METAL
Battle Beast: Keine Kandidatenliste – Marina La Torraca war die einzige Wahl

Die finnische Metal-Band BATTLE BEAST hat in einem Interview mit SDTV – Stonedead Festival erstmals ausführlich über den überraschenden Wechsel am Mikrofon gesprochen. Bassist und Gründungsmitglied Eero Sipilä sowie die neue Sängerin Marina La Torraca gaben Einblicke in die turbulenten Monate seit dem Abschied von Langzeit-Frontfrau Noora Louhimo und erklärten, warum die Band bei der Suche nach einer Nachfolgerin denkbar unkonventionell vorging: Es gab nie eine Shortlist, nie ein klassisches Casting – La Torraca war von Anfang an die einzige Kandidatin, die überhaupt kontaktiert wurde.
Der Wechsel kam für die Band selbst wie aus heiterem Himmel. Noora Louhimo hatte im Spätsommer vergangenen Jahres angekündigt, BATTLE BEAST verlassen zu wollen – zu einem Zeitpunkt, als bereits Konzerte gebucht waren. Sipilä beschreibt die Reaktion der Band als Schockzustand: „Oh shit, oh shit, oh shit, wir brauchen jetzt sofort eine neue Sängerin.“ Er selbst sei zunächst wie erstarrt gewesen, während Leadgitarrist Joona Björkroth sofort aktiv wurde und mit bemerkenswerter Effizienz nach möglichen Nachfolgerinnen suchte.
Keine Castingshow, sondern eine Bauchentscheidung
Anders als man es bei einem derart bedeutenden Bandwechsel erwarten könnte, verzichtete BATTLE BEAST komplett auf einen mehrstufigen Auswahlprozess. „Wir haben definitiv nicht mit einer Shortlist oder irgendwelchen alternativen Plänen geendet“, erklärte Sipilä. „Wir hatten einfach: Hier ist Marina. Sie klingt großartig. Sie wirkt großartig. Lasst uns sie fragen und sehen, was sie antwortet. Und der Rest ist Geschichte.“ Er betonte, dass im Nachhinein genau diese schnelle, intuitive Entscheidung von Vorteil gewesen sei. Hätte die Band mehr Zeit zum Nachdenken gehabt, so seine Einschätzung, hätte man möglicherweise angefangen, sich selbst zu hinterfragen – ein Prozess, der die Entscheidung eher erschwert als erleichtert hätte.
Marina La Torraca selbst zeigte sich überrascht über diese Herangehensweise. Sie habe aufgrund ihrer Erfahrung im Musiktheater-Bereich mit einem langwierigen, mehrphasigen Auditionprozess gerechnet, wie er dort üblich ist. „Es war kein Casting, kein aufwendiges Casting“, sagte sie. Stattdessen sei es eine „intuitive Gruppenentscheidung“ gewesen, bei der die Band sich entschied, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen. Sipilä ergänzte, dass es in einer solchen Situation manchmal notwendig sei, einen Vertrauenssprung zu wagen: „Wir können nicht zwei Jahre pausieren und dann diskret anfangen, nach Leuten zu suchen. Wir mussten einfach sagen: Wir müssen jetzt handeln. Lasst uns mit ihr weitermachen.“
Vom Schockmoment zur ersten Bühne in Tokio
Sipilä, der seit 17 Jahren Teil von BATTLE BEAST ist, schilderte in einem früheren Interview mit dem australischen Portal Metal Mal, wie „absolut schockiert“ er war, als Louhimo den übrigen Bandmitgliedern ihren Ausstiegswunsch mitteilte. „Es kam völlig aus dem Nichts, für mich komplett zufällig“, sagte er. Mit der Zeit habe er sich jedoch daran erinnert, dass die Band bereits vor Noora existierte – und deshalb auch danach weiterbestehen könne. Diese Haltung habe die gemeinsame Stimmung in der Band geprägt. Man habe aktiv nach neuen Sängerinnen gesucht, und Marinas Name sei ganz oben auf der Liste gelandet. Die Band rief sie an, sie zeigte Interesse, wurde nach Finnland eingeflogen – und die Dinge fügten sich zusammen.
Ihr offizielles Debüt als neue Stimme von BATTLE BEAST gab La Torraca am 6. März beim Konzert im WWWX in Tokio, Japan – im Rahmen einer Asien-Tour. Wie Marina im Interview schilderte, folgte darauf keine echte Verschnaufpause, sondern direkt weitere Probenarbeit sowie ein intensiver Sommer voller Konzerte. Sie beschrieb die Situation als besonders fordernd, da eine Sommer-Tourphase generell anspruchsvoller sei als ein regulärer Tourzyklus – mit viel Reisen, wenig Schlaf und teils zwei aufeinanderfolgenden Shows ohne ausreichende Erholung dazwischen. „Ich wurde von Anfang an ins kalte Wasser geworfen“, sagte sie über ihren Einstieg, der direkt nach der Asien-Tour in intensive Probenarbeit überging, während gleichzeitig alles rund um Nooras Abschied und ihre eigene Aufnahme in die Band in rasantem Tempo organisiert werden musste.
