METAL
Amon Amarth: Wie aus einer Fan-Aktion der legendäre „Viking Row“ wurde

Amon-Amarth-Sänger Johan Hegg hat in einem Gespräch mit dem Portal Metal Injection die Entstehungsgeschichte des sogenannten „Viking Row“ erzählt – jener mittlerweile weltberühmten Live-Tradition, bei der sich das Publikum synchron im Takt der Musik hin- und herbewegt, als würde es gemeinsam ein Wikingerschiff rudern. Was heute als feste Institution bei Konzerten der schwedischen Melodic-Death-Metal-Band gilt und längst auch von zahlreichen anderen Gruppen adaptiert wurde, entstand ursprünglich völlig ungeplant und ohne Zutun der Band selbst.
Wie Hegg erzählt, geht der Ursprung des Rituals auf einen Auftritt im Jahr 2009 beim Bloodstock Open Air in Großbritannien zurück. Nach eigener Einschätzung des Frontmanns war dies der Moment, in dem das Phänomen überhaupt zum ersten Mal auftrat. Die Band selbst bekam davon auf der Bühne jedoch nichts mit – erst im Nachhinein, als sie im Internet nach Videomitschnitten des Konzerts suchten, wurden sie auf die ungewöhnliche Aktion ihrer Fans aufmerksam.
Eine zufällige Entdeckung auf YouTube
Johan Hegg beschreibt, wie er und seine Bandkollegen zufällig auf einen Clip stießen, der eine sitzende Menschenmenge zeigte, die sich in einer wellenartigen Bewegung vor- und zurückbewegte. „Es sah eher aus wie eine sich schlängelnde Schlange oder eine Conga-Reihe, nur dass alle saßen“, erinnert sich Hegg an den ersten Eindruck. Die Band war von der spontanen Publikumsaktion sofort begeistert und entschied sich, das Video über die eigenen Social-Media-Kanäle zu teilen. Genau dieser Schritt sollte sich als entscheidend für die weitere Verbreitung des Phänomens erweisen.
Nach der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken verselbstständigte sich die Aktion zunehmend. „Danach hat sich das einfach weitergetragen“, so Hegg. Amon Amarth selbst hätten das Ritual dabei zunächst nicht aktiv gefördert oder inszeniert, sondern lediglich beobachtet, wie es sich unter den Fans verbreitete. Die Anhänger der Band griffen die Idee jedoch begeistert auf und begannen, sie bei weiteren Konzerten eigenständig fortzuführen.
Vom Fan-Phänomen zum offiziellen Live-Ritual
Den Moment, in dem die Band das Ritual erstmals bewusst initiierte, verortet Hegg beim Summer Breeze Festival. Dort forderten Amon Amarth ihr Publikum zum ersten Mal aktiv dazu auf, sich für den gemeinsamen „Viking Row“ hinzusetzen. Damit wandelte sich die zuvor rein spontane Fan-Aktion zu einem festen, von der Band mitgetragenen Bestandteil ihrer Live-Shows.
Als das Rudern schließlich auch bei Konzerten anderer Metal-Bands übernommen wurde, entschied sich Amon Amarth dazu, das Ritual fester mit der eigenen Identität zu verknüpfen. „Wir wollten, dass die Leute wissen, dass das unsere Sache ist“, erklärt Hegg die Beweggründe. Die Konsequenz daraus war die Entstehung des Songs „Put Your Back Into The Oar“, der eigens für diesen Zweck geschrieben wurde. Im Songtext findet sich die zentrale Zeile „Row!“, die fortan als akustisches Startsignal für den kollektiven Ruderakt im Publikum diente. Auf diese Weise wurde der „Viking Row“ organisch in die Setlist und Dramaturgie der Konzerte eingebettet.
Gemeinschaftsgefühl als zentrales Motiv
Für Johan Hegg steckt hinter dem Ritual weit mehr als bloße Show-Unterhaltung. Der Song „Put Your Back Into The Oar“ handle davon, gemeinsam eine schwierige Aufgabe anzugehen und den Mut aufzubringen, sich auf eine herausfordernde Reise einzulassen. Genau dieses Gefühl von Zusammenhalt sieht Hegg auch im „Viking Row“ verwirklicht: „Man hilft sich gegenseitig. Und für mich ist es genau dieses Gefühl, das ich beim ‚Row‘ habe, wenn wir das gemeinsam mit dem Publikum machen.“
Hegg betont dabei besonders die kollektive Dimension des Konzerterlebnisses. Die Show werde nicht allein von der Band auf der Bühne gestaltet, sondern gemeinsam mit dem Publikum. „Es sind nicht nur wir da oben, die auftreten. Die Fans und wir gestalten die Show gemeinsam“, so der Sänger. Dieses Gefühl der Verbundenheit zwischen Band und Publikum sei für ihn einer der zentralen Werte, die Amon Amarth mit ihrer Musik und ihren Auftritten vermitteln wollen.
Neues Album und Hintergründe zum Interview
Die Aussagen Heggs fielen im Rahmen eines größeren Interviews, das im Zusammenhang mit dem neuen Amon-Amarth-Album „The Allfather Awakens“ entstand. Das Album erscheint am 2. Oktober. Im Zuge der Promotion war das Magazin Metal Hammer beim Dreh des Musikvideos zum Song „Eight Legs Of Thunder“ vor Ort und führte dort weiterführende Gespräche mit der Band. Neben der Entstehungsgeschichte des „Viking Row“ sprach Hegg dabei auch über persönlichere Themen wie Zukunftsängste, das Älterwerden und den Umgang mit individuellen Krisen. In diesem Zusammenhang fiel auch die Aussage: „Es ist leicht, mental aufzugeben, doch den Kampf anzunehmen bedeutet, wenigstens eine Chance zu haben.“ Das vollständige Interview mit weiteren Details ist in der aktuellen Ausgabe des Metal Hammer nachzulesen.
Passend zum Album-Release kündigte das Magazin zudem ein exklusives Sammlerstück an: Der aktuellen Metal-Hammer-Ausgabe 10/2026 liegt ein gemeinsam mit Amon Amarth designter Patch bei, der sich am Artwork des neuen Albums orientiert und weltweit ausschließlich über diese Ausgabe erhältlich ist. Begleitend zur Veröffentlichung von „The Allfather Awakens“ ist zudem eine Tournee im Herbst angekündigt, bei der Fans erneut die Gelegenheit haben dürften, den „Viking Row“ live mitzuerleben.
Bedeutung für die Metal-Szene
Die Geschichte um die Entstehung des „Viking Row“ zeigt exemplarisch, wie aus einer spontanen, unkoordinierten Publikumsaktion eine feste popkulturelle Tradition innerhalb der Metal-Szene erwachsen kann. Was 2009 in Großbritannien als zufälliges, von der Band selbst gar nicht bemerktes Phänomen begann, hat sich über die Jahre zu einem festen Ritual entwickelt, das mittlerweile auch von anderen Bands übernommen wird und weltweit mit Amon Amarth assoziiert wird. Mit dem eigens komponierten Song „Put Your Back Into The Oar“ hat die Band diesem spontanen Fan-Ausdruck nicht nur einen musikalischen Rahmen gegeben, sondern auch die Botschaft von Zusammenhalt und gemeinsamem Kämpfen fest in ihre Live-Identität eingeschrieben. Mit dem bevorstehenden Album „The Allfather Awakens“ und der angekündigten Herbsttournee dürfte der „Viking Row“ auch in Zukunft ein zentraler emotionaler Höhepunkt bei den Konzerten der schwedischen Wikinger-Metaller bleiben.
Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 14:17:03

