METAL
Anthrax: Wie Charlie Benante aus der Pandemie-Krise neue Kraft schöpfte

Anthrax-Schlagzeuger Charlie Benante hat in einem ausführlichen Interview mit dem METAL HAMMER offenbart, wie aus einer tiefen kreativen Krise während der Corona-Pandemie schließlich das neue Anthrax-Album CURSUM PERFICIO entstand. Das komplette Gespräch ist in der METAL HAMMER-Oktoberausgabe 2026 nachzulesen, die am Kiosk erhältlich ist oder bequem nach Hause bestellt werden kann.
Benante erzählte, dass er über eine längere Zeit das Gefühl hatte, musikalisch nichts Neues mehr mitteilen zu können. Der Wendepunkt kam ausgerechnet in einer der dunkelsten Phasen der jüngeren Geschichte: während der Pandemie, als die Situation für viele Menschen zunehmend beängstigend wurde. Der Schlagzeuger beschreibt, wie er irgendwann aufhörte, die Nachrichten zu verfolgen, weil sie ihn enorm stressten und starke Ängste in ihm auslösten. Anstatt sich weiter von den täglichen Krisenmeldungen belasten zu lassen, zog er sich in sein Studio zurück und begann, wieder Songs zu schreiben.
Von der Isolation zur Wiedervereinigung
Ohne zunächst zu wissen, wohin die Reise musikalisch führen würde, arbeitete Benante nach eigener Aussage täglich an neuem Material. Er nahm Demos auf und schickte sie an seine Bandkollegen weiter. Diese Phase der einsamen Studioarbeit mündete schließlich in ein Treffen der gesamten Band in Los Angeles, bei dem die eigentliche Arbeit an den neuen Stücken begann. Benante beschreibt dieses Wiedersehen mit seinen Band-Kollegen als ein großartiges Gefühl, das in ihm ein vollkommen neues Glücksempfinden auslöste. So sei aus etwas zutiefst Negativem – der Isolation und Angst der Pandemie – letztlich etwas Positives entstanden: neue Musik und ein neu entfachtes kreatives Feuer innerhalb der Band.
Die Bedeutung des Albumtitels
Genau dieser Gedanke, dass aus etwas Schlechtem etwas Gutes erwachsen kann, spiegelt sich auch im Titel des neuen Albums wider. CURSUM PERFICIO bedeutet sinngemäß, dass eine Reise endet und eine andere beginnt. Benante erklärte, dass er diesen lateinischen Spruch am Eingangsbereich des letzten Wohnhauses von Marilyn Monroe gelesen habe. Der Satz habe ihn offenbar so nachhaltig beeindruckt, dass er zum programmatischen Titel für das neue Kapitel in der Bandgeschichte von Anthrax wurde – ein Kapitel, das explizit als Übergang von einer schwierigen Phase in eine neue, produktivere Zeit verstanden werden soll.
Songwriting-Reife seit WORSHIP MUSIC
Auf die Frage, ob ihn die ungewöhnlich lange Pause seit dem 2016 erschienenen Album FOR ALL KINGS als Songwriter wählerischer gemacht habe, antwortete Benante mit einem klaren Ja. Er sei fest davon überzeugt, insbesondere seit dem 2011 veröffentlichten Album WORSHIP MUSIC zu einem besseren Songwriter geworden zu sein – vor allem darin, die richtigen Ideen an den richtigen Stellen einzusetzen. Er habe gelernt, einen Song einfach das sein zu lassen, was er sein wolle, und ihn atmen zu lassen. Diese Herangehensweise habe er auch seinen Bandkollegen zu vermitteln versucht: Es spiele keine Rolle, ob ein Stück drei, vier, fünf oder sechs Minuten lang sei. Wenn ein Song etwas zu sagen habe, solle man ihn eben ausreden lassen, anstatt sich künstlich an vorgegebene Längen zu klammern.
Die lange Geschichte von „Target On My Back“
Besonders aufschlussreich sind Benantes Ausführungen zur Entstehungsgeschichte einzelner Songs auf dem neuen Album. Einige Ideen reichen demnach bis ins Jahr 2015 zurück, während andere deutlich später entstanden. Als Beispiel nannte Benante den Song, der zunächst unter dem Arbeitstitel „T.O.M.B.“ firmierte und mittlerweile den Titel „Target On My Back“ trägt. Die ursprüngliche Idee zu diesem Stück stamme tatsächlich aus dem Jahr 2015. Damals habe Benante jedoch keinen weiteren Teil gefunden, der zu dem bestehenden Riff gepasst hätte, weshalb er das Lied zunächst liegen ließ. Erst als er das Riff später an Gitarrist Scott Ian schickte, sei dieser davon ausgesprochen angetan gewesen, woraufhin die beiden gemeinsam etwas Neues um die ursprüngliche Idee herum aufbauten. Benante beschreibt, dass er stets das Gefühl gehabt habe, der Song besitze großes Potenzial, sei aber noch nicht ausgereift genug gewesen – ein Prozess, der sich letztlich über Jahre hinzog, bis das Stück seine endgültige Form fand.
Weitere Themen im vollständigen Interview
Im vollständigen Gespräch, das exklusiv in der METAL HAMMER-Oktoberausgabe 2026 nachzulesen ist, geht Benante zudem darauf ein, was ihn die Musik von Dimebag Darrell und Vinnie Paul gelehrt hat. Außerdem spricht er darüber, wie schwierig es war, eine sehr intime Erfahrung in einen Songtext zu verwandeln, und erläutert, warum der Track „My Victory“ als abschließender Gedanke für das gesamte Album fungiert. Diese Aspekte werden im Heft ausführlich behandelt und liefern weitere Einblicke in den Entstehungsprozess von CURSUM PERFICIO.
Kritischer Blick auf das neue Album
Parallel zum Interview würdigt eine Rezension des neuen Anthrax-Albums im METAL HAMMER, dass die Musik keineswegs nach Altersmüdigkeit klinge. Stattdessen schüttelten die New Yorker demnach großartige Melodien aus dem Lederjackenärmel – ein Hinweis darauf, dass die jahrelange Reifephase und die intensive Arbeit an den Songs sich in der Qualität des fertigen Albums widerspiegeln. Das neue Werk reiht sich damit in die aktuelle wöchentliche Übersicht der wichtigsten Metal-Neuerscheinungen ein, zu der in derselben Woche auch Alben von Revel In Flesh, Asenblut und Hansen zählen. Letzterer wird für sein Album BORN WITH A HAMMER gelobt, das dem Gitarristen und Sänger hörbar Spaß an freiem musikalischem Ausdruck bereite.
Die Geschichte hinter CURSUM PERFICIO zeigt eindrücklich, wie eine der einschneidendsten globalen Krisen der jüngeren Vergangenheit paradoxerweise zum Katalysator für neue künstlerische Energie werden konnte. Für Anthrax und insbesondere für Charlie Benante bedeutet das neue Album weit mehr als nur eine Rückkehr ins Studio – es ist die klingende Bestätigung dafür, dass aus persönlichen Tiefpunkten mitunter die reifsten und bedeutungsvollsten kreativen Ergebnisse entstehen können. Wer die vollständigen Hintergründe zu Dimebag Darrells Einfluss, der intimen Textarbeit und der besonderen Rolle von „My Victory“ erfahren möchte, findet das komplette Interview in der aktuellen METAL HAMMER-Oktoberausgabe 2026.
Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 11:19:05

