METAL
Amon-Amarth-Bassist Ted Lundström über den langen Weg zum Welterfolg

Amon-Amarth-Bassist Ted Lundström hat in einem neuen Interview mit KillerTube einen seltenen Blick hinter die Kulissen der fast 35-jährigen Bandgeschichte geworfen. Der Musiker, der die schwedischen Death-Metal-Veteranen seit der Gründung 1992 im südschwedischen Tumba begleitet, sprach offen darüber, wie unvorstellbar der heutige Erfolg der Band noch vor drei Jahrzehnten gewesen wäre – und warum er froh darüber ist, dass alles langsam und stetig gewachsen ist statt über Nacht.
Auf die Frage, was Amon Amarth heute tue, das bei der Bandgründung völlig undenkbar gewesen wäre, antwortete Lundström nachdenklich: Damals sei alles, was die Band heute mache, schlicht unmöglich gewesen. Die Welt habe sich komplett verändert. Vor 30 Jahren sei er ein Teenager gewesen, alles habe sich neu und verrückt angefühlt, und die Band habe von Tag zu Tag gelebt, ohne große Visionen – außer dem nächsten Schritt. Was die Band heute erreiche, sei damals kaum ein Traum gewesen, so verrückt sei ihre Reise verlaufen. Zwar sei der Weg langsam, aber stetig gewesen, mit stetigem Wachstum, und für jeden erreichten Schritt habe man sich neue Ziele gesetzt. Irgendwann, mittendrin, habe die Band gemerkt, dass das Ganze ernsthaft funktionieren könnte – und daraufhin ihre Brotjobs aufgegeben, um sich zu hundert Prozent auf die Musik zu konzentrieren.
Vom akustischen Experiment bis zur persönlichen Entwicklung
Lundström erinnerte sich auch an ein Interview, das er zuvor über den akustischen Song „Upphaf“ gegeben hatte, der auf dem aktuellen Album „The Allfather Awakens“ erschienen ist. Ein solches Stück wäre in den Anfangstagen der Band ein absolutes No-Go gewesen, als Metal noch „sehr true“ sein musste und die Black-Metal-Szene strenge Regeln vorgab, wie heavy, cool und genrespezifisch eine Band zu sein hatte. Dreißig Jahre später sei man ein anderer Mensch, genieße die Musik aber genauso sehr wie in den frühen Tagen. Das sei eine gute Sache, so Lundström. Man suche heute vielleicht nach einer anderen Resonanz beim Publikum als damals, aber jede Zeit habe eben ihre eigenen Regeln – das gehöre einfach zum Leben dazu. Die Musikbranche habe sich komplett verändert, und auch die Bandmitglieder selbst seien heute andere Menschen. Dennoch empfinde er das alles als eine coole Entwicklung.
Der Moment, der alles veränderte
Auf die Frage, ob es einen bestimmten Auftritt oder Moment gegeben habe, an dem die Band erkannt habe, dass eine echte Karriere möglich sei, erklärte Lundström, dass es keinen einzelnen Wendepunkt gegeben habe. Vielmehr habe sich diese Erkenntnis über die Veröffentlichung verschiedener Alben hinweg eingestellt. Als die Band ihre Tagesjobs aufgab, habe sie zunächst kaum Geld verdient, doch man habe sich gesagt, dass man es zumindest versuchen müsse – das Potenzial sei spürbar gewesen. Da man jung sei und hoffentlich alt werde, könne man es ebenso gut in jungen Jahren versuchen, solange man noch keine Familie, keine Kredite und kein Haus habe und sich voll und ganz dem Risiko widmen könne.
Besonders in Erinnerung geblieben ist Lundström die Zeit, als Amon Amarth begann, in den USA größer zu werden. Er verwies auf die Tour mit Children Of Bodom, die die Band vermutlich 2005 oder 2006 absolvierte. Das sei der Moment gewesen, in dem das Gefühl aufkam, auch jenseits des Atlantiks Fuß fassen zu können – denn unterschiedliche Teile der Welt bräuchten unterschiedlich lange, um „erobert“ zu werden. So habe sich das Wachstum der Band in kleinen Schritten über die Jahre und Kontinente verteilt vollzogen, stets begleitet von viel Spaß auf der Reise.
Stolz auf den langen, harten Weg
Lundström machte deutlich, dass es ihm nichts ausmache, dass die Band mehr als drei Jahrzehnte gebraucht habe, um an den heutigen Punkt zu gelangen. Er sei überglücklich, diese Entwicklung miterlebt zu haben, und wolle keine Band sein, die über Nacht groß werde. Die gesamte Besetzung habe hart gearbeitet und sei stets dem Ziel verpflichtet gewesen zu wachsen – nicht mit einem konkreten Zielpunkt vor Augen, sondern mit dem kontinuierlichen Bestreben, die nächste Stufe zu erreichen, neue Länder zu bespielen oder größere Alben zu veröffentlichen. Rückblickend sei er sehr dankbar für all die Erfahrungen – das Schlafen im Schlafsack im Bandbus oder auf dem Bühnenboden, Mahlzeiten aus nichts weiter als einem Bier und einer Tüte Chips. Trotzdem sei man glücklich gewesen, weil man Spaß hatte und mit Freunden unterwegs war. Es sei insgesamt eine unglaubliche Reise gewesen.
