH.NET zunächst augenzwinkernd, dass seine Antwort "ziemlich langweilig" ausfallen könnte. Er lebe sehr ländlich, quasi mitten im Nirgendwo, und dazu vollkommen allein. "Ich bin ein kompletter Einsiedler. Ich liebe die Einsamkeit", erklärte der Gitarrist wörtlich. Noch vor fünf Jahren hätte er sich selbst nicht zugetraut, so etwas zu sagen, doch mittlerweile genieße er es, im Garten zu arbeiten und Bücher zu lesen.
Die Kunst der Langeweile
Besonders bemerkenswert ist Mackintoshs Reflexion über das Konzept der Langeweile, das seiner Meinung nach in der heutigen schnelllebigen Welt zunehmend verloren gehe. Er erinnerte sich an frühere Zeiten, als man im Zug einfach aus dem Fenster schaute und den eigenen Gedanken nachhing. Heute dagegen gebe es kaum noch echte Ruhepausen, weil man in jeder freien Sekunde zum Smartphone oder Computer greife. Mackintosh selbst entzieht sich diesem Trend bewusst: Er war noch nie in sozialen Medien aktiv und hat auch kein Interesse daran, dies nachzuholen. Seine Begründung ist ebenso pragmatisch wie konsequent – er sei generell kein Freund von sozialen Kontakten, weshalb es für ihn keinen Sinn ergebe, dies virtuell zu imitieren.
Für den Musiker dreht sich sein Alltag daher vor allem um Stille und Ruhe. Er beschrieb einen klaren Rhythmus zwischen den beiden Polen seines Lebens: Unter der Woche genießt er die Zurückgezogenheit, während an den Wochenenden, wenn Auftritte anstehen, plötzlich wieder "alles brummt". Dann geht es für ihn durch Flughäfen, von einem Land ins nächste, mit ständig wechselnden Begegnungen und dem hektischen Trubel der Konzerte. Anschließend kehrt er wieder in seine gewohnte Umgebung zurück und nimmt den gleichen ruhigen Ablauf wieder auf. Mackintosh bezeichnete sich selbst als "Gewohnheitstier", betonte aber zugleich, wie wohltuend diese Ruhephasen für ihn seien.
Neues Album "Ascension" als aktueller Bezugspunkt
Das Interview fällt in eine für PARADISE LOST bedeutsame Phase, denn im September 2025 erschien mit "Ascension" das mittlerweile siebzehnte Studioalbum der Band. Es handelt sich um das erste Album seit fünf Jahren und den Nachfolger des von Kritikern hochgelobten Werks "Obsidian" aus dem Jahr 2020. Produziert wurde "Ascension" von Gregor Mackintosh selbst, während Lawrence Mackrory für Mix und Mastering verantwortlich zeichnete. Damit bleibt die kreative Kontrolle über den Sound der Band weiterhin maßgeblich in den Händen des Gitarristen, der seit jeher als musikalischer Kopf von PARADISE LOST gilt.
Fast vier Jahrzehnte Bandgeschichte
PARADISE LOST wurden 1988 im englischen Halifax gegründet und gelten seit ihren frühen Tagen als Wegbereiter des Gothic Metal. Bereits mit dem 1991 erschienenen, programmatisch betitelten Album "Gothic" prägte die Band einen unverkennbaren Stil, der schwere Riffs mit düsterer Melodik und dichter Atmosphäre verband. Im Laufe ihrer Karriere hat sich die Band nie auf einen einzigen kreativen Pfad festgelegt, sondern immer wieder neue Facetten dunkler Musik erkundet – von den sludgigen Doom-Death-Wurzeln der Anfangszeit bis hin zum massentauglichen, üppig produzierten Sound von "Draconian Times" aus dem Jahr 1995, der bis heute als eines der prägendsten Alben des Genres gilt. Später wagte sich die Band auch an experimentellere, elektronisch geprägte Klangwelten.
Diese stilistische Bandbreite hat PARADISE LOST zu einer der einflussreichsten Bands im dunklen Metal-Kosmos gemacht. Ihr Einfluss lässt sich bei einer Vielzahl nachfolgender Künstlerinnen und Künstler nachweisen, darunter so unterschiedliche Namen wie CRADLE OF FILTH, HIM, GATECREEPER und CHELSEA WOLFE. Mit mehr als zwei Millionen verkauften Alben zählt die Band nach wie vor zu den kommerziell wie künstlerisch erfolgreichsten Vertretern des Gothic- und Doom-Metal.
Aktuelle Besetzung
Die heutige Besetzung von PARADISE LOST besteht aus Sänger Nick Holmes, Gitarrist und Keyboarder Gregor Mackintosh, Rhythmusgitarrist Aaron Aedy, Bassist Stephen Edmondson sowie Schlagzeuger Jeff Singer. Diese Konstellation bildet seit geraumer Zeit das kreative Fundament der Band und war maßgeblich an der Entstehung von "Ascension" beteiligt.
Mackintoshs offene Worte über sein Bedürfnis nach Einsamkeit und Stille werfen ein interessantes Licht auf den Kontrast zwischen dem introvertierten Privatleben eines Musikers und der öffentlichkeitswirksamen Bühnenpräsenz, die das Tourleben mit sich bringt. Gerade vor dem Hintergrund der Veröffentlichung von "Ascension" und der damit verbundenen Promotion- und Touraktivitäten zeigt sich, wie wichtig für den Gitarristen persönliche Rückzugsorte sind, um die Balance zwischen kreativem Schaffen, öffentlichem Auftreten und privater Ruhe zu wahren. Für Fans der Band liefert das Interview einen seltenen, authentischen Einblick in die Persönlichkeit hinter einem der prägendsten Musiker des Gothic Metal.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 14:15:57

