METAL

Cliff Burton: Das kurze, prägende Vermächtnis des Metallica-Visionärs

27. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Cliff Burton: Metallicas Visionär

Fast vier Jahrzehnte nach seinem tragischen Tod ist Cliff Burton für viele Metal-Fans noch immer der prägendste Bassist in der Geschichte von Metallica. Wer heute Zugang zur privaten Maxwell Ranch in Kalifornien erhält, kann dem am 27. September 1986 verstorbenen Musiker so nah kommen wie kaum ein anderer Ort es ermöglicht: Dort wurde zehn Tage nach seinem Unfalltod während der „Damage, Inc.“-Tournee seine Asche verstreut. Die Ranch war für Burton zu Lebzeiten ein Rückzugsort zum Entspannen und Songschreiben. Eine offizielle Grabstätte, an der Fans ihm gedenken könnten, existiert bis heute nicht.

Stattdessen pilgern viele Anhänger zu einem im September 2006 enthüllten Gedenkstein nahe der Unfallstelle in Südschweden. In das Ehrenmal ist ein Zitat eingearbeitet, das Metallica auf ihrem 1988er-Album „…And Justice For All“ für den Instrumentaltitel „To Live Is To Die“ verwendet haben: „Cannot the kingdom of salvation take me home“ – frei übersetzt: „Kann mich das Himmelreich nicht nach Hause holen.“ Eine weitere Gedenkplakette findet sich an der Marshall Elementary School in Castro Valley, die Burton als Kind besucht hatte.

Der kreative Motor der Band

Cliff Burton gilt vielen Kennern als der wichtigste Bassist in der Karriere von Metallica – ein außergewöhnlich begabter Visionär, der die größten kommerziellen Erfolge der Band zwar nicht mehr erleben durfte, ihren Sound, ihr Zusammenspiel und ihr Songwriting aber weitaus nachhaltiger geprägt hat als seine Nachfolger Jason Newsted und Rob Trujillo. Metallica-Frontmann James Hetfield erinnert sich: „Cliff hatte genaue Vorstellungen davon, wie ein Song klingen muss. Wenn er sein Veto einlegte, wurde die Idee sofort und ohne Diskussion verworfen.“ Auch Flemming Rasmussen, der die Alben „Ride The Lightning“ (1984) und „Master Of Puppets“ (1986) produzierte, bestätigt Burtons zentrale Rolle im Bandgefüge: „In dieser Band passierte nichts, bevor Cliff nicht sein ausdrückliches Einverständnis gegeben hatte.“

Hetfield ergänzt, wie viel er selbst von seinem Kollegen gelernt habe: „Er kannte sich in Harmonielehre bestens aus. Von ihm habe ich enorm viel über das Zusammenspiel gelernt.“ Diese Aussagen befeuern bis heute die Diskussion unter Fans, ob Metallica im Jahr 2026 grundlegend anders klingen würden, wäre Burton noch dabei. Die Einschätzung fällt eindeutig aus: Ja, würden sie. Newsted und Trujillo haben zwar wichtige Beiträge zu späteren Produktionen geleistet, doch so ungewöhnlich, vielseitig und einflussreich wie Burton war keiner seiner Nachfolger.

Der Unfall in Südschweden

Am 27. September 1986 kam der Tourbus von Metallica während der „Damage, Inc.“-Tour auf dem Weg von Stockholm nach Kopenhagen in der Nähe der schwedischen Kleinstadt Dörarp von der Straße ab und überschlug sich mehrfach. Burton wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und darunter eingeklemmt. Noch am Unfallort erlag er seinen schweren Verletzungen. Besonders tragisch: Er schlief in der Koje, die eigentlich für Lead-Gitarrist Kirk Hammett vorgesehen war. Unmittelbar vor Reiseantritt hatten sich die beiden Bandkollegen per Losentscheid zu einem Tausch entschieden – mit fatalen Folgen für den Bassisten. Hammett überstand den Crash weitgehend unverletzt.

Die Polizei untersuchte den Unfall und schloss zunächst auch Alkohol oder Drogen als Ursache nicht aus. Der Fahrer des Unglücksbusses, dessen Name nie offiziell bekannt wurde, gab an, plötzlich aufgetretenes Glatteis habe das Fahrzeug ins Schlingern gebracht. Für diese Erklärung fanden sich vor Ort jedoch keinerlei Hinweise. Da dem Fahrer kein offensichtliches Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, wurde keine Anklage erhoben.

Vom Klavier zum revolutionären Bassspiel

Cliff Burton wurde am 10. Februar 1962 in Kalifornien als jüngstes von drei Geschwistern geboren. An einem College in San Francisco begann er früh, Klavier zu spielen; mit 14 Jahren wechselte er zum Bass. Seine pianistischen Kenntnisse prägten sein Spiel nachhaltig: Anstatt nur Grundtöne zu zupfen, streute er kleine Arpeggien, Skalen und Akkordtöne ein, steuerte den Songs eigenständige Melodien bei und agierte quasi als dritter Gitarrist neben Hetfield und Kirk Hammett beziehungsweise – bis 1983 – Dave Mustaine. Zudem zupfte Burton die Saiten ausschließlich mit den Fingern, ganz im Gegensatz zu den meisten Metal-Bassisten, die den härteren Attack eines Plektrums bevorzugten, und baute immer wieder komplexe Tapping-Techniken in sein Spiel ein – ein Stilmittel, das man sonst eher von Lead-Gitarristen kennt.

