METAL
The Ocean verlassen die Erde: Neues Album SOLARIS schickt die Band ins All

Die deutsche Post-Metal-Band The Ocean lässt ihre Fans mit dem kommenden Album SOLARIS erstmals das Weltall statt die Erdgeschichte erkunden. Wie Bandleader Robin Staps im ausführlichen Interview mit dem METAL HAMMER verrät, verlässt die Gruppe damit bewusst das thematische Konzept, das ihre Diskografie über Jahre geprägt hat, und wagt sich in Richtung Science-Fiction.
Jahrelang hatte sich The Ocean mit der Geschichte der Erde beschäftigt und dabei Alben mit geologischen Zeitaltern als Titeln veröffentlicht. Diese erdgeschichtliche Albumreihe sollte nach Angaben von Robin Staps eigentlich bereits mit PHANEROZOIC II (Untertitel MESOZOIC | CENOZOIC) im Jahr 2020 ihren Abschluss finden. Dass es danach mit HOLOCENE im Jahr 2023 noch ein weiteres Album in dieser Reihe gab, bezeichnet Staps im Gespräch als „glücklichen Zufall“. Nun sei jedoch der Punkt erreicht, an dem die Band genug Alben mit schwer aussprechbaren Song-Titeln produziert habe. Mit SOLARIS wolle man sich stattdessen einem anderen Genre zuwenden: der Science-Fiction.
Die Verbindung zu HOLOCENE
Obwohl SOLARIS inhaltlich einen klaren Bruch mit der bisherigen erdgeschichtlichen Thematik darstellt, besteht laut Staps dennoch eine inhaltliche Brücke zum Vorgängeralbum. Der abschließende Song von HOLOCENE, betitelt ‚Subatlantic‘, thematisiert eine Erde, die für die Menschheit unbewohnbar geworden ist. Die Menschheit sieht sich in diesem Szenario gezwungen, sich einen alternativen Lebensraum zu suchen. Eine der letzten Textzeilen des Songs lautet „Prepare for departure“ – ein Satz, der gewissermaßen den Ausgangