METAL

Fear Factory: Milo Silvestro über neue Single „Roboticist“ und Hommage an Burton C. Bell

03. Oktober 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
FEAR FACTORY's MILO SILVESTRO On New Single 'Roboticist': 'I Tried To Sound As Much As Possible Like BURTON C. BELL'

Mit der neuen Single „Roboticist“ hat FEAR FACTORY Ende August den ersten musikalischen Lebenszeichen seiner aktuellen Besetzung veröffentlicht – und Sänger Milo Silvestro hat in einem Interview mit dem Impact Metal Channel nun ausführlich erklärt, wie er und Gitarrist Dino Cazares an den Sound des kommenden Albums herangegangen sind. Der Song erschien über Nuclear Blast und markiert die erste Veröffentlichung mit den neuesten Mitgliedern der Band, Silvestro und Schlagzeuger Pete Webber, die beide bereits seit über dreieinhalb Jahren Teil der Live-Besetzung von FEAR FACTORY sind.

In dem Gespräch, das von BLABBERMOUTH.NET transkribiert wurde, zeigte sich Silvestro sichtlich erleichtert über die bisherige Resonanz. „'Roboticist' ist die erste Single des kommenden neuen Albums, das irgendwann nächstes Jahr erscheinen wird. Wir sind wirklich froh, den ersten neuen Song dieser neuen Besetzung live auf Tour in Europa zu spielen“, so der Sänger. Das Publikum scheine den Track bereits zu lieben und sogar mitzusingen, was die Band als Zeichen dafür wertet, dass die neue Ära akzeptiert werde.

Auf die Frage, was Fans vom kommenden Album erwarten können, verriet Silvestro, dass die Platte zehn Songs umfassen soll. Er betonte, wie herausfordernd ein Line-up-Wechsel für Fans sein kann, insbesondere wenn ein neuer Sänger ins Spiel kommt. Bassist Tony Campos sei zwar schon seit 2014/2015 Teil der Band – mit einer Unterbrechung aufgrund eines Rechtsstreits um die Namensrechte –, doch mit Webber am Schlagzeug und ihm selbst am Mikrofon habe sich die Besetzung erheblich verändert. Gerade deshalb habe man sich bewusst entschieden, klanglich im „FEAR FACTORY-Reich“ zu bleiben.

Der neue Sound: Hommage an Burton C. Bell

Silvestro machte deutlich, dass er bewusst versucht habe, so nah wie möglich am Gesangsstil des langjährigen FEAR-FACTORY-Frontmanns Burton C. Bell zu bleiben. „Ich denke, diese Band könnte für mich, auch als Fan, gar nicht anders klingen, weil Burt so ein ikonischer Sänger war“, erklärte er. Seiner Meinung nach habe kein anderer Vokalist jemals so geklungen wie Bell, weder im harschen noch im melodischen Gesang – Bell sei der Pionier dieser Kombination aus Growls und cleanen Vocals gewesen.

Interessanterweise sei es laut Silvestro gar nicht nötig gewesen, diesen Stil künstlich zu imitieren: Seine starke Prägung durch Bell habe bereits natürlich zu einem ähnlichen Klang geführt. Genau dieser Umstand habe auch Dino Cazares auf ihn aufmerksam gemacht. Nach seiner Verpflichtung habe Silvestro Bells Stil, Sound und stimmliche Nuancen noch intensiver studiert, um den Fans einen möglichst authentischen FEAR-FACTORY-Gesang zu bieten. Klanglich ordnet er das kommende Album in die Nähe von Alben wie „Mechanize“, „Genexus“ und „The Industrialist“ ein, ergänzt um einige frische, moderne Elemente – einen „Sprinkel anderen Käses“ auf dem gleichen Pasta-Rezept, wie er es blumig formulierte.

Produktion und musikalische Beiträge

Silvestro, der auch aus der elektronischen Musik und dem Turntablism kommt, brachte eigene Vocoder-Erfahrungen in die Produktion ein. In seiner kleinen Band DEAD CHANNEL aus Rom habe er bereits Live-Vocoder-Technik im Stil von KRAFTWERK eingesetzt. Diese Leidenschaft floss auch in einige Parts des neuen Albums sowie in „Roboticist“ selbst ein, wo Vocoder-Passagen zu hören sind, die Silvestro auch live reproduzieren möchte.

Er erinnerte zudem daran, dass FEAR FACTORY bereits auf dem Album „Obsolete“ zahlreiche Stimmeffekte wie Verzerrungen, Filter, Flanger und LFO-Effekte einsetzte – Effekte, die er für schade hielt, wenn Bands sie live nicht reproduzieren. Auf dem neuen Album habe er unter anderem schnelle Loop-Effekte eingebracht, die der Stimme einen robotischen, maschinenartigen Charakter verleihen.

