METAL

GWAR trauert um Gründungsmitglied Chuck Varga alias Sexecutioner

28. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
GWAR trauert um Gründungsmitglied Chuck Varga alias Sexecutioner

Die US-amerikanische Shock-Metal-Institution GWAR trauert um eines ihrer Gründungsmitglieder: Chuck Varga, besser bekannt unter seinem Bühnennamen Sexecutioner, ist im Alter von 68 Jahren nach einem Kampf gegen den Krebs verstorben. Sein Tod wurde am Freitagabend, den 25. September, über die sozialen Medien bekannt gegeben. Zwei Tage später, am Sonntag, den 27. September, veröffentlichte die Band selbst eine ausführliche Würdigung ihres verstorbenen Weggefährten.

Chuck Varga war nicht irgendein Bandmitglied unter vielen – er gehörte zu jenen Personen, die GWAR von Beginn an mitgeprägt haben. Als Sexecutioner stand er auf der Bühne und verkörperte über Jahrzehnte hinweg jene groteske, exzessive und zugleich humorvolle Ästhetik, für die GWAR weltweit bekannt wurde. Doch seine Bedeutung für die Band ging weit über die reine Performance hinaus: Als einer der visuellen Künstler des Kollektivs prägte er mit seinen Illustrationen und Kostümdesigns maßgeblich das unverwechselbare optische Erscheinungsbild von GWAR, das bis heute Fans und Künstler auf der ganzen Welt inspiriert.

Der Abschied der Band

In ihrer offiziellen Mitteilung schrieb GWAR: "Es gibt Verluste, die härter treffen als andere. Die Welt hat vor ein paar Tagen Chuck Varga verloren, und GWAR hat einen der Ihren verloren." Weiter heißt es in dem Statement, Chuck sei von Anfang an dabei gewesen, als dieses "seltsame, widerliche, wunderschöne Ding" geboren wurde, das später zu GWAR werden sollte. Als Sexecutioner habe er eine unvergessliche Bühnenpräsenz mitgebracht und entscheidend dazu beigetragen, die überlebensgroße Mythologie, das Chaos und die Verderbtheit zu etablieren, die die Band bis heute definieren.

Die Band betonte zudem, dass Chuck Varga auch abseits der Bühne künstlerisch aktiv war und sich mit seinem szenischen Talent in Filmen, im Theater und in anderen visuellen Medien einen Namen gemacht habe. In der Mitteilung wird ein versöhnlicher, fast mythologischer Ton angeschlagen: "Nun ist der Sexecutioner nach Hause zurückgekehrt, um sich mit seinen Scumdog-Brüdern Oderus Urungus und Flattus Maximus zu vereinen." Damit spielt die Band auf ihre verstorbenen früheren Mitglieder Dave Brockie und Cory Smoot an, die unter diesen Bühnennamen auftraten.

Besonders persönlich wurde GWAR, als sie über den Menschen hinter der Kunstfigur sprachen: "Für diejenigen von uns, die Chuck kannten, war er mehr als nur eine Figur in einem Monsteranzug – er war ein Künstler, ein Sänger, ein wahrer Performer und vor allem ein Bruder für jeden in der Band. Er war einer der Menschen, die GWAR überhaupt erst möglich gemacht haben." Die Band sprach abschließend der Ehefrau von Chuck Varga, Bambi, sowie seiner Familie und seinen Freunden ihr Beileid aus und schloss mit den Worten: "Hail Sexecutioner! Hail Chuck Varga!"

Reaktionen aus der Band

Die erste öffentliche Nachricht über Vargas Tod stammte von Bassist Casey Orr, der unter dem Bühnennamen Beefcake The Mighty bei GWAR aktiv ist. Orr schrieb, Chuck Varga habe diese irdische Sphäre verlassen und sei friedlich verstorben, während seine geliebte Frau Bambi seine Hand hielt. In seinem sehr persönlichen Nachruf bezeichnete Orr Varga als "einzigartig" – als Künstler, als Performer, als Gelehrten und als Gentleman. Er selbst sei durch die Bekanntschaft mit Varga ein besserer Mensch geworden, während die Welt durch dessen Weggang ärmer geworden sei.

