KONZERTE

Ritchie Blackmore über sein Deep-Purple-Comeback: „Als hätte ich Krebs geheilt"

27. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
RITCHIE BLACKMORE Says His Onstage Reunion With DEEP PURPLE Went Down Like He 'Just Invented The Cure For Cancer': 'The People Went Nuts'

Ritchie Blackmore hat sich erstmals ausführlich zu seinem überraschenden Bühnen-Comeback mit Deep Purple geäußert – seiner ersten gemeinsamen Performance mit der Band seit mehr als drei Jahrzehnten. Der 81 Jahre alte Gitarrist, der Deep Purple zuletzt 1993 verlassen hatte, gesellte sich am 12. August beim Headliner-Konzert der Band im Northwell at Jones Beach Theater in Wantagh, New York, spontan auf die Bühne, um gemeinsam mit seinen früheren Bandkollegen den Klassiker „Smoke On The Water" zu spielen. Der Song, den Blackmore einst mitgeschrieben hat und der zu den bekanntesten Riffs der Rockgeschichte zählt, bildete an jenem Abend den krönenden Abschluss des regulären Sets von Deep Purple.

In einem exklusiven, 13-teiligen Interview mit Phil Aston, Chefredakteur des Magazins Now Spinning, schilderte Blackmore nun detailliert, wie es zu diesem historischen Moment kam und wie er das Konzert selbst erlebte. Die Idee sei ihm, wie er erzählt, buchstäblich im Bett gekommen. Da Deep Purple ohnehin in der Gegend seines Wohnorts auf Long Island spielten, habe er sich gefragt, ob er nicht einfach auf die Bühne gehen könnte, um bei „Smoke On The Water" mitzuspielen und anschließend wieder zu verschwinden. Seine Frau Candice Night habe die Idee sofort gut gefunden und den Kontakt zu Sänger Ian Gillan hergestellt – Blackmore selbst überlässt derlei Kommunikation lieber anderen, wie er mit einem Augenzwinkern anmerkte: Er habe gerade erst gelernt, das Telefon zu benutzen, und tue sich damit noch immer schwer.

Wie die Anfrage bei Ian Gillan lief

Candice Night schickte demnach eine E-Mail an Ian Gillan, der postwendend zusagte: Die gesamte Band sei einverstanden, Blackmore solle für „Smoke" auf die Bühne kommen. Der Gitarrist betonte, dass er ursprünglich nur diesen einen Song spielen wollte, da „Smoke On The Water" in den USA noch größer sei als in Europa. Man habe den geplanten Gastauftritt „ein kleines bisschen" angekündigt – gerade genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, woraufhin die Ticketverkäufe für die Show spürbar anzogen, wie Blackmore mit sichtlicher Freude feststellte.

Auch Ian Gillan bestätigte in einem separaten Interview mit Joann Butler von „In Studio With..." die Vorgeschichte des Wiedersehens. Er berichtete, dass er und Blackmore seit einigen Jahren wieder in Kontakt stünden und viel „Wasser unter der Brücke" hindurchgeflossen sei. Blackmore habe ihm wenige Tage vor der New-York-Show einen freundlichen Brief geschrieben und gefragt, ob es in Ordnung wäre, bei „Smoke" einzusteigen. Gillan habe sofort zugestimmt – die Anfrage habe ihm ein spontanes Lächeln ins Gesicht gezaubert. Da Blackmore nur wenige Autominuten vom Jones Beach Theater entfernt auf Long Island lebt, sei die Organisation unkompliziert gewesen. Nach dem gemeinsamen Auftritt habe man in der Backstage-Garderobe gemeinsam angestoßen, so Gillan, der scherzhaft anmerkte, Blackmore sei danach „ein bisschen beschwipst" nach Hause gegangen.

Der Auftritt selbst: „Wie die Heilung von Krebs"

Über den eigentlichen Bühnenmoment sprach Blackmore mit spürbarer Rührung. Er sei zur Show gekommen und von allen Beteiligten überaus freundlich empfangen worden – „fast schon zu viel des Guten", wie er es beschrieb. Einen Soundcheck habe er nicht machen können, was ihn zunächst etwas irritiert habe, da er diesen normalerweise schätzt; sein Roadie habe die Angelegenheit jedoch in seinem Namen erledigt, und der Sound sei letztlich gut gewesen. Als er seine drei bis vier Minuten „Smoke On The Water" spielte, sei die Reaktion des Publikums überwältigend gewesen – so, als hätte er „gerade das Heilmittel gegen Krebs erfunden", wie Blackmore es formulierte. Die Menge sei regelrecht ausgerastet, während die vorderen drei bis vier Reihen buchstäblich im Wasser saßen, da das direkt am Wasser gelegene Freilufttheater an bestimmten Stellen überflutet wird.

