PUNK
L7 veröffentlichen neue Single „Loma Linda“ zum Start ihrer Abschiedstour

Die kalifornische Punk- und Grunge-Institution L7 hat einen bewegenden Auftakt für ihre finale Welttournee „The Last Hurrah" gesetzt: Am morgigen Dienstag, den 6. Oktober, startet die Band in San Diego in die erste Etappe ihres Abschieds von der Bühne – und veröffentlicht zeitgleich die neue Single „Loma Linda", die auf einer 2003 entstandenen, bislang unveröffentlichten Demoaufnahme basiert. Der Song ist zugleich ein Tribut an die im Sommer verstorbene Gründungsbassistin Jennifer Finch und eine Begrüßung für deren Nachfolgerin Janis Tanaka, die bereits von 1999 bis 2001 bei L7 am Bass stand und nun erneut einsteigt.
Die Geschichte von „Loma Linda" ist eng mit dem Verlust verknüpft, den die Band in diesem Jahr erleiden musste. Jennifer Finch, die L7 seit der Gründung 1985 maßgeblich geprägt hatte, verstarb nach einem langen und mutigen Kampf gegen eine aggressive Form von Hirnkrebs im Alter von 59 Jahren. Noch bevor sie starb, gab Finch der Band ausdrücklich ihren Segen, die geplante Abschiedstournee fortzusetzen und Janis Tanaka als ihre Nachfolgerin am Bass zu engagieren. Diese Geste der verstorbenen Musikerin bildet den emotionalen Hintergrund für die Veröffentlichung des neuen Songs.
Die Entstehung von „Loma Linda"
Wie Sängerin und Gitarristin Donita Sparks erklärt, stieß sie beim Durchforsten der Bandarchive auf einen unfertigen Track aus der Zeit, als Janis Tanaka Mitglied von L7 war. Der Song habe trotz seines Alters noch „frisch" und „sehr nach L7" geklungen, weshalb sich die Band entschloss, neue Gesangsspuren und Texte aufzunehmen sowie zusätzliche Instrumentalparts hinzuzufügen. Innerhalb weniger Tage wurde der Track fertiggestellt, pünktlich zum Start der Tournee. Sparks beschreibt den Prozess mit den Worten: „Gotta warn ya, we dig it and hope you do too" – ein Hinweis darauf, dass die Band selbst von dem wiederentdeckten Material begeistert ist.
Als Ausdruck von Liebe und Dankbarkeit gegenüber Jennifer Finch, Janis Tanaka und den treuen Fans der Band bietet L7 „Loma Linda" in der ersten Woche kostenlos zum Download auf der offiziellen Website der Band an. Erst danach wird der Song regulär auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar sein – eine Geste, die unterstreicht, wie sehr die Band den Song als persönliches Geschenk an ihre Community versteht.
Die Abschiedstournee „The Last Hurrah"
Die Tournee, die L7 nun ohne Jennifer Finch, aber mit der zurückgekehrten Janis Tanaka bestreitet, beginnt am 6. Oktober in San Diego, Kalifornien, und endet am 14. November in Los Angeles, Kalifornien. Über vier Jahrzehnte hinweg haben L7 mit ihrer Mischung aus Punk-Attitüde, schwerem Grunge-Sound, eingängigen Melodien und sozio-politischen Texten Fans weltweit begeistert und mobilisiert – nicht nur auf der Tanzfläche, sondern auch an der Wahlurne. „The Last Hurrah" soll nun die Gelegenheit bieten, sich ein letztes Mal gemeinsam mit den Fans auf der Bühne zu verabschieden.
Jennifer Finchs Vermächtnis und die Reaktionen der Musikszene
Der Tod von Jennifer Finch wurde am 18. Juli von ihren Bandkollegen in einer Erklärung in den sozialen Medien bekanntgegeben. Darin heißt es, man sei „mit sehr schwerem Herzen" gezwungen, den Tod der „geliebten Bandkollegin, Freundin und Mitstreiterin" zu verkünden. Weiter schreibt die Band: „Wir sind zerstört vom Verlust unserer geliebten Bandkollegin, Schwester und Freundin, deren feuriger Geist, Humor und grenzenlose Kreativität L7 mitgeprägt und unser aller Leben für immer verändert haben." Finch wird als „wahres Original" beschrieben, das vollständig nach eigenen Regeln lebte und dessen Einfluss auf Musik, Kunst und alle, die das Glück hatten, sie zu kennen, nicht zu messen sei.
