METAL
Hämatom sprengen Genregrenzen: „GAGAMANIA Mixtape“ mischt NdH mit Hard Techno

Hämatom haben sich seit jeher nicht gescheut, mit den Erwartungen ihrer Fans zu spielen, doch mit dem neuen Release „GAGAMANIA Mixtape“ setzen die bayrischen Musiker noch einen drauf. Am 2. Oktober 2026 erscheint das Mixtape über das Label Anti Alles und markiert damit den nächsten großen Schritt in Richtung ihrer bereits seit über einem Jahr angekündigten „GAGAMANIA-Tour“. Passend zum Abschluss einer erfolgreichen Festival-Saison öffnen Hämatom mit diesem Release die Tür zu einem musikalischen Irrenhaus, das weit über den gewohnten Neue-Deutsche-Härte-Sound der Band hinausgeht.
Wer erwartet hatte, dass Hämatom ihren bekannten NdH-Stil lediglich mit ein paar elektronischen Spielereien aufpeppen, wird von diesem Mixtape eines Besseren belehrt. Stattdessen verschmelzen hier wuchtige Gitarrenriffs mit Hard Techno, eingängige Refrains mit fetten elektronischen Beats und musikalischer Wahnsinn mit einer gehörigen Portion Humor. Genregrenzen scheinen für die Band inzwischen komplett irrelevant geworden zu sein – ein Umstand, der dem Gesamtergebnis jedoch spürbar zugutekommt.
Die ersten Singles als Vorboten des Wahnsinns
Bereits am 4. September erschien mit „Out of Order“ die erste Singleauskopplung, die den neuen musikalischen Kurs unmissverständlich vorgab. Hämatom bleiben dabei stilistisch wiedererkennbar, lassen aber deutlich mehr elektronische Energie in ihren Sound einfließen. Der Track versteht sich als reiner Party-Song, der die Stimmung für das kommende Mixtape bereits vollständig einfängt.
Am 18. September folgte mit „Weil ich Rauchen einfach mag“ die zweite Single, die spätestens jetzt klarmacht, dass das „GAGAMANIA Mixtape“ keine gewöhnliche Veröffentlichung werden soll. Schon das völlig überdrehte Konzept des Songs sorgt für Aufsehen: Ob beim Essen, beim Tauchen oder eben beim Rauchen – die Zigarette scheint in jeder Lebenslage präsent zu sein. Am Ende bleibt nur die entscheidende Frage offen: Wo ist das Feuer? Musikalisch trifft hier eine Ballade auf Hard Techno, während Akustikgitarre und elektronische Beats ineinandergreifen. Dieser Kontrast wirkt auf dem Papier zunächst absurd, funktioniert in der Umsetzung aber erstaunlich gut. Besonders der Refrain, der mit einer Referenz auf Walter Frosch eine völlig unerwartete popkulturelle Anspielung einbaut, bleibt sofort im Ohr hängen.
Humor, Beziehungsdrama und gesellschaftliche Kritik
Auch „Ich Liebs mit dir“, auf dem Sängerin Vivi Minu als Gastvokalistin zu hören ist, zeigt die humorvolle Seite der Band. Thematisch dreht sich der Song um eine Beziehung, in der heftig gestritten wird, im Bett dann aber offenbar alles vergessen ist. Mit einem Augenzwinkern nimmt der Track dieses Beziehungsmuster auseinander und liefert dabei einen eingängigen Refrain, dem durchaus Radiopotenzial zugeschrieben wird. Vivi Minus Stimme fügt sich dabei hervorragend in das Gesamtbild ein und setzt einen gelungenen Kontrast zum typischen Hämatom-Sound.
Deutlich bissiger wird es anschließend bei „Faules Pack“. Der Song greift die politische Forderung nach mehr Arbeit und weniger vermeintlicher Bequemlichkeit auf und positioniert sich gegen eine Arbeitsdebatte, in der die Lebensrealität vieler Menschen schnell aus dem Blick gerät. Besonders eindringlich wirkt dabei der von einem Kinderchor vorgetragene Text: „Krankenpfleger, Fliesenleger / Jammert leiser, ihr Versager / Pendler, Lehrer, kommt, lasst den Scheiß / Und gebt zu, was ihr wirklich seid.“ Die Kombination aus unschuldig klingenden Kinderstimmen und einer scharf formulierten Botschaft verleiht dem Track eine zusätzliche Schärfe. Hämatom reden hier nicht um den heißen Brei herum, sondern teilen unmissverständlich aus.