Burton war erklärtermaßen Fan von Black Sabbath, Rush und ZZ Top, aber auch von klassischen Komponisten wie Beethoven und Bach. Dieser Einfluss zeigt sich besonders deutlich in der Instrumentalnummer „(Anesthesia) – Pulling Teeth“ vom 1983er-Debüt „Kill ’Em All“ sowie im Intro von „For Whom The Bell Tolls“ auf dem Klassiker „Ride The Lightning“, bei dem Burtons Bass wie eine E-Gitarre klingt. Ein weiteres Paradebeispiel für seine Spielweise ist das von ihm komponierte Stück „Orion“ auf „Master Of Puppets“, das im Oktober 1986 bei Burtons Gedenkzeremonie auf der Maxwell Ranch gespielt wurde und mit dem Metallica ihren verstorbenen Kollegen 2006 bei Rock am Ring noch einmal ausdrücklich ehrten.

Instrumente und Equipment eines Ausnahmemusikers

Da Burton seinen Bass nicht wie üblich als eng mit dem Schlagzeug verzahntes Rhythmusinstrument betrachtete, sondern eher wie eine Lead-Gitarre spielte, war auch die Wahl seiner Instrumente wohldurchdacht. Sein bis heute unvergessener, modifizierter Rickenbacker 4001 kam besonders in den ersten drei Metallica-Jahren zum Einsatz und ist vor allem auf „Kill ’Em All“, teilweise auch auf „Ride The Lightning“ zu hören. Anschließend spielte Burton einen Alembic „Spoiler“, der ihm jedoch nach kurzer Zeit gestohlen wurde. Daraufhin legte er sich zwei Aria „Pro II SB“ zu: einen „SB-1000“, mit dem er die „Master Of Puppets“-Tour bestritt, und jenen „SB Black’n Gold“, der seit Frühjahr 2026 als Vorlage eines limitierten Signature-Modells dient – mit durchgehendem Hals aus Ahorn und Walnuss sowie einem dem Original nachempfundenen „MB-10E“-Pickup.

Der „SB Black’n Gold“ gilt als besonders legendär, weil Burton ihn 1986 exakt auf jener „Damage, Inc.“-Tour einsetzte, die ihm letztlich das Leben kostete. Der Hersteller hat bekanntgegeben, dass der Aria „Pro II SB-CLB Cliff Burton Signature“ nur bis Ende 2026 gefertigt wird, weshalb interessierte Musiker sich zeitnah entscheiden sollten. Bei den Verstärkern setzte Burton in den Anfangsjahren schwerpunktmäßig auf einen Sunn „Beta Bass“ und einen Peavey „Mark IV Series 400“. Später wechselte er zu zwei MESA/Boogie „D-180“-Topteilen – eines für das klare Signal, das andere ausschließlich für die Effektgeräte – in Kombination mit je einer 4x12er- und einer 1x15er-MESA/Boogie-Bassbox.

Diese hochwertigen Verstärker bildeten die perfekte Grundlage für sein ausgewähltes Sortiment an Effektgeräten, darunter ein Morley „Power Wah Boost“, das unter anderem im Intro von „For Whom The Bell Tolls“ zum Einsatz kam und dadurch zu einer Art Markenzeichen für Burtons Sound wurde. Nicht weniger wichtig waren sein Boss „CS-2 Compression Sustainer“, ein Ibanez „TS9“-Tubescreamer, ein Ibanez „HD1500“-Delay/Pitchshifter und – jedenfalls in der Frühphase der Gruppe – ein „Big Muff Pi“-Verzerrer von Electro Harmonix.

Ein Vermächtnis, das bis heute nachwirkt

Die Erinnerung an Cliff Burton bleibt lebendig – an einen großartigen Musiker, der sich mit nur drei Alben ins große Buch der Metal-Legenden eintragen konnte. Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich bezeichnet Burton bis heute als den musikalisch gebildetsten Musiker der damaligen Besetzung und bestätigt damit Hetfields Einschätzung, dass der unvergessene Bassist der kreative Motor der Band gewesen sei. Auch das 2024 von Metallica ins Leben gerufene digitale Museumsprojekt „Orion: A Tribute To Cliff Burton“ hält sein Erbe wach – ein passender Titel für einen Musiker, der zeit seines Lebens eher schweigsam auftrat, dessen Musik jedoch mehr als tausend Worte sagte.

Cliff Burtons Einfluss auf Metallica reicht weit über seine kurze Zeit in der Band hinaus. Mit seinem ungewöhnlichen, von Klavier und klassischer Musik geprägten Bassspiel setzte er Maßstäbe, die den Thrash Metal der 1980er-Jahre nachhaltig prägten und bis heute als Referenzpunkt für Bassisten des Genres gelten. Sein früher Tod im Alter von nur 24 Jahren beraubte die Metal-Welt eines Ausnahmetalents, dessen kreative Handschrift noch immer in jedem Konzert und jeder Wiederveröffentlichung der frühen Metallica-Alben nachklingt.

Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:57:01

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