Neben seinen stimmlichen Beiträgen durfte Silvestro auch kompositorisch mitwirken – mit Synthesizer- und Keyboard-Ideen, Programmierung und sogar einigen Gitarrenriffs für einen Song. Er zeigte sich dankbar, dass Cazares, der seit jeher der Hauptsongwriter der Band ist und auf den meisten Alben auch den Bass einspielte, ihm kreativen Freiraum ließ. Produziert, gemischt und gemastert wurde „Roboticist“ von Damien Rainaud. Das dazugehörige Musikvideo stammt von Regisseur Vincente Cordero und wurde von Arion Csihar produziert. Eine frühe Instrumentalversion des Songs war bereits 2023 im Rahmen der Promotion für das virtuelle Gitarren-Plugin Toneforge Disruptor veröffentlicht worden.

Auch Dino Cazares äußerte sich in einem separaten Interview mit dem polnischen Portal Strefa Music Art zur Verpflichtung Silvestros. Er sei von dessen Gesangsstil sofort angetan gewesen, da dieser genau so klang, wie FEAR-FACTORY-Fans es erwarten. „Als ich sein Video sah, dachte ich: Wow, dieser Junge klingt genau wie er“, so Cazares. Zwar gebe es Kritik, Silvestro klinge zu sehr wie Bell, doch umgekehrt würde eine Abweichung ebenso bemängelt werden – man könne es niemandem recht machen. Für das neue Album betonte Cazares jedoch, dass Silvestro durchaus einen eigenen Stil einbringe und „auf dieser Platte glänzt“.

Tourpläne und Konzerte

Die Veröffentlichung von „Roboticist“ fiel zeitlich mit dem Start der Europatournee „Cybernetic Domination“ zusammen, die FEAR FACTORY gemeinsam mit CRYSTAL LAKE, HATE und THE NOCTURNAL AFFAIR bestreitet. Die Tour begann am 29. August in Poznań, Polen, und endet am 10. Oktober in London, Großbritannien.

Zudem wurde kürzlich eine US-Tour für November 2026 angekündigt, bei der DARKEST HOUR und BROTALITY als Support fungieren werden. Diese Tour startet direkt im Anschluss an eine Co-Headliner-Tour mit den maskierten Metal-Veteranen MUSHROOMHEAD aus Cleveland, Ohio.

Hintergrund: Der Weg zur neuen Besetzung

Silvestros Verpflichtung bei FEAR FACTORY wurde offiziell im Februar 2023 bekanntgegeben. Das erste Headliner-Konzert mit Silvestro und Webber fand am 5. Mai 2023 im legendären Whisky A Go Go in West Hollywood, Kalifornien, statt.

Das bislang letzte Studioalbum der Band, „Aggression Continuum“, erschien im Juni 2021 über Nuclear Blast Records. Die Platte, die größtenteils bereits 2017 aufgenommen wurde, enthielt noch die Beiträge von Cazares, Schlagzeuger Mike Heller und Sänger Burton C. Bell. Im September 2020 hatte Bell offiziell seinen Ausstieg aus FEAR FACTORY verkündet und erklärt, er könne sich nicht mit jemandem identifizieren, dem er nicht vertraue oder den er nicht respektiere – eine Anspielung, die sich offenbar auf Cazares bezog. In einem späteren Interview mit dem Kerrang!-Magazin führte Bell aus, die Trennung habe sich schon lange angebahnt: Die Rechtsstreitigkeiten um die Namensrechte, die Egos und die Gier – nicht nur innerhalb der Band, sondern auch seitens der beteiligten Anwälte – hätten ihn seine Liebe zu dem Projekt verlieren lassen.

Die Entwicklungen rund um „Roboticist“ zeigen, wie FEAR FACTORY nach den turbulenten Jahren voller Rechtsstreitigkeiten und Besetzungswechsel versucht, Kontinuität zu wahren, ohne den Markenkern der Band zu verwässern. Mit Silvestros bewusster Nähe zum Gesangsstil von Burton C. Bell und gleichzeitig neuen klanglichen Impulsen aus der elektronischen Musik positioniert sich die Band für ein Album, das sowohl alteingesessene Fans ansprechen als auch frische Akzente setzen soll. Die kommenden Monate mit ausgedehnten Europa- und US-Touren werden zeigen, wie nachhaltig diese neue Ära bei Publikum und Kritikern ankommt.

Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 4.10.2026, 18:00:41

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