KONZERTE

Barney Greenway: Napalm Death von Reaktionen auf NPR-„Tiny Desk“-Auftritt überwältigt

28. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Barney Greenway: Napalm Death von Reaktionen auf NPR-„Tiny Desk“-Auftritt überwältigt

Napalm Death haben Geschichte geschrieben: Die britischen Grindcore-Pioniere waren die erste Band ihres Genres, die bei der renommierten „Tiny Desk“-Konzertreihe von NPR Music auftreten durfte. Sänger Mark „Barney“ Greenway zeigte sich nun in einem neuen Interview mit Amped! TV überwältigt von den Reaktionen auf diesen ungewöhnlichen Auftritt, der im Juli veröffentlicht wurde und weit über die übliche Hörerschaft der Band hinaus Wellen schlug.

Die „Tiny Desk“-Reihe von NPR Music gilt als eines der angesehensten Formate für intime akustische und elektrische Live-Darbietungen und hat in der Vergangenheit Künstler aus den Bereichen Rock, Hip-Hop, Soul, Folk und Jazz beherbergt. Dass nun ausgerechnet eine Grindcore-Band aus Birmingham dort auftrat, markiert einen bemerkenswerten Moment für die extreme Musikszene und zeigt, wie sehr sich die kulturelle Wahrnehmung von Metal und seinen radikaleren Subgenres in den vergangenen Jahren verändert hat.

Ein lange geplanter Auftritt

Wie Greenway im Gespräch erklärte, war die Organisation des Auftritts kein spontanes Unterfangen. Ursprünglich sollte die Band bereits während einer früheren Tour bei „Tiny Desk“ auftreten, doch aus verschiedenen Gründen kam es damals nicht dazu. „Es hat eine Weile gedauert, das zu organisieren, weil wir es eigentlich schon bei der vorherigen Tour machen sollten, und wir haben es aus irgendeinem Grund einfach nicht geschafft, also war es gut, es endlich machen zu können“, so der Sänger.

Für Greenway war der Auftritt jedoch nicht nur eine willkommene Gelegenheit, ein neues Publikum zu erreichen, sondern auch eine politische Aussage. Während der Performance sprach er offen über die Bedeutung von öffentlich zugänglichem Rundfunk. „Für mich war es wichtig, weil ich denke, dass der öffentliche Rundfunk unter einem solchen Angriff von privaten Medienmagnaten und großen Medienkonzernen steht. Und ich war froh, zumindest unseren Teil dazu beizutragen, um dem etwas mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen“, erklärte er.

Überwältigende Resonanz

Auf die Frage nach den Reaktionen auf den Auftritt zeigte sich Greenway regelrecht sprachlos über das Ausmaß der positiven Rückmeldungen. „Ich war überwältigt davon, wie gut es von den Leuten aufgenommen wurde. Ich dachte, wir machen das und es wird für die Leute eine Art Neuheit sein, aber die Leute sind einfach völlig durchgedreht“, sagte er. Viele hätten ihm mitgeteilt, wie „unglaublich“ der Auftritt gewesen sei und gefragt, wie die Band das gemacht habe. Seine Antwort darauf war bewusst nüchtern: „Alles, was ich getan habe, ich bin dort hochgegangen und habe das gemacht, was ich normalerweise mache, nämlich schreien.“

Schon zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung des „Tiny Desk“-Auftritts im Juli hatte sich Greenway in einer offiziellen Stellungnahme zu dem Projekt geäußert. Er erklärte damals, dass er seit Jahrzehnten immer wieder in die Sendung „Democracy Now!“ über NPR Radio eingetaucht sei, um unverfälschte, aber durchdachte Nachrichten aus Nordamerika zu erhalten. „Als also die NPR-‚Tiny Desk‘-Sache aufkam, hat es mir ein kleines bisschen den Kopf verdreht“, so Greenway. Die Band sei sich bewusst gewesen, dass sie mit dieser Performance ein deutlich größeres Publikum erreichen würde als üblich – dennoch habe man die Darbietung in keiner Weise abgemildert. „Wie man es von Napalm Death erwarten würde, wollten wir die Performance in keinster Weise zurückhalten. Wir hoffen, dass jeder zumindest irgendetwas davon mitnimmt, auch wenn es nur ein Verständnis dafür ist, wie musikalische Abrasivität auf die Spitze getrieben werden kann“, sagte er weiter. Zudem betonte er noch einmal die Bedeutung, öffentlich zugänglichen Rundfunk angesichts anhaltender Angriffe darauf zu unterstützen.

