METAL
Metallica-Mixer Steve Thompson: Bass-Verzicht auf "...And Justice for All" war "dumm"

Der legendäre Bass-Sound – oder vielmehr dessen fast vollständiges Fehlen – auf Metallicas 1988er Album "...And Justice for All" beschäftigt Fans und Musikbranche bis heute. Nun hat sich Steve Thompson, der damalige Mixing-Engineer der Platte, erneut zu diesem jahrzehntealten Streitpunkt geäußert und deutliche Worte gefunden: Er habe es schlicht für "dumm" gehalten, den Bass von Jason Newsted im Mix fast komplett verschwinden zu lassen.
Thompson, der nicht nur mit Metallica, sondern auch am Mix des Guns N' Roses-Meilensteins "Appetite for Destruction" von 1987 beteiligt war, äußerte sich im Rahmen eines Gastauftritts beim Podcast "Appetite for Distortion". Dort kam das Gespräch unweigerlich auf die Produktionsgeschichte von "...And Justice for All" zu sprechen, einem der am meisten diskutierten Alben in der Bandgeschichte von Metallica – nicht zuletzt wegen des auffällig dünnen, bassarmen Klangbilds.
Thompsons Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Metallica
In dem Podcast-Gespräch erinnerte sich Thompson mit großer Wertschätzung an die Zusammenarbeit mit der Band. "Als ich mit Metallica gearbeitet habe, dachte ich, sie seien die Besten in dem, was sie tun. Ich liebte sie, absolut", erklärte der Engineer. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass es grundlegende Differenzen in der klanglichen Philosophie gab. "Unsere Philosophien waren unterschiedlich. Ich glaubte an den Bass, Lars [Ulrich] nicht", so Thompson weiter.
Gerade diese unterschiedliche Herangehensweise habe schließlich dazu geführt, dass der Bassist der Band im fertigen Mix kaum noch hörbar war. "Als wir '...And Justice for All' gemacht haben, wurde ich dafür fertiggemacht, warum es keinen Bass im Mix gibt", berichtete Thompson. Er betonte jedoch, dass die Entscheidung letztlich nicht bei ihm, sondern bei der Band gelegen habe. "Das ist es, was sie wollten. Ich meine, ich habe hart dafür gekämpft, aber am Ende des Tages ist es ihre Platte. Wenn das ist, was sie wollen, dann muss man ihnen das geben. Ich war nicht ihrer Meinung. Ich fand es dumm, weil Jasons Bassparts eine großartige Verbindung mit James' [Hetfield] Rhythmusgitarren eingegangen sind – perfekt. Aber es ist, wie es ist", fasste der Mixer seine damalige und bis heute anhaltende Sichtweise zusammen.
Die Version von Produzent Flemming Rasmussen
Thompsons Darstellung reiht sich in eine ganze Reihe von Erklärungsversuchen ein, die im Laufe der Jahre von verschiedenen an der Produktion beteiligten Personen geliefert wurden. So berichtete etwa Produzent Flemming Rasmussen in einem Interview mit dem chilenischen Radiosender Futuro im Jahr 2025 von einer konkreten Episode während des Mixing-Prozesses. Demnach sei die Band nach Fertigstellung einer ersten Abmischung eingeflogen, um sich das Ergebnis anzuhören – und sei damit alles andere als zufrieden gewesen.
"Und die Geschichte ist, dass Metallica eingeflogen kamen, sich anhörten, was sie gemacht hatten, und sie sagten: 'Nein, nein, nein.' 'Wo ist mein Drum-Sound?' 'Wo ist mein Gitarren-Sound?' Und tatsächlich sagte Lars: 'Jetzt nimm den Bass runter, damit man ihn gerade noch hören kann'", schilderte Rasmussen den Ablauf. Der Produzent fügte hinzu, dass er bis heute nicht genau wisse, warum die Band diese Entscheidung getroffen habe.
Kirk Hammetts technische Erklärung
Eine weitere, eher technisch geprägte Begründung lieferte Gitarrist Kirk Hammett bereits 2008 im Gespräch mit dem Decibel Magazine, wie später auch Guitar World berichtete. Hammett erklärte damals, dass sich Newsteds Basston mit Hetfields Gitarrenton "gestört" habe, was letztlich der ausschlaggebende Grund dafür gewesen sei, den Bass im Mix zurückzunehmen. Zudem habe die Band zu jener Zeit bewusst mit einem trockenen, direkten Sound experimentieren wollen – einem Klangbild, das Hammett als "dry, in-your-face sound" beschrieb.
Newsted selbst gegen einen nachträglichen Remix
Die Debatte um den fehlenden Bass auf "...And Justice for All" ist dabei keineswegs neu, sondern begleitet das Album seit seiner Veröffentlichung. Interessanterweise hat sich Jason Newsted, dessen Basslinien damals praktisch unhörbar im Mix verschwanden, in der Vergangenheit selbst gegen einen nachträglichen Remix des Albums ausgesprochen, bei dem sein Bassspiel stärker hervorgehoben würde. Für ihn gehört der eigenwillige Klang offenbar untrennbar zur Identität der Platte, auch wenn gerade er derjenige war, dessen Instrument am stärksten unter der Mixing-Entscheidung litt.
Ein bis heute kontrovers diskutiertes Kapitel der Metallica-Geschichte
Die Aussagen von Steve Thompson fügen der langen Geschichte um den "verschollenen" Bass auf "...And Justice for All" eine weitere, sehr direkte Perspektive hinzu. Während Produzent und Gitarrist unterschiedliche Erklärungsansätze liefern – von einer spontanen Entscheidung während des Abhörens bis hin zu klanglichen Überschneidungen zwischen Bass und Gitarre – macht Thompson unmissverständlich klar, dass er die künstlerische Entscheidung der Band fachlich nie nachvollziehen konnte. Dass ausgerechnet der Mann, der sowohl an diesem Metallica-Album als auch an Guns N' Roses' "Appetite for Destruction" mitgewirkt hat, nun Jahrzehnte später erneut Stellung bezieht, zeigt, wie sehr dieses Detail der Albumproduktion bis heute als eines der prägendsten und meistdiskutierten Kapitel in der Geschichte von Metallica gilt.
Quelle: Loudwire· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 9.10.2026, 18:15:27

