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Brian May beendet Ära: Keine klassischen Queen-Tourneen mehr

06. Oktober 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Brian May schließt künftige Tourneen mit Queen aus
Bild: Mara Schaaf

Queen-Gitarrist Brian May hat in einem aktuellen Interview mit der britischen Tageszeitung The Times klargestellt, dass er auf künftige Live-Tourneen mit der Band keine Lust mehr hat. Nach rund 50 Jahren auf der Bühne zieht der 78-Jährige damit einen Schlussstrich unter seine Zeit als reisender Live-Musiker – eine Entscheidung, die offenbar schon länger gereift ist und nun öffentlich bestätigt wurde.

Wie May im Gespräch erklärte, sei der Entschluss keineswegs spontan gefallen. „Ich bin nicht erst vor kurzem zu diesem Schluss gekommen“, sagte der Gitarrist. „Ich traf die Entscheidung, nicht mehr touren zu wollen, schon vor 18 Monaten.“ Auslöser war demnach ein persönlicher Schicksalsschlag während einer US-Tour: Eine Person aus seinem engen Umfeld war gestorben, während die Band in den Vereinigten Staaten unterwegs war. May erinnerte sich, wie er seiner Tour-Managerin damals mitteilen wollte, kurz nach Hause zu fahren und anschließend zur Tour zurückzukehren. Ihre Reaktion machte ihm die Realität des Tourlebens schmerzlich bewusst: „Sie hat mir in die Augen geblickt und gesagt: ‚Du weißt, dass das nicht geht.‘“

Der Preis des Tourlebens

May beschreibt seine Beziehung zur Musik und zum Reisen als tief und ungebrochen, doch er benennt auch klar den Preis, den ein Leben auf Tour mit sich bringt. „Ich liebe es zu spielen, ich liebe es zu reisen. Aber der Preis dafür ist, dass man seine Freiheit opfern muss“, so der Gitarrist. Für ihn überwiegen inzwischen andere Prioritäten: seine Ehefrau, seine Enkelkinder und seine Leidenschaft für Astrophysik, der er sich künftig verstärkt widmen möchte. May selbst zieht ein nüchternes Fazit: „Ich habe eine Frau, Enkelkinder und ganz viel Astrophysik, auf die ich mich konzentrieren will. Daher denke ich, 50 Jahre sind genug.“

Eine „revolutionäre“ Alternative zur klassischen Tour

Trotz des Rückzugs von klassischen Live-Tourneen schließt Brian May nicht aus, dass Queen auf anderem Wege noch einmal auf einer Bühne zu erleben sein könnten. Im Interview deutete er ein Projekt an, das er als „ziemlich revolutionär“ bezeichnete. Dabei grenzte er sich explizit von dem Ansatz ab, den ABBA mit ihrer Avatar-Show gewählt hat, sprach aber von „etwas in die Richtung“. Inspiriert wurde May offenbar durch einen Besuch der Konzert-Location Sphere in Las Vegas im vergangenen Jahr. Dieser Besuch habe seine kreativen Energien freigesetzt, sodass er im Anschluss eine komplette Queen-Show entworfen habe.

May machte jedoch deutlich, dass ein derart umfassendes, Raum und Zeit überdauerndes Erlebnis aktuell technisch kaum ohne Künstliche Intelligenz realisierbar sei – ein Umstand, mit dem er sich sichtlich schwertut. „Aber aktuell kann man das ohne KI nicht auf die Beine stellen. Und ich habe eine starke Abneigung dagegen“, erklärte er. Noch deutlicher wurde er mit Blick auf die Infrastruktur hinter solchen Technologien: „KI-Datenzentren sind ein großes Unheil und müssen bekämpft werden.“ Damit bleibt offen, ob und in welcher Form ein solches Projekt tatsächlich umgesetzt wird.

Roger Taylors vorsichtige Zukunftsaussage

Noch im Juli hatte Schlagzeuger Roger Taylor in einem Gespräch mit BBC Radio 2 eine deutlich offenere Haltung zur Zukunft von Queen als Live-Band eingenommen. Er machte die Entscheidung explizit von sich und Brian May abhängig: „Es hängt von Brian und mir ab. Ich liebe es live zu spielen und genieße es so, wie ich es immer genossen habe. Wenn wir es also beide tun wollen, würde ich mich freuen. Aber wir werden sehen. Sag niemals nie.“ Mit Mays aktuellen Aussagen scheint diese Tür für klassische Tourneen nun jedoch weitgehend geschlossen zu sein.

Rückzug aus Nordamerika bereits im Januar angedeutet

Bereits im Januar hatte Brian May gegenüber der Daily Mail durchblicken lassen, dass er zumindest Nordamerika nicht mehr bereisen möchte. Als Begründung führte er die aktuelle politische Lage in den Vereinigten Staaten an. „Amerika ist ein gefährlicher Ort im Moment — und so etwas muss man mit berücksichtigen“, sagte May. Er zeigte sich dabei sichtlich bewegt über die Entwicklung, da er Queen eng mit dem Land verbindet: „Ich finde das sehr traurig, weil ich habe das Gefühl, dass Queen in Amerika erwachsen geworden sind. Und wir lieben Amerika, aber es ist nicht mehr das, was es einmal war. Jeder denkt jetzt zweimal darüber nach.“

Was von den verbliebenen Queen-Mitgliedern zu hören bleibt

Auch wenn klassische Konzerttourneen der Vergangenheit anzugehören scheinen, bleiben die verbliebenen Queen-Mitglieder musikalisch aktiv. Erst am 18. September veröffentlichte Roger Taylor sein bereits siebtes Solo-Album mit dem Titel „Violence Insane In A Beautiful World“. Live war Queen zuletzt im Februar 2024 zu erleben, als die Band gemeinsam mit Sänger Adam Lambert fünf Gastspiele in Japan gab. Seitdem sind keine weiteren Liveauftritte der Band bekannt geworden.

Einordnung

Mit seinen jüngsten Aussagen setzt Brian May einen klaren Schlusspunkt unter ein halbes Jahrhundert Live-Geschichte von Queen und bestätigt damit Befürchtungen, die durch Roger Taylors zurückhaltende Äußerungen im Sommer bereits im Raum standen. Gleichzeitig öffnet May mit seinen Überlegungen zu einer technologiebasierten, immersiven Show eine neue, wenn auch noch vage Perspektive, wie die Band dem Publikum auch ohne klassische Tourneen erhalten bleiben könnte. Für Fans bedeutet dies vorerst vor allem eines: Auftritte wie die Japan-Shows 2024 dürften auf absehbare Zeit die letzten ihrer Art gewesen sein, während die Zukunft von Queen auf der Bühne nun stärker denn je von technischen Innovationen und persönlichen Haltungen gegenüber Künstlicher Intelligenz abhängen könnte.

Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 7.10.2026, 08:08:23

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