Wer ist Marina La Torraca?
Die gebürtige Brasilianerin aus São Paulo begann bereits als Teenagerin in lokalen Coverbands zu singen, bevor sie eine formale Gesangsausbildung absolvierte, unter anderem im Bereich Musical-Theater in New York. Bekannt wurde sie vor allem als kraftvolle Frontfrau der Modern-Metal-Band PHANTOM ELITE sowie als Mitglied des Symphonic-Metal-Projekts EXIT EDEN. Neben ihrer Karriere im Metal-Bereich stand sie in professionellen Musical-Produktionen im deutschsprachigen Raum auf der Bühne. Zusätzlich zu ihrer musikalischen Tätigkeit arbeitet sie als Grafikdesignerin, Gesangscoach, Produzentin und Songwriterin. Ihre stimmliche Bandbreite gilt als besonders vielseitig: Sie bewegt sich mühelos zwischen dramatischen, melodischen Passagen und intensiven, harschen Screams.
Als ihre Verpflichtung im Dezember 2025 offiziell bekanntgegeben wurde, äußerte sich La Torraca in einem Statement sichtlich bewegt: „Als ich zum ersten Mal eine E-Mail mit BATTLE BEAST und meinem Namen im Betreff sah, dachte ich ehrlich, das müsse ein Irrtum sein. Aber als ich sie öffnete, hätte ich nicht glücklicher sein können.“ Sie räumte ein, dass es durchaus beängstigend sei, in die Fußstapfen einer „Gesangslegende“ wie Noora zu treten, betonte aber gleichzeitig, wie aufregend diese neue Aufgabe für sie sei. BATTLE BEAST bezeichnete sie als eine der fleißigsten und talentiertesten Bands überhaupt und zeigte sich stolz, Teil dieser Entwicklung zu sein: „Schnallt euch an – das wird Spaß machen.“
Nooras Abschied und ihr Vermächtnis
Noora Louhimo war 2012 zu BATTLE BEAST gestoßen, damals ohne jegliche Vorerfahrung als Metal-Sängerin, und trat die Nachfolge von Nitte Valo (auch bekannt als Nitte Vänskä) an. In den folgenden 13 Jahren entwickelte sie sich zu einer der prägendsten Stimmen der Band. In ihrem Abschiedsstatement blickte sie emotional zurück: „13 Jahre lang durfte ich mit BATTLE BEAST wachsen, lernen und mich weiterentwickeln – als Musikerin und als Mensch. Jetzt sehnt sich mein Herz nach neuen Abenteuern und danach, mit meinen eigenen Flügeln meinen Träumen entgegenzufliegen.“ Sie betonte, dass dies kein endgültiger Abschied, sondern der Beginn eines neuen Kapitels für beide Seiten sei, und verabschiedete sich mit den Worten: „Wir sehen uns bald, Little Beasts!“ Offiziell verließ sie die Band laut BATTLE BEAST, um sich verstärkt auf ihre Solokarriere zu konzentrieren.
Zukunftspläne: Neue Musik als „großes Experiment“
Auf die Frage nach kommenden Songs mit ihr am Mikrofon beschrieb Marina La Torraca den bevorstehenden Schreibprozess als „großes Experiment“. Die konkrete Arbeit daran soll erst nach Abschluss der laufenden Sommer-Saison beginnen. Sie betonte, dass BATTLE BEAST traditionell ohne feste Formel arbeite – die Band schreibe intuitiv das, woran sie glaube, und orientiere sich am Bauchgefühl statt an starren Konzepten. Ihr eigener Anspruch sei dabei nicht, unbedingt eine persönliche Handschrift durchzusetzen: „Solange das, was wir machen, gut ist, ist es mir nicht wichtig, ob das jetzt mein Stempel oder meine Signatur ist. Es geht eher darum, zu sehen, was wir gemeinsam erschaffen können und es gut zu machen.“
Aktuelles Album und Einordnung
Das siebte Studioalbum der Band, „Steelbound“, erschien im Oktober 2025 über Nuclear Blast – noch mit Noora Louhimo am Mikrofon. Der Führungswechsel bei BATTLE BEAST markiert damit einen deutlichen Einschnitt kurz nach Veröffentlichung dieses Albums und wirft zugleich die Frage auf, wie sich der Sound der Band mit einer neuen Stimme weiterentwickeln wird. Die Offenheit, mit der sowohl Sipilä als auch La Torraca über den spontanen, intuitiven Entscheidungsprozess sprechen, zeigt, dass die Band bewusst auf schnelles Handeln statt auf langwierige Planung setzte – eine Strategie, die angesichts der bereits gebuchten Termine und der laufenden Tourverpflichtungen nachvollziehbar erscheint. Für die Fans von BATTLE BEAST bedeutet dieser Umbruch vor allem eines: eine neue Ära mit einer stimmlich vielseitigen Frontfrau, die bereits in ihren ersten Monaten unter Extrembedingungen bewiesen hat, dass sie den anspruchsvollen Alltag einer international tourenden Metal-Band bewältigen kann.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:46:26

