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Anthrax weisen Ruhestandsgerüchte klar zurück – neues Album als Statement

Anthrax haben mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums CURSUM PERFICIO am 18. September ein deutliches Lebenszeichen gesetzt – und gleichzeitig alle Spekulationen über einen bevorstehenden Rückzug der Band entschieden zurückgewiesen. Es ist das erste Album der Thrash-Metal-Institution seit zehn Jahren, und schon der Umstand, dass eine so lange etablierte Band aus den Achtzigern überhaupt noch neues Material veröffentlicht, wirft angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Musikszene automatisch die Frage auf, wie lange Anthrax noch aktiv bleiben wollen. Im Gespräch mit Eddie Trunk von Trunk Nation haben Gitarrist Scott Ian und Schlagzeuger Charlie Benante nun klar Stellung bezogen.
Der Hintergrund dieser Diskussion ist unschwer zu erkennen: In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr der großen, klassischen Bands aus dem Metal- und Rock-Geschäft verabschiedet, häufig mit aufwendig inszenierten Abschiedstourneen und emotionalen Ankündigungen. Diese Tendenz hat bei Fans offenbar auch in Bezug auf Anthrax die Frage aufkommen lassen, ob das neue Album möglicherweise als letztes großes Statement der Band gedacht sein könnte, bevor sich die New Yorker endgültig von der Bühne zurückziehen.
Scott Ians humorvolle Klarstellung
Scott Ian ließ bei seiner Antwort keinen Zweifel daran, dass Anthrax solche Pläne nicht verfolgen – und nutzte die Gelegenheit für eine ironische Spitze gegen jene Bands, die genau diese Art von Marketing betreiben. „Glaubst du nicht, dass wenn das der Plan wäre, dass wir es ausnutzen würden, wie so viele Bands vor uns?“, fragte er rhetorisch. Weiter führte er aus, dass in einem solchen Fall bereits der Albumtitel entsprechende Hinweise liefern würde und die Band den Fans unmissverständlich signalisieren würde, dass die gemeinsame Reise zu Ende gehe – natürlich verbunden mit dem Appell, jetzt schnell Tickets für die letzten Shows zu kaufen.
Besonders pointiert wurde Ian, als er das gängige Muster solcher Abschiedsankündigungen skizzierte: Man würde nach einer solchen Ankündigung noch weitere fünf Jahre auf Tournee gehen und sich hinterher eine Ausrede zurechtlegen, warum die eigentlich verkündete letzte Reise doch nicht ganz vorbei gewesen sei – weshalb dann eben doch noch ein weiteres Album folge. Mit dieser Aussage macht Ian deutlich, dass Anthrax bewusst auf derartige Inszenierungen verzichten und stattdessen einen ehrlicheren, weniger theatralischen Umgang mit ihrer Zukunft als Band pflegen.
Charlie Benantes Sicht auf das Geschäft rund ums Aufhören
Schlagzeuger Charlie Benante ergänzte die Ausführungen seines Bandkollegen mit einem Einblick in die Mechanismen, die hinter solchen Abschieds- und Comeback-Zyklen bei großen Bands häufig stecken. Er beschrieb, wie Manager und Agenten, sobald eine Band ein gewisses Erfolgslevel erreicht hat, regelmäßig darauf hinweisen, dass es weiterhin einen Markt für die Band gebe. Diese Botschaft werde dann typischerweise an ein einzelnes Bandmitglied herangetragen, das wiederum Sätze wie „Wenn er das macht, mache ich das auch“ äußere. Aus dieser Dynamik heraus entwickle sich dann oft der gemeinsame Entschluss, es doch noch einmal zu versuchen.
Benante stellte in diesem Zusammenhang eine rhetorische Frage, die die emotionale Bindung an das eigene Lebenswerk unterstreicht: „Wie soll man denn auch aufhören? Wie viel Zeit hat man schon reingesteckt?“ Er verwies darauf, dass die Band bereits mehr als vierzig Jahre in den Aufbau von Anthrax investiert habe, und fragte konsequent, warum man dieses Lebenswerk nun einfach beenden sollte. Diese Aussage macht deutlich, dass für Benante der Antrieb, weiterzumachen, weit über kommerzielle Erwägungen hinausgeht und tief in der persönlichen Geschichte und Identität der Band verwurzelt ist.
„Ihr wisst, dass ihr Geld liegen lasst“
Scott Ian griff im weiteren Verlauf des Gesprächs einen Satz auf, der in der Branche offenbar häufig fällt, wenn Bands ihren Rückzug ankündigen: „Ihr wisst, dass ihr Geld liegen lasst.“ Laut Ian handelt es sich dabei um einen der typischen Sprüche, die immer wieder kolportiert werden, wenn eine etablierte Band ihr Ende verkündet. Mit einem Lachen stellte er klar, dass dieser Vorwurf bei Anthrax aktuell gar nicht greifen könne, da die Band bislang überhaupt noch nicht über eine Rente gesprochen habe. Gleichzeitig bestätigte er, dass er diesen Satz im Zusammenhang mit anderen Bands, die ihren Ausstieg angekündigt hatten, regelmäßig mitbekommen habe – stets verbunden mit dem Hinweis, wie viel Geld diese Bands durch ihren Rückzug angeblich verschenken würden.
Was CURSUM PERFICIO für Anthrax bedeutet
Das neue Album CURSUM PERFICIO markiert für Anthrax die erste Studioveröffentlichung seit einer Dekade und fällt damit in eine Phase, in der zahlreiche Bands ihrer Generation entweder bereits ihren Abschied vollzogen haben oder konkret darüber nachdenken. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Veröffentlichung zusätzliche Bedeutung: Statt sich dem Trend der großen Abschiedstourneen anzuschließen, setzen Anthrax mit neuem Material ein klares Zeichen dafür, dass die Band ihre kreative und musikalische Reise fortsetzen möchte.
Die Aussagen von Scott Ian und Charlie Benante im Interview mit Eddie Trunk lassen sich somit als bewusste Distanzierung von der aktuellen „Abschieds-Kultur“ innerhalb des Metal- und Rock-Geschäfts lesen. Während andere Bands ihre letzten Shows medienwirksam inszenieren und dabei, wie von Ian angedeutet, gelegentlich wieder zurückrudern, positionieren sich Anthrax als Band, die ihre über vierzig Jahre währende Geschichte fortschreiben will, ohne dabei auf inszenierte Abschiedsdramaturgien zurückzugreifen.
Für die Fans der Band dürfte diese klare Absage an Ruhestandsgerüchte eine erfreuliche Nachricht sein: Mit CURSUM PERFICIO liegt nicht nur ein neues Kapitel in der Diskografie von Anthrax vor, sondern auch die Zusicherung der Bandmitglieder, dass sie ihr Lebenswerk weiterhin aktiv gestalten wollen. Die Aussagen von Scott Ian und Charlie Benante zeigen zugleich, wie stark die persönliche und emotionale Bindung an eine über Jahrzehnte aufgebaute Band die Entscheidungen der Musiker prägt – jenseits von Marktüberlegungen oder den Erwartungen von Managern und Agenten.
Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 14:16:02
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