ROCK

SKILLET-Sänger John Cooper über Glaube, Kritik und die Folgen seiner Haltung in der Rockszene

10. Oktober 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
SKILLET's JOHN COOPER: 'I Know That Some People Feel That Christianity Doesn't Belong In Rock Music'
Bild: Blabbermouth

SKILLET-Frontmann John Cooper hat sich in einem ausführlichen Interview mit Brian Storm vom Portal Rock Feed erneut offen zu seinem christlichen Glauben, der damit verbundenen Kontroverse innerhalb der Rockszene sowie zu den Konsequenzen seiner öffentlichen Positionierung während der Corona-Pandemie geäußert. Der Bassist und Sänger der für den Grammy nominierten Band machte deutlich, dass er sich der Reibungsflächen bewusst ist, die sein Glaube in einem traditionell säkular geprägten Genre wie Rock und Metal erzeugt – und warum ihn das nicht von seinem Kurs abbringt.

Cooper erinnerte sich dabei an die Anfänge, als SKILLET versuchte, den 2009 erschienenen Hit „Monster“ im Radio zu platzieren. Schon damals sei ihm klar gewesen, dass nicht jeder Hörer christliche Inhalte in einem Genre akzeptieren würde, das traditionell mit Sex, Drogen und Rock'n'Roll assoziiert wird. „Ich weiß, dass manche Leute das Gefühl haben, Christentum gehöre nicht in die Rockmusik. Sex, Drogen, Rock'n'Roll – wie soll man da Christentum reinbringen? Es ist fast so, als würde man sagen: ‚Du ruinierst den Spaß‘ und ‚das ist nicht deine Welt‘. Und das verstehe ich. Es stört mich nicht. Ich weiß, woher das kommt. Und für mich ist es fast so: Ja, ich weiß das, aber ich bin anderer Meinung“, erklärte der Musiker.

Fans entscheiden mit ihrem Geld

Nach Coopers Überzeugung ist es letztlich der Markt, der über den Erfolg einer Band entscheidet – unabhängig von weltanschaulichen Differenzen. Er sei überzeugt, dass die meisten Fans sich nicht grundsätzlich an religiösen Inhalten stören, solange die Musik überzeugt. „Ich habe eine ganze Reihe von Freunden, die keine Christen sind und die sich daran überhaupt nicht stören. Die Fans werden mit ihrem Geld abstimmen. Sie werden abstimmen, indem sie die Platten kaufen. Sie werden abstimmen, indem sie Tickets für die Shows kaufen“, so Cooper. Entscheidend sei dabei vor allem Selbstbewusstsein: Ein Frontmann müsse zu sich selbst stehen und dürfe nicht versuchen, es allen recht zu machen.

Hass, Ablehnung und die eigene Haltung dazu

Ein zentrales Thema des Gesprächs war der Umgang mit Kritik und vermeintlichem Hass im Netz. Cooper beschrieb, wie schnell in der heutigen Debattenkultur Meinungsverschiedenheiten mit persönlicher Feindschaft gleichgesetzt werden. Wenn jemand online kommentiere „Oh Gott, da kommt wieder der Jesus-Liebhaber, ich wünschte, er würde die Klappe halten“, interpretiere er das nicht als Hass gegen seine Person, sondern schlicht als Ablehnung des Christentums – und das sei nicht sein Problem, sondern die freie Entscheidung des Einzelnen. Er bezeichnete sich selbst in diesem Zusammenhang als Libertären: Jeder solle so leben dürfen, wie er möchte, solange er andere nicht einschränke. Als Beispiel nannte er die Kritik an öffentlichen Gebetsspaziergängen vor Geschäften – auch hier betonte er, dass er Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen habe, ohne daraus gleich eine Verschwörung gegen Christen zu konstruieren.

Sein Glaube verpflichte ihn sogar dazu, für vermeintliche Gegner zu beten, erklärte Cooper weiter. Damit meine er nicht, dass er diese Menschen tatsächlich als Feinde betrachte, sondern dass es Menschen gebe, die ihn als solchen ansehen könnten. Das Gebet für sie sei für ihn eine Möglichkeit, inneren Groll oder Ärger buchstäblich zu „löschen“. Er sei überzeugt, dass kaum jemand, der ihn persönlich getroffen habe – unabhängig von dessen Weltanschauung oder Lebensweg – behaupten könne, von ihm schlecht behandelt worden zu sein. Für Cooper besteht der Schlüssel darin, Menschen mit Respekt und Zuneigung zu begegnen, ohne dabei die eigenen Überzeugungen aufzugeben.

