METAL
Amon Amarth: Johan Hegg spricht über neues Album „The Allfather Awakens"

AMON-AMARTH-Sänger Johan Hegg hat in einem ausführlichen Interview mit Thomas Moser von Rock Antenne neue Details zum kommenden Album „The Allfather Awakens" verraten, das am 2. Oktober über Metal Blade Records erscheinen wird. Der Frontmann der schwedischen Death-Metal-Institution sprach dabei nicht nur über die Nervosität, die auch nach mehr als drei Jahrzehnten Bandgeschichte vor jeder Veröffentlichung mitschwingt, sondern gab auch seltene Einblicke in den Songwriting-Prozess der Band sowie in die Entstehung des insgesamt 13. Studioalbums seit dem Debüt „Once Sent From The Golden Hall" von 1998.
Auf die Frage, ob er vor einer neuen Veröffentlichung noch immer nervös werde, antwortete Hegg differenziert. Einerseits würde er die neuen Songs am liebsten sofort nach Abschluss der Studioarbeiten veröffentlichen, da das Warten für ihn geradezu schmerzhaft sei. Schließlich stehe man mit einem Album da, mit dem man sich rundum wohlfühle und das man dringend mit den Fans teilen wolle. Andererseits gebe es durchaus ein Element der Unsicherheit, da niemand vorhersagen könne, ob das Publikum die Songs genauso empfindet wie die Band selbst.
Der Songwriting-Prozess hinter verschlossenen Türen
Hegg beschrieb den kreativen Prozess als eine sehr introvertierte Angelegenheit, die im Wesentlichen nur innerhalb der fünfköpfigen Band stattfindet. Man schreibe die Musik, die man selbst hören wolle, habe aber letztlich keine Ahnung, was außerhalb dieses kleinen Kreises tatsächlich ankomme. Um dennoch ein Gefühl für die Wirkung der Songs zu bekommen, lasse die Band Freunde und Familienmitglieder die fertig aufgenommenen Stücke anhören und hole sich so erstes Feedback ein. Letztlich, so Hegg, komme es aber darauf an, dass er selbst mit dem Ergebnis zufrieden sei – unabhängig davon, wie das Publikum am Ende reagiere. Musik sei subjektiv und hänge stark davon ab, wo man als Mensch gerade stehe, weshalb es völlig normal sei, dass nicht jeder Song bei jedem Hörer gleich gut ankomme.
Besonders bemerkenswert ist eine Randbemerkung Heggs zum Umfang des Songmaterials für „The Allfather Awakens". Anders als man angesichts der schier endlosen kreativen Energie der Band vermuten könnte, schreibe AMON AMARTH grundsätzlich nur so viele Songs, wie am Ende auch tatsächlich auf dem Album landen sollen. Stehen zehn Songs auf der Tracklist, habe man auch nur zehn Songs geschrieben – nicht zwölf oder fünfzehn, aus denen man dann auswählt. Für das neue Album machte die Band jedoch eine Ausnahme: Insgesamt elf Songs wurden aufgenommen, einer davon zeigte zwar Potenzial, wurde jedoch nach Ansicht der Band nicht gut genug umgesetzt und daher vorerst zurückgestellt. Laut Hegg ist dies das erste Mal in der Bandgeschichte, dass ein aufgenommener Song nicht den Weg auf ein Album gefunden hat.
Oden bleibt die zentrale Inspirationsquelle
Wie schon auf den vorherigen Alben zieht sich auch bei „The Allfather Awakens" die Figur des Oden – des nordischen „Allvaters", Gott von Krieg, Weisheit, Tod, Magie und Dichtkunst – als roter Faden durch Texte und Artwork. Dabei handelt es sich jedoch ausdrücklich nicht um ein klassisches Konzeptalbum, sondern um eine Sammlung historisch inspirierter, epischer Erzählungen von Konflikt und Opferbereitschaft für ein größeres Ziel.
Produktion in Dänemark und ein Blick auf den Klang
Produziert wurde das Album vom dänischen Produzenten Jacob Hansen in dessen eigenem Studio in Dänemark. Die Aufnahmen erstreckten sich über zwei Sessions, die mehrere Monate auseinanderlagen: Die erste Session fand im Frühjahr 2025 statt, die finalen Aufnahmen wurden im März 2026 abgeschlossen. Bereits während der laufenden Tourneen begann die Band mit dem Songwriting, statt wie sonst üblich erst nach Abschluss der Tourphasen mit dem kreativen Prozess zu beginnen. Dieser Ansatz erlaubte es den Musikern, sich intensiv auf jeden einzelnen Track zu konzentrieren – das Ergebnis ist ein Album, bei dem jeder Song wie eine eigenständige Single behandelt wurde.