Blackmore beschrieb das Gefühl, mit seinen ehemaligen Bandkollegen wieder auf der Bühne zu stehen, als vergleichbar mit einem Wiedersehen unter alten Freunden. Trotz der 35 Jahre, die seit seinem letzten gemeinsamen Auftritt mit der Band vergangen seien, habe sich niemand verändert – alle seien großartig gewesen, und der Auftritt sei ohne jeden Zwischenfall verlaufen, obwohl er durchaus hätte schiefgehen können, was peinlich gewesen wäre. Blackmore zog einen bemerkenswerten Vergleich: Er habe sich gefühlt wie ein Soldat, der von der Westfront zurückkehrt, während alle dachten, er sei tot – doch da war er nun, lebendig. Für die vier Minuten auf der Bühne habe er sich fast wie ein Star gefühlt, obwohl er eigentlich kein Mensch sei, der solche Aufmerksamkeit suche – er spiele einfach nur Gitarre, mal gut, mal weniger gut. Es sei jedoch die Mühe wert gewesen, denn man wisse schließlich nie, wann man sich wiedersehe – ein Gedanke, den er als „traurige Note" bezeichnete.

Reaktionen von Gillan, McBride und der Band

Ian Gillan betonte in seinem Interview, dass es zum Zeitpunkt des Auftritts in Jones Beach keinerlei Groll zwischen Blackmore und den übrigen Mitgliedern der klassischen Purple-Besetzung gegeben habe. Er erklärte, dass das Leben so viele verschiedene Phasen durchlaufe und man alte Probleme nicht ewig fortbestehen lassen könne, da sie sonst zu einer destruktiven Kraft würden. Er verglich die Dynamik junger Bandmitglieder, die in ihren späten Teenagerjahren oder frühen Zwanzigern zusammenkommen, mit dem Film „This Is Spinal Tap" – eine Kameradschaft, die zunächst unzertrennlich wirke, später jedoch durch die Berührung mit der realen Welt und komplexe menschliche Chemie auf die Probe gestellt werde. Mit den Jahren lasse man solche Konflikte jedoch hinter sich.

Unmittelbar nach der „Smoke On The Water"-Performance wandte sich Gillan mit bewegten Worten ans Publikum. Er erzählte der Menge, dass er vor wenigen Tagen eine Nachricht von einem „ortsansässigen Kerl" erhalten habe, der gefragt habe, ob er vorbeikommen und mitspielen dürfe. Es sei ihm eine absolute Freude gewesen, „das Gründungsmitglied, die große Legende, den unsterblichen Ritchie Blackmore" wieder auf der Bühne zu haben. Blackmore bedankte sich seinerseits und kündigte an, Gillan später an der Bar zu treffen.

Auch in den sozialen Medien fanden zahlreiche Reaktionen auf den Auftritt statt. Ein Post auf den offiziellen Deep-Purple-Kanälen bezeichnete die Bühnenreunion mit Blackmore als „einen großen Moment der Rockgeschichte". Gillan schrieb tags darauf, es sei ihm eine große Freude gewesen, Blackmore auf der Bühne für „Smoke" begrüßen zu dürfen, und bedankte sich, dass dies vielen Menschen – nicht zuletzt ihm selbst – viel bedeutet habe. Der aktuelle Deep-Purple-Gitarrist Simon McBride teilte ein Backstage-Foto mit Blackmore und schrieb dazu, es sei ihm eine absolute Freude gewesen, die Bühne mit dieser Legende zu teilen, die für alle eine Inspiration sei. Blackmore selbst meldete sich ebenfalls in den sozialen Medien zu Wort und schrieb, es sei ein guter Abend für alle gewesen, er habe eine großartige Zeit gehabt und wünsche der Band eine gute weitere Tour.

Gesundheitliche Herausforderungen und Vorgeschichte

Seinen Gastauftritt in Wantagh hatte Blackmore bereits am 11. August, also einen Tag vor der Show, in einem Instagram-Live-Video mit seiner Frau Candice Night angekündigt. Dabei erklärte er scherzhaft, er habe seine „KI-Taube" zu Ian Gillan nach Portugal geschickt, wo dieser derzeit lebt, um zu fragen, ob er für eine Zugabe auf die Bühne kommen dürfe – ohne Druck, einfach für alte Zeiten. Die Band habe der Idee begeistert zugestimmt.

