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Napalm Death: Neues Album laut Shane Embury frühestens Ende 2027

27. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
SHANE EMBURY Says Next NAPALM DEATH Album 'Probably' Won't Arrive Before Late 2027

Napalm-Death-Bassist Shane Embury hat in einem neuen Interview mit „Reckless“ Rexx Ruger für den Podcast Pod Scum konkrete Einblicke in den aktuellen Stand der Arbeiten am siebzehnten Studioalbum der britischen Grindcore-Pioniere gegeben. Demnach müssen sich Fans der Band auf eine längere Wartezeit einstellen: Ein Erscheinen der neuen Platte noch im Jahr 2027 sei zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich – wahrscheinlicher sei ein Release erst gegen Ende jenes Jahres, bedingt durch anstehende Touraktivitäten der Band.

Wie gewohnt arbeitet Napalm Death auch für das neue Album mit ihrem langjährigen Produzenten Russ Russell zusammen, der bereits mit Bands wie Dimmu Borgir, At The Gates und Amorphis zusammengearbeitet hat. Aufgenommen wird erneut in seinem Parlour Studios im britischen Kettering – jener Location, die schon für zahlreiche frühere Napalm-Death-Alben als kreative Heimat diente.

Der aktuelle Stand: „Bare Bones“ und ungewöhnliche Arbeitsmethoden

Auf die Frage, ob Fans im Jahr 2027 mit neuer Musik von Napalm Death rechnen können, antwortete Embury: „Ich denke, es wird wahrscheinlich erst gegen Ende 2027 sein, vielleicht, wegen der Tourdaten.“ Musikalisch befinde sich das Material derzeit in einem Stadium, das er selbst als „bare bones“ – also grundlegendes Skelett – bezeichnet. Gitarren und Bass seien bereits aufgenommen, wie Embury erklärt, der selbst über Drumming-Erfahrung verfügt und die Songs entsprechend vorbereitet hat.

Seinem Bandkollegen und Schlagzeuger Danny Herrera habe er dabei bewusst Freiraum gelassen: „Ich habe zu Danny gesagt: ‚Vielleicht dieser Beat, aber probier aus, was du ausprobieren willst.‘“ Diese Arbeitsweise beschreibt Embury selbst als „ein bisschen seltsam“, betont aber, dass nichts in Stein gemeißelt sei. Sollte Herrera Teile länger, kürzer oder anders gestalten wollen, sei das jederzeit möglich – die bisherigen Ideen seien lediglich als Ausgangspunkt zu verstehen. Nach eigenen Worten gebe es bereits eine ganze Menge an solchem Material, das erst noch verarbeitet werden müsse.

Frontmann Mark „Barney“ Greenway soll laut Embury voraussichtlich im November mit dem Schreiben der Lyrics beginnen – und das mutmaßlich während einer Tour. Embury selbst räumte ein, dass ein Release vor dem Sommer zwar wünschenswert wäre, ein Erscheinen erst spät im kommenden Jahr aber realistischer erscheine.

Musikalische Ausrichtung: Zwischen Blastbeats und Experimenten

Auch inhaltlich gibt es bereits erste Tendenzen für das neue Album. Laut Embury sei es durchaus möglich, dass noch weitere Songs entstehen, da die Band mit Produzent Russ Russell unter keinem festen Zeitdruck stehe. Man gehe ins Studio, höre sich das entstandene Material gemeinsam an und entscheide dann weiter. Schlagzeuger Danny Herrera habe dabei eine klare Vorliebe für schnelle Passagen geäußert – er „liebt seine Blastbeats“, so Embury, der daraufhin die Frage aufwarf, ob genug schnelles Material vorhanden sei, und anbot, bei Bedarf noch mehr davon zu liefern.