Auch klanglich gab es Veränderungen: Bei den Gitarren entschied sich AMON AMARTH bewusst für einen etwas weniger modernen Sound und wechselte von 5150-Amps zurück zu klassischen Marshall-Verstärkern. Wie bei der Band üblich, wurde zunächst die Musik geschrieben, die dann oft den Ton für die Texte vorgibt. Der Song, der dem Album schließlich seinen Titel gab, „The Allfather Awakes", wurde als letzter Track für das Album fertiggestellt. Für das Coverartwork zeichnet erneut Tom Thiel verantwortlich, der mit dieser Arbeit bereits das siebte Albumcover für die Band gestaltet hat – ein eindrucksvolles Porträt Odens.
Eine Band mit gewaltiger Live-Historie
AMON AMARTH wurde 1992 im schwedischen Tumba gegründet und hat sich seither zu einer der weltweit erfolgreichsten Metal-Bands entwickelt. In den vergangenen Jahren stand die Band auf Bühnen gemeinsam mit Größen wie SLAYER, IRON MAIDEN, SLIPKNOT und PANTERA und bespielte zudem legendäre Locations wie The Forum in Los Angeles sowie das historische Red Rocks Amphitheatre in Denver. In Europa headlinete die Band unter anderem 2024 das Wacken Open Air vor 85.000 Zuschauern, war zweimal Headliner beim britischen Bloodstock Open Air, trat viermal beim Download Festival auf (2008 bis 2019) und stand insgesamt achtmal beim Summer Breeze auf der Bühne (2003 bis 2024), davon sechsmal als Headliner.
Im Zuge der Vorfreude auf das neue Album und die für 2026 angekündigte Nordamerika-Tournee mit DETHKLOK und CASTLE RAT konnte die Band ihre Verkaufs- und Tourzahlen weiter steigern, ohne dabei an kreativer Substanz oder Härte einzubüßen. Das Publikum reicht dabei von Kindern bis zu Fans im Rentenalter – ein inklusives Metal-Erlebnis, das für epische Positivität und kraftvoll inspirierende Texte steht.
The Row – ein globales Phänomen mit Ursprung bei AMON AMARTH
Besondere kulturelle Strahlkraft entfaltet die Band durch das Phänomen „The Row" – die legendäre „Viking Row", bei der sich Fans gemeinsam auf den Boden setzen und im Gleichklang das Rudern eines unsichtbaren Langschiffs imitieren. Der Konsens innerhalb der Fanszene ist, dass dieser Brauch erstmals 2009 beim Auftritt der Band auf dem Bloodstock Open Air entstand. Mit der Single und dem dazugehörigen Video „Put Your Back Into The Oar" aus dem Jahr 2022 griff die Band das Phänomen musikalisch auf. Hegg erklärte damals, man habe es für eine gute Idee gehalten, einen Song über „The Row" zu schreiben – als Widmung an die Fans, egal wo sie sich befinden, mit dem Wunsch, dass Oden sie auf ihrem Weg durch unbekannte Gewässer begleite. Im Laufe der Jahre hat sich das Ritual auch auf Konzerte anderer Künstler und globale Events ausgebreitet, darunter sogar Publikum bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Videomaterial belegt jedoch, dass der Trend seinen Ursprung eindeutig bei den Auftritten von AMON AMARTH hat.
Neue Live-Show im Herbst
Parallel zur Albumveröffentlichung plant die Band für diesen Herbst eine vollständig neue Bühnenproduktion, die sich an Odens legendärer Goldener Halle orientiert und das Konzerterlebnis der Band zu einer lebendigen Erweiterung des neuen Albums machen soll.
Mit „The Allfather Awakens" liefert AMON AMARTH nach über drei Jahrzehnten Bandgeschichte ein weiteres, bewusst gestaltetes musikalisches und lyrisches Kapitel, das zugleich neue klangliche Wege einschlägt und der bewährten thematischen Ausrichtung rund um Oden treu bleibt. Die Kombination aus verändertem Produktionsprozess, ungewohnt strenger Songauswahl und einer aufwendig inszenierten Live-Show unterstreicht, dass die Band auch nach mehr als 30 Jahren weiterhin an ihrer künstlerischen Weiterentwicklung arbeitet, ohne dabei die Verbindung zu den Wurzeln und zur eigenen Fangemeinde zu verlieren.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:59:36