Nachdem Finch ihre Krebsdiagnose öffentlich gemacht und sich am 13. Juli von der geplanten Abschiedstournee zurückgezogen hatte, wurde eine GoFundMe-Kampagne ins Leben gerufen, die mehr als 375.000 US-Dollar einbrachte. Die Spenden sollten häuslicher Pflege, medizinischer Ausrüstung, Physio- und Sprachtherapie sowie allgemeinen Pflegekosten zugutekommen – und zudem helfen, ein „kreatives Projekt" fertigzustellen, das ursprünglich für 2027 angekündigt war. Später stellte sich heraus, dass es sich dabei um Finchs Memoiren handelt: „Shooting Up And Making Out: A Memoir Of My Life In LA And L7", gemeinsam verfasst mit Jeff Alulis, die am 19. Januar 2027 über das Label Da Capo, ein Imprint von Grand Central Publishing (GCP) und der Hachette Book Group, erscheinen sollen.
Zahlreiche prominente Musikerinnen und Musiker spendeten für die Kampagne und zeigten damit, wie tief Finchs Einfluss in der Szene verankert war. Darunter befanden sich Bad-Religion-Gitarrist und Epitaph-Records-Gründer Brett Gurewitz mit seiner Frau Gina (10.000 US-Dollar), die Band Garbage (8.000 US-Dollar), Bikini-Kill-Sängerin Kathleen Hanna (5.000 US-Dollar), Sub Pop Records (5.000 US-Dollar), Pearl-Jam-Bassist Jeff Ament (5.000 US-Dollar), Adrienne Armstrong, die Ehefrau von Green-Day-Sänger Billie Joe Armstrong (5.000 US-Dollar), Tool-Sänger Maynard James Keenan (2.500 US-Dollar), Warped-Tour-Gründer Kevin Lyman (2.500 US-Dollar), Korn-Gitarrist Brian „Head" Welch (1.000 US-Dollar) sowie Fugazi-Mitglied Guy Picciotto (1.000 US-Dollar).
Bandgeschichte und musikalisches Erbe
L7 wurden 1985 gegründet und gingen 2001 zunächst auf unbestimmte Zeit in eine Pause. Eine Reunion-Tour im Jahr 2015 führte 2016 zur Veröffentlichung der Dokumentation „L7: Pretend We're Dead". Mit „Scatter The Rats" erschien im Mai 2019 über Joan Jetts Label Blackheart Records das erste Studioalbum der Band seit 20 Jahren.
Das selbstbetitelte Debütalbum von L7 kam bereits 1988 heraus. Das dritte Studioalbum, „Bricks Are Heavy", folgte 1992 und erreichte laut Billboard Platz 160 der Billboard 200. „Hungry For Stink" aus dem Jahr 1994 kletterte auf Platz 117, während „The Beauty Process: Triple Platinum" von 1997 Platz 172 erreichte. Die 1992 veröffentlichte Single „Pretend We're Dead" schaffte es auf Platz 8 der Alternative-Airplay-Charts, der Song „Andres" von „Hungry For Stink" erreichte Platz 20 derselben Liste.
Auch im Film fand die Musik von L7 ihren Platz: Der Song „Shitlist" war sowohl im Soundtrack zu „Pet Sematary 2" als auch zu „Natural Born Killers" zu hören, während „Shove" Teil des Soundtracks zu „Tank Girl" war.
Einordnung
Mit „Loma Linda" schließt sich für L7 ein Kreis: Ein über zwei Jahrzehnte altes, unvollendetes Stück aus der Ära mit Janis Tanaka am Bass wird nun, kurz nach dem Tod von Jennifer Finch und zum Auftakt der allerletzten Tournee der Band, als Geste der Dankbarkeit und Erinnerung vollendet. Die Veröffentlichung verbindet damit auf bemerkenswerte Weise die Vergangenheit der Band mit ihrem endgültigen Abschied und macht deutlich, welchen Stellenwert Zusammenhalt, Loyalität und das gemeinsame musikalische Erbe für L7 bis zuletzt hatten.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 6.10.2026, 18:19:29
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