METAL

Some Kind of Metal: Wie Drag You Along aus Bremen jede Schublade sprengen

05. Oktober 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Viel zu leise: Drag You Along – wenn Bremen die Genreschublade einfach weglässt
Bild: Luna

Eine Band aus Bremen, die sich selbst nicht in eine feste Genreschublade stecken lässt und ihren Sound schlicht als „Some Kind of Metal“ bezeichnet: Drag You Along, kurz DYA, veröffentlichten am 13. November 2024 ihre EP „AGONY“ und machen seither in der norddeutschen Musikszene auf sich aufmerksam – unter anderem mit einem Auftritt beim Überseefestival 2025, das ausschließlich Acts mit Bremen-Bezug präsentiert.

Es gibt Bands, die sich nach dem ersten gehörten Song sofort in eine klare Kategorie einsortieren lassen. Drag You Along gehören nicht dazu. Das Trio aus Bremen verzichtet bewusst auf eine enge Selbstdefinition und beschreibt die eigene Musik stattdessen mit der bewusst offenen Formel „Some Kind of Metal…“. Was zunächst nach einer bequemen Ausrede klingen könnte, ergibt beim genaueren Hinhören erstaunlich viel Sinn, denn die Band verweigert sich tatsächlich jeder einfachen Zuordnung.

Ein Sound aus mehreren Welten

Drag You Along bauen ihre Musik nicht um eine einzelne Spielart des Metal herum, sondern verweben verschiedene Einflüsse zu einem eigenständigen Klangbild. In Beschreibungen der Bremer Musikszene werden dabei immer wieder Elemente aus Modern Metal, Death Metal und Hardcore genannt – und genau diese Mischung lässt sich in den Songs der Band auch tatsächlich heraushören. Dabei steht nicht die technische Selbstdarstellung im Vordergrund, sondern die Wirkung, die der Sound entfaltet: schwere Riffs, wechselnde Dynamiken und eine Rhythmik, die von schleppendem Groove bis zu deutlich beschleunigten Passagen reicht.

Besonders viel Variationsbreite bringt dabei der Gesang mit. Sängerin und Bassistin Bri bewegt sich stilistisch zwischen cleanen Vocals, Sprechgesang, Shouts und gutturalem Gesang. Diese stimmliche Bandbreite erlaubt es der Band, innerhalb eines einzelnen Songs zwischen melodischen, aggressiven und deutlich düstereren Momenten zu wechseln, ohne dass der Eindruck einer bloßen Aneinanderreihung unterschiedlicher Metal-Stile entsteht. Stattdessen wirkt der Wechsel organisch und dient dazu, Spannungsbögen innerhalb der Songs aufzubauen.

Die Band selbst beschreibt ihren musikalischen Ansatz wesentlich unverblümter als jede externe Einordnung es könnte: „Der Sound ist modern, druckvoll und ballert.“ Eine Selbstbeschreibung, die wenig Raum für Interpretation lässt – und die sich beim Hören der Musik durchaus bestätigt.

Die EP „AGONY“ und der Einstiegstipp „Avalanche“

Am 13. November 2024 veröffentlichten Drag You Along ihre EP mit dem Titel „AGONY“. Fünf Tracks umfasst die Veröffentlichung: Avalanche, Demon, Sick, Let Go und Interceptor. Ausgerechnet der Opener der EP ist dabei auch jener Song, den die Band selbst als Einstiegspunkt für neue Hörerinnen und Hörer empfiehlt: „Avalanche“.

Diese Empfehlung erweist sich als durchaus passende Wahl, denn der Track bündelt kompakt, worum es Drag You Along musikalisch geht: um Druck, um Dynamik und um Kontraste, ohne dabei den Song künstlich mit technischen Spielereien zu überladen. Härte bedeutet bei DYA nicht automatisch Geschwindigkeit oder schiere Lautstärke. Entscheidend ist vielmehr, wie die unterschiedlichen musikalischen Elemente miteinander verzahnt werden und sich gegenseitig verstärken.

Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, findet „Avalanche“ sowohl als Live-Mitschnitt auf YouTube als auch auf Bandcamp, wo zudem die komplette EP „AGONY“ zugänglich ist. Zusätzliche Einblicke in die Band bietet der Instagram-Auftritt von Drag You Along.

Live-Präsenz in der Bremer Szene

Interessant wird Drag You Along vor allem dort, wo diese Art von Musik eigentlich hingehört: auf der Bühne. Dass die Band fest in der aktiven Bremer Musikszene verankert ist, zeigt unter anderem ihr Auftritt beim Überseefestival 2025. Das Festival hat sich darauf spezialisiert, ausschließlich Acts aus Bremen beziehungsweise mit direktem Bremen-Bezug zu präsentieren – eine Bühne also, die explizit der lokalen Szene gewidmet ist.

Auch andere lokale Konzertberichte beschreiben Drag You Along vor allem über ihre Energie und ihre unmittelbare Wirkung auf das Publikum. Das passt zu einer Band, deren Musik weniger darauf ausgelegt zu sein scheint, aus sicherer Distanz analysiert zu werden, sondern vielmehr darauf, im direkten Moment des Auftritts zu wirken. Wer DYA verstehen will, so lässt sich aus diesen Beschreibungen ableiten, sollte die Band weniger lesen als hören – und im Idealfall live erleben.

Was die Band auszeichnet

Underground bedeutet im Fall von Drag You Along keineswegs, dass die Band musikalisch noch auf der Suche nach ihrer Richtung wäre. Im Gegenteil: DYA verfügen über einen Sound, der moderne Metal-Spielarten gezielt zusammenführt, ohne daraus zwanghaft ein neues Genreetikett konstruieren zu müssen. Die verschiedenen Einflüsse aus Modern Metal, Death Metal und Hardcore sind klar hörbar, bleiben aber stets Mittel zum Zweck und nie Selbstzweck.

Dieser Zweck lässt sich knapp zusammenfassen: Druck erzeugen, Emotionen transportieren und das Publikum körperlich mitnehmen. Vor diesem Hintergrund erscheint die selbstgewählte Bezeichnung „Some Kind of Metal“ tatsächlich als die passendste Beschreibung für das, was Drag You Along musikalisch leisten – eine bewusst offene Formel für eine Band, die sich nicht in ein einzelnes Subgenre pressen lassen will.

Drag You Along stehen damit exemplarisch für eine Bremer Metal-Szene, die abseits der großen Bühnen eigenständige und genreübergreifende Klangentwürfe hervorbringt. Mit der EP „AGONY“ und Auftritten wie dem beim Überseefestival 2025 hat sich die Band bereits ein Fundament innerhalb der lokalen Szene geschaffen. Dass sie außerhalb Bremens bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten hat, sagt dabei mehr über die Aufmerksamkeitsökonomie des Undergrounds aus als über die musikalische Qualität der Band – und genau das macht Drag You Along zu einem Act, den man im Blick behalten sollte.

Quelle: Metalfans4Metalbands· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 11.10.2026, 18:14:50

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