Orr griff in seinem Statement ebenfalls die mythologische Erzählweise auf, die für GWAR typisch ist, und mutmaßte, Varga werde nun höchstwahrscheinlich von Dave Brockie, der unter dem Namen Oderus Urungus die Band frontete, sowie von Gitarrist Cory Smoot alias Smooty in Walhalla empfangen. Sein Nachruf endete mit den Worten: "Hebt eure Gläser und erzählt seine Geschichten. Legenden sterben nie. Hail Varga! Hail Sexecutioner!"

Der Kampf gegen die Krankheit

Bereits im Juni dieses Jahres hatte GWAR eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die stetig wachsenden Kosten für Chuck Vargas medizinische Versorgung zu decken. Die Mittel sollten unter anderem Krebsbehandlungen, Hospizpflege, spezielle medizinische Ausrüstung sowie zusätzliche pflegerische Unterstützung finanzieren. Darüber hinaus sollte die Aktion helfen, die laufenden Kosten für Vargas Wohnung in Brooklyn zu decken, während seine Frau Bambi ihre Arbeit aufgegeben hatte, um sich vollständig um ihren Mann zu kümmern.

Als die Spendenaktion gestartet wurde, äußerte sich Bob Gorman, bekannt als Bonesnapper und ebenfalls Mitglied des GWAR-Kollektivs, in überschwänglichen Worten zu Vargas Bedeutung: "Chuck Vargas Beiträge zum GWAR- und Slave-Pit-Kollektiv sind enorm. Der Einfluss seiner Illustrationen, Charakterdesigns, Performances und künstlerischen Vision ist bis heute in GWAR spürbar. Chucks überzogene Underground-Kunstästhetik half dabei, ein ganzes Universum zu definieren, und inspirierte Generationen von Künstlern und Fans auf der ganzen Welt. Sein Vermächtnis wird für immer bei uns bleiben."

Mehr als vier Jahrzehnte GWAR

Chuck Varga war über vier Jahrzehnte lang ein integraler Bestandteil der GWAR-Familie und half dabei, das Vermächtnis der Band von den frühesten Tagen an zu formen. Als Performer, Künstler und Schöpfer trug er maßgeblich dazu bei, einen der einzigartigsten und langlebigsten Acts der Musikgeschichte aufzubauen. Seine Kreativität, sein Humor und seine Hingabe haben bei Generationen von Fans, Künstlern und selbsternannten Außenseitern bleibende Spuren hinterlassen.

GWAR wurde vor 42 Jahren gegründet und machte sich vor allem durch ihre makabren, überzogenen Kostüme, provokanten Texte und blutgetränkten, theatralischen Shows einen Namen. Die Bandmitglieder traten dabei stets als Nachkommen außerirdischer Krieger auf, die einst zur Erde kamen, um die Menschheit zu versklaven und abzuschlachten – eine satirische, oft gesellschaftskritische Inszenierung, die GWAR über Jahrzehnte hinweg zu einer festen Größe im Metal-Underground machte.

Der Verlust von Chuck Varga reiht sich in eine schmerzhafte Reihe von Todesfällen innerhalb der Band ein. Frontmann Dave Brockie, der als letztes verbliebenes Gründungsmitglied galt, wurde im März 2014 tot in seinem Haus in Richmond, Virginia, aufgefunden. Laut dem Gerichtsmedizinischen Amt des Bundesstaates Virginia starb er im Alter von 50 Jahren an einer versehentlichen Heroinvergiftung. Auch Gitarrist Cory Smoot, bekannt als Flattus Maximus, ist bereits verstorben.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Mit Chuck Varga verliert die Metal- und Rockszene einen jener stillen Architekten, ohne die viele der spektakulärsten Bühnenshows der Genregeschichte nie ihre heutige Form gefunden hätten. Sein Wirken als Sexecutioner, seine künstlerische Handschrift und sein Beitrag zur visuellen Identität von GWAR machen deutlich, wie sehr das Werk einer Band von den Menschen abhängt, die im Hintergrund und auf der Bühne gleichermaßen wirken. Die zahlreichen Tribute seiner Weggefährten zeigen, dass Chuck Varga weit über seine Bühnenfigur hinaus als Mensch und Künstler geschätzt wurde – ein Verlust, der in der GWAR-Familie und weit darüber hinaus nachhallen wird.

Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:22:22

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