Im selben Zusammenhang sprach Blackmore offen über gesundheitliche Probleme, mit denen er derzeit zu kämpfen hat. Dazu zählt ein schwerer, lähmender Schwindelanfall Ende 2025, der ihn zur Absage von Tourdaten zwang, sowie chronische Beschwerden wie schwere Gicht, Arthritis in Fingern und Füßen sowie frühere Herzprobleme. Er berichtete, am Tag vor dem Interview eine spezielle Steroid-Injektion in den Lendenbereich erhalten zu haben, die ihm helfe, während des Spielens an einem Fleck stehen zu bleiben – eine Notwendigkeit angesichts von vier Bandscheibenvorfällen. Auf der Bühne stehe für den Fall der Fälle zudem ein Hocker bereit. Blackmore erwähnte zudem, dass Ian Gillan mit eigenen altersbedingten Beschwerden zu kämpfen habe, insbesondere mit seiner Sehkraft. Eine Wirbelsäulenfusion komme für ihn nicht infrage, da dies ein zu großer Eingriff wäre, während Stammzellenbehandlungen ihn interessieren würden. Er dankte den Ärzten des Stony Brook University Hospital für ihre exzellente Arbeit, betonte aber, dass Steroide den Schlaf erheblich erschweren würden.

Wenige Tage nach dem Konzert in Jones Beach äußerte sich Blackmore auch gegenüber dem Guitar Player Magazine zu dem Auftritt. Er beschrieb den Moment als sehr bewegend, da er sehr schnell auf die Bühne musste und keine Zeit zum Aufwärmen hatte. Es sei ihm jedoch nicht darum gegangen, technisch perfekte Noten zu spielen, sondern darum, alte Freunde wiederzusehen, die er seit 40 Jahren nicht gesehen hatte. Angesichts des fortschreitenden Alters aller Beteiligten sei ihnen bewusst gewesen, dass dies möglicherweise das letzte gemeinsame Wiedersehen sein könnte. Er habe bewusst auf technisch anspruchsvolles Spiel verzichtet und sich auf die Grundlagen konzentriert, habe an einer Stelle sogar kurzzeitig den Faden verloren – doch das sei nicht der Grund seines Auftritts gewesen. Er sei dort gewesen, um etwaige Wunden zu heilen, doch es habe gar keine Wunden gegeben. Alle hätten sich gefühlt, als kämen sie gemeinsam von der Westfront zurück.

Blackmores Weg seit dem Ausstieg 1993

Ritchie Blackmore zählt zu den Mitbegründern von Deep Purple und schrieb zahlreiche der einprägsamsten Riffs der Band, darunter „Smoke On The Water". Seit seinem Ausstieg 1993 hatte er nicht mehr mit der Gruppe zusammengespielt. In der Zeit nach seinem Abschied gründete Blackmore die neoklassische Band Rainbow, die barocke Musikeinflüsse mit Hardrock verband, bevor sie sich allmählich in Richtung eingängigen Pop-Hardrocks entwickelte. Nachdem er Deep Purple 1993 endgültig verlassen hatte, reformierte er Rainbow für ein Album – „Stranger In Us All" von 1995 – sowie eine Tour, die 1997 in Dänemark endete.

2016 wandte sich Blackmore vorübergehend von seiner Renaissance-inspirierten Band Blackmore's Night ab, um mit einer komplett neuen Besetzung von Rainbow einige Shows zu spielen. Im selben Jahr wurde Deep Purple in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – Blackmore erschien jedoch nicht zur Zeremonie. Er hatte zuvor angedeutet, dass der Manager der Band ihn von der Teilnahme abgehalten habe, und nutzte dies als Begründung für sein Fernbleiben. Trotz seiner Abwesenheit wurde er in den Reden der anwesenden Deep-Purple-Mitglieder mehrfach lobend erwähnt. Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich, der die Band in die Hall of Fame einführte, würdigte Blackmore ausdrücklich für eines der einprägsamsten Gitarrenriffs aller Zeiten.

Bereits 2014 hatte Ian Gillan gegenüber dem Rolling Stone Magazine über die Möglichkeit einer Reunion mit Blackmore gesprochen und erklärt, es wäre „unvernünftig", über eine Rückkehr Blackmores nachzudenken. Er habe zwar kein persönliches Problem mit ihm, und man stehe in Kontakt, alles sei in Ordnung – dennoch sei eine echte Reunion damals „außer Frage" gewesen.

Der nun realisierte gemeinsame Bühnenmoment in Jones Beach markiert damit einen bemerkenswerten Bruch mit dieser jahrzehntelangen Zurückhaltung und zeigt, wie sich die Beziehungen innerhalb der Band im Laufe der Zeit verändert haben. Für viele Fans dürfte dieser kurze, aber symbolträchtige Auftritt einen der emotionalsten Momente der jüngeren Rockgeschichte darstellen – ein flüchtiges, aber bedeutsames Wiedersehen zweier Musiker, die gemeinsam einen der bekanntesten Songs der Rockmusik geschaffen haben und nun, Jahrzehnte später, noch einmal gemeinsam auf der Bühne standen.

Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 11:35:01

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