Von Tumba auf die größten Bühnen der Welt
Seit ihrer Gründung 1992 im schwedischen Tumba hat sich Amon Amarth zu einer der international erfolgreichsten Death-Metal-Bands entwickelt. Ihr musikalisches und lyrisches Erbe, geprägt von nordischer Mythologie und epischen Geschichten, spricht für sich selbst. In den vergangenen Jahren ist die Band weltweit aufgetreten, unter anderem gemeinsam mit Slayer, Iron Maiden, Slipknot und Pantera. Zu den Highlights zählen zudem spektakuläre Headliner-Shows in The Forum in Los Angeles sowie im historischen Red Rocks Amphitheatre in Denver.
Auch in Europa hat sich die Band als Festival-Headliner etabliert. 2024 spielte Amon Amarth vor 85.000 Fans beim Wacken Open Air in Deutschland. Beim britischen Bloodstock Open Air stand die Band bereits zweimal als Headliner auf der Bühne, beim Download Festival trat sie zwischen 2008 und 2019 insgesamt viermal auf. Besonders eng verbunden ist Amon Amarth mit dem Summer Breeze Festival, bei dem die Band zwischen 2003 und 2024 acht Mal spielte – sechsmal davon als Headliner.
Tour 2026 mit Dethklok und Castle Rat
Der stetig wachsende Erfolg der Band, sowohl was Verkaufszahlen als auch Tourneen betrifft, spiegelt sich auch in der bereits angekündigten Nordamerika-Tour 2026 wider, die Amon Amarth gemeinsam mit Dethklok und Castle Rat bestreiten wird. Die Vorfreude auf diese Tour ist laut Bandumfeld bereits jetzt groß. Dabei ist es der Band gelungen, Mainstream-Erfolg zu erreichen, ohne dabei an kreativer Weiterentwicklung oder musikalischer Härte einzubüßen. Das Publikum von Amon Amarth reicht demnach von Teenagern bis zu Fans im Alter von über 60 Jahren – ein inklusives Metal-Erlebnis für alle, die epische Positivität und kraftvoll inspirierende Texte zu schätzen wissen.
Das Phänomen „The Row“
Ein besonderes Kapitel in der Kulturgeschichte von Amon Amarth ist das Phänomen des sogenannten „Viking Row“. Der Konsens unter Fans ist, dass dieses Ritual erstmals 2009 beim Auftritt der Band auf dem Bloodstock Festival entstand: Fans legen sich dabei gemeinsam auf den Boden und ahmen synchron das Rudern eines unsichtbaren Langschiffs nach – ein kraftvoll verbindendes Gemeinschaftserlebnis. Mit der Single und dem dazugehörigen Video „Put Your Back Into The Oar“, veröffentlicht 2022, griff die Band dieses Ritual musikalisch auf. Sänger Johan Hegg erklärte dazu, man habe es für eine gute Idee gehalten, einen Song über „The Row“ zu schreiben – als Widmung an die Fans, wo auch immer sie seien, mit dem Wunsch, dass Odin sie auf ihrem Weg zu ihrem Schicksal in unbekannten Gewässern begleite.
Im Laufe der Jahre hat sich dieses Ritual über die Konzerte von Amon Amarth hinaus verbreitet und taucht mittlerweile auch bei anderen Künstlern und globalen Veranstaltungen auf, darunter sogar bei Publikum der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Dank vorhandenem Videomaterial gilt jedoch als gesichert, dass die Ursprünge dieses mittlerweile ikonischen Trends tatsächlich bei den Konzerten von Amon Amarth liegen.
Die Worte von Ted Lundström zeichnen das Bild einer Band, die ihren Erfolg nicht dem Zufall oder kurzfristigem Hype verdankt, sondern jahrzehntelanger Beharrlichkeit, Teamgeist und der Bereitschaft, auch unter widrigsten Bedingungen an die gemeinsame Vision zu glauben. Dass Amon Amarth heute Stadien und Festivalbühnen weltweit füllt, ein eigenes Fan-Ritual hervorgebracht hat und mit der anstehenden Nordamerika-Tour 2026 an der Seite von Dethklok und Castle Rat ihre Reise fortsetzt, erscheint im Rückblick auf die schlichten Anfänge in Tumba als eindrucksvoller Beweis dafür, dass nachhaltiger Erfolg im Metal-Business oft genau jenen langen, steinigen Weg erfordert, den Lundström in seinem Interview so eindringlich beschreibt.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 5.10.2026, 19:29:01