Musikalische Experimentierfreude trifft auf organischen Gesamtsound
Über die textlichen Inhalte hinaus überzeugt das „GAGAMANIA Mixtape“ auch musikalisch auf ganzer Linie. Die Mischung aus Gitarren, Techno-Elementen und klassischem NdH-Sound wirkt dabei keineswegs wie ein zusammengewürfeltes Experiment, sondern fügt sich erstaunlich organisch zusammen. Die Songs sind durchweg tanzbar, die Refrains bleiben hängen, und die elektronischen Elemente erhalten genügend Raum, ohne dass die Gitarren dabei an Durchschlagskraft verlieren. Besonders die Breakdowns sorgen für zusätzlichen Druck. Wenn Deutsch-Techno auf Metal trifft, entsteht genau jene explosive Mischung, die die neue Ära der Band ausmacht. Hämatom haben ihren ursprünglichen Stil dabei nicht über Bord geworfen, sondern konsequent weiterentwickelt und erweitert.
Klare Haltung mit „Don't Dance with the Monsters“
Besonders hervorzuheben ist der Track „Don't Dance with the Monsters“, der zeigt, dass hinter dem Techno-Wahnsinn der Band durchaus eine klare gesellschaftspolitische Haltung steckt – ein Aspekt, der bereits bei „Faules Pack“ sichtbar wurde. Der Song richtet sich gegen Hass, Hetze und menschenverachtende Ideologien. Die titelgebenden Monster lauern dabei nicht nur in Horrorgeschichten, sondern können mitten in der Gesellschaft stehen, versteckt hinter scheinbar harmlosen Parolen und verführerischen Versprechen.
Der eindringliche englische Refrain, die bissigen deutschen Strophen sowie die kämpferische Bridge ergeben zusammen einen starken Protestsong, der zum Nachdenken anregt, ohne dabei musikalisch an Intensität zu verlieren. Im Gegenteil: Der Beat drückt kontinuierlich, der Refrain setzt sich sofort fest, und der Breakdown entfaltet eine enorme Wucht. Die Kombination aus elektronischem Abriss und metallischer Härte erinnert dabei stellenweise an die Energie, mit der Electric Callboy ihre Genre-Mischungen auf die Spitze treiben – insbesondere der Breakdown weist deutliche Parallelen zu deren Track „Tanzneid“ auf. Hämatom verleihen dem Ganzen jedoch einen unverwechselbar eigenen Charakter.
Die Tracklist im Überblick
Das „GAGAMANIA Mixtape“ umfasst insgesamt fünf Songs: „Out of Order“ eröffnet mit purer Party-Energie, „Weil ich Rauchen einfach mag“ besticht durch sein herrlich absurdes Konzept, „Ich Liebs mit dir“ (featuring Vivi Minu) liefert eingängigen Spaß, „Faules Pack“ setzt eine bissige gesellschaftliche Ansage, und „Don't Dance with the Monsters“ bildet den emotionalen wie musikalischen Höhepunkt des Mixtapes.
Einordnung
Mit dem „GAGAMANIA Mixtape“ demonstrieren Hämatom eindrucksvoll, dass sich ihr gewohnter NdH-Sound und Hard Techno keineswegs ausschließen, sondern zu einer eigenständigen, mitreißenden Spielart verschmelzen lassen. Statt eines halbherzigen Ausflugs in fremde Genres präsentiert sich hier eine Band, die bewusst Grenzen austestet und sich musikalisch völlig frei auslebt. Die Gitarren verlieren dabei nichts von ihrem Biss, die elektronischen Elemente sitzen punktgenau, und die Refrains bleiben nachhaltig im Kopf. Wer Hämatom bereits zuvor geschätzt hat und gleichzeitig offen für Techno-Einflüsse, satte Breakdowns und musikalische Überraschungen ist, sollte dem Mixtape definitiv eine Chance geben – als klangliches Vorspiel zur kommenden „GAGAMANIA-Tour“ liefert es einen vielversprechenden Ausblick auf das, was die Band musikalisch als Nächstes plant.
Quelle: Hellfire-Magazin· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 11.10.2026, 18:14:48