Die Rolle von NPR-Produzent Lars Gotrich

Kuratiert wurde der besondere Auftritt von NPR-Music-Produzent und Autor Lars Gotrich, dessen langjährige Wertschätzung für harte Musik maßgeblich dazu beitrug, dass dieser Meilenstein überhaupt möglich wurde. Gotrich unterstrich in einem Statement die Bedeutung, die er dieser Entscheidung beimaß: „Die erste Grindcore-Band bei ‚Tiny Desk‘ musste die Gründerväter sein. Ich habe so vielen anderen abgesagt oder gesagt ‚vielleicht später‘ – so wichtig war es mir, das richtig zu machen. Es gibt nur eine Napalm Death, nicht nur beispielhaft für extreme Musik, sondern auch dafür, was es bedeutet, in dieser scheinbar unmenschlichen Zeit ein Mensch zu sein.“ Diese Worte verdeutlichen, wie sehr der Auftritt als kulturell bedeutsamer Moment innerhalb der NPR-Redaktion wahrgenommen wurde.

Napalm Death: Geschichte einer Grindcore-Legende

Napalm Death wurde 1981 in Birmingham, England, gegründet und gilt als Erfinder des Grindcore, jenes extremen Metal-Subgenres, das sich durch ultraschnelle Songstrukturen und kompromisslose Aggressivität auszeichnet. Obwohl kein einziges Gründungsmitglied heute noch in der Band aktiv ist, bilden Sänger Barney Greenway und Bassist Shane Embury seit dem Großteil der Bandgeschichte das kreative Rückgrat der Gruppe. Embury stieß 1987 zur Band und ist mittlerweile das am längsten dienende Mitglied – er ist auf 15 der insgesamt 16 Studioalben der Band zu hören.

Aktuell befindet sich Embury allerdings in einer Auszeit von den Live-Aktivitäten der Band, um sich verschiedenen gesundheitlichen Problemen zu widmen, darunter ein Kampf gegen Pankreatitis. Auf der Bühne wird er vorübergehend von Adam Clarkson vertreten, der bereits seit 2023 immer wieder für Shane einspringt. Die aktuelle Live-Besetzung von Napalm Death wird durch den langjährigen Schlagzeuger Danny Herrera und Gitarrist John Cooke vervollständigt.

Vom Underground zur globalen Anerkennung

Trotz anfänglicher Verwunderung seitens der Medien gelang es Napalm Death, weltweiten Erfolg zu erlangen – nicht zuletzt dank der Unterstützung des legendären BBC-Radiomoderators John Peel, der die Band früh förderte und ihr damit zu größerer Bekanntheit verhalf. Die Band gilt seither als Erfinderin des Grindcore und hat im Laufe ihrer Karriere sowohl Kerrang!- als auch Metal Hammer-Awards gewonnen. Ein weiterer Meilenstein gelang der Band 2017, als sie als erste extreme Metal-Band überhaupt beim Glastonbury Festival auftrat – ein Auftritt, der ebenfalls als Symbol für die zunehmende Akzeptanz extremer Musikformen in etablierten kulturellen Institutionen gewertet wurde.

Bedeutung für die Szene

Der „Tiny Desk“-Auftritt von Napalm Death reiht sich damit nahtlos in eine Reihe von Momenten ein, in denen die Band Grenzen verschoben und Grindcore einem breiteren Publikum zugänglich gemacht hat. Die überwältigend positive Reaktion, von der Barney Greenway berichtet, zeigt, dass kompromisslose, extreme Musik längst nicht mehr nur in Nischen ihre Anhänger findet, sondern auch in etablierten Medienformaten auf offene Ohren stößt. Für die Grindcore-Szene insgesamt dürfte dieser Auftritt als weiterer Beleg dafür dienen, dass sich die Grenzen zwischen Underground und Mainstream zunehmend auflösen – ohne dass dabei die kompromisslose Haltung der Musik verwässert werden muss.

Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:21:13

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