Interessant ist zudem ein Detail, das Embury im Zusammenhang mit Fan-Feedback erwähnte: Ein Hörer habe ihm vor einigen Monaten geschrieben, dass er sich einen zwölf- bis dreizehnminütigen Track im Stil der langsameren, „verrückteren“ Songs der Band wünsche. Diese Idee habe Embury sofort gefallen – es sei durchaus denkbar, dass ein derart langer, experimenteller Track tatsächlich Teil des neuen Albums werden könnte.

Der Umgang mit Fan-Reaktionen

Auf die Frage, ob er aktiv das Feedback der Fans zu neuen Napalm-Death-Veröffentlichungen verfolge, antwortete Embury, dass er nicht bewusst danach suche, aber immer wieder darauf stoße. Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass negative Kommentare ihn treffen können: „Wenn jemand etwas Negatives schreibt, denke ich: ‚Ach, verdammt.‘“ Seine Frau frage ihn dann regelmäßig, warum er sich solche Kommentare überhaupt durchlese, da sie ihm ohnehin den Tag verderben würden – eine Selbsterkenntnis, die Embury mit einem gewissen Galgenhumor teilte. Positives Feedback, wie im Fall des Fans mit dem Wunsch nach einem langen Track, könne aber ebenso inspirierend wirken und tatsächlich Einfluss auf die kreative Richtung nehmen.

Rückblick: Die letzten Veröffentlichungen der Band

Das bislang letzte Lebenszeichen von Napalm Death war das Mini-Album „Resentment Is Always Seismic – A Final Throw Of Throes“, das im Februar 2022 über Century Media Records erschien. Die acht Songs umfassende Veröffentlichung mit einer Gesamtspielzeit von 29 Minuten verstand sich als Begleitwerk zum vorherigen Studioalbum „Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism“ und brachte grindcore-typische Wucht sowie ambient-artige Klanglandschaften zusammen. Das Mini-Album erschien limitiert als CD-Digipak, auf Vinyl sowie im digitalen Format.

„Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism“ selbst, das sechzehnte Studioalbum der Band, war bereits im September 2020 über Century Media Records veröffentlicht worden. Auch hier zeichnete Russ Russell als Produzent verantwortlich, während das Artwork von Frode Sylthe stammte.

Neben der musikalischen Arbeit hat Shane Embury in den vergangenen Jahren auch literarisch von sich hören lassen: Im Oktober 2023 erschien seine Autobiografie „Life?… And Napalm Death“ über den Verlag Rocket 88, ein Imprint der etablierten britischen Buchproduktionsfirma Essential Works.

Napalm Death – vom Missverstandenen zur Instanz

In ihren Anfangsjahren wurden Napalm Death von vielen missverstanden und regelmäßig verspottet, ehe die Band zum Maßstab für kompromisslose musikalische Extremität sowie zu einer politischen Stimme für gesellschaftliche Belange avancierte. Was zunächst von vielen als bloßer Lärm abgetan wurde, entwickelte sich zu einer glaubwürdigen Spielart extremer Kunstmusik – geschätzt vom legendären BBC-DJ John Peel, gefeiert auf NME-Titelseiten und geliebt von Indie-Fans gleichermaßen. Shane Emburys Debüt mit der Band, das 1988 erschienene Album „From Enslavement To Obliteration“, gilt bis heute als Schlüsselwerk roher klanglicher Aggression, gepaart mit hochglaubwürdiger Punk-Kritik an korrupter Politik, kapitalistischem Opportunismus und gesellschaftlichem Verfall. Die Platte wird bis heute mit derselben Ehrfurcht betrachtet wie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung.

Die aktuellen Aussagen Emburys zeigen einmal mehr, dass Napalm Death auch nach Jahrzehnten im Geschäft keine Kompromisse bei der kreativen Ausarbeitung ihrer Musik eingehen. Statt eines festen Zeitplans steht die künstlerische Qualität im Vordergrund – auch wenn das bedeutet, dass Fans der Band sich bis mindestens Ende 2027 gedulden müssen, um das siebzehnte Kapitel dieser einflussreichen Bandgeschichte in Händen zu halten.

Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 11:02:11

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