Rückblick auf die Pandemie-Kontroverse

Breiten Raum nahm im Interview auch die Rückschau auf das Jahr 2020 ein, als Cooper sich öffentlich gegen Masken- und Impfvorgaben bei Konzerten positionierte. Er räumte ein, dass diese Haltung unmittelbare Konsequenzen hatte: Rund zehn bis fünfzehn Prozent der damaligen Fangemeinde hätten der Band daraufhin sofort den Rücken gekehrt, seien entfolgt oder hätten aufgehört, SKILLET zu hören. „Ich erinnere mich, dass ich dachte: Das will ich nicht. Aber ich hatte das Gefühl, es tun zu müssen“, so Cooper. Gleichzeitig habe es auch Fans gegeben, deren Bindung an die Band sich durch diese Haltung sogar verstärkt habe – vom bloßen Gefallen an der Musik hin zu echter Begeisterung für SKILLET als Band mit klarer Haltung.

Auf die Bemerkung Storms, die Band habe durch diese Kontroverse vermutlich auch neue Fans gewonnen, antwortete Cooper differenziert. Der spürbare Zuwachs habe rund zwei Jahre auf sich warten lassen – in dieser Zeit habe die Band den Verlust an Reichweite und Anhängern deutlich zu spüren bekommen. Dennoch habe er die Entscheidung nicht bereut: „Jeder muss tun, was er tun muss. Du willst nicht mehr zuhören? Ich verstehe das. Aber ich dachte: Okay, so muss es eben sein.“ Erst mit der Zeit hätten einige Menschen seine Haltung als Ausdruck von Konsequenz und Authentizität wahrgenommen – nach dem Motto, dass er nicht nur über seinen Glauben rede, sondern bereit sei, dafür auch persönliche und geschäftliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Interessanterweise habe die Band dadurch auch Zuspruch aus Kreisen erhalten, die Cooper selbst nicht als religiös oder konservativ einordnet – er verglich dieses neue Publikum mit dem Umfeld des umstrittenen US-Podcasters Joe Rogan.

Neue EP und bevorstehende Tour

Abseits der weltanschaulichen Debatten befindet sich SKILLET aktuell in einer aktiven musikalischen Phase. Am 9. Oktober veröffentlichte die Band ihre neue, unabhängig produzierte sechs Songs umfassende EP „After The Storm“. Produziert wurde die EP von David Cowell, bekannt von der Band SLEEP THEORY, gemeinsam mit Korey Cooper, die als festes Bandmitglied von SKILLET fungiert. Laut den vorliegenden Informationen markiert „After The Storm“ eine Rückkehr zu den heavy-lastigeren musikalischen Wurzeln der Band.

Zur Unterstützung der neuen Veröffentlichung plant SKILLET eine landesweite US-Headline-Tour in Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter Live Nation, die noch im laufenden Monat beginnen soll. Konkrete Einzeltermine, Spielstätten oder Städte wurden in den vorliegenden Informationen nicht genannt.

Streaming-Erfolge und internationale Reichweite

Die Popularität von SKILLET lässt sich auch an aktuellen Streaming-Zahlen ablesen: Die Band verzeichnet mittlerweile im Schnitt mehr als 12 Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Ihr sechsfach-platin-zertifizierter Song „Monster“ hat inzwischen die Marke von fünf Milliarden globalen Streams überschritten und wurde entsprechend in den Billions Club von Spotify aufgenommen – eine Auszeichnung, die nur Songs mit mindestens einer Milliarde Streams vorbehalten ist.

Auch international zeigt sich der Erfolg der Band ungebrochen: Die Europatour von SKILLET in diesem Jahr habe die größten internationalen Zuschauermengen in der Bandgeschichte angezogen, darunter einen Rekord bei den Ticketverkäufen im Pariser Zénith, einer der bekanntesten Konzerthallen Frankreichs.

Einordnung

John Coopers Aussagen zeigen exemplarisch das Spannungsfeld, in dem sich SKILLET seit Jahren bewegt: eine erfolgreiche Rockband mit Millionen Streams und ausverkauften Hallen, die zugleich offen für ihren christlichen Glauben und konservative gesellschaftliche Positionen eintritt. Die Reaktionen darauf – von Fanverlust über neu gewonnene Hörerschichten bis hin zu anhaltenden Debatten in sozialen Netzwerken – verdeutlichen, wie eng Musik, persönliche Überzeugung und öffentliche Wahrnehmung inzwischen miteinander verwoben sind. Mit der neuen EP „After The Storm“ und der anstehenden US-Tour dürfte sich dieser Diskurs um Glaube, Haltung und Rockmusik in den kommenden Monaten fortsetzen.

Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 11.10.2026, 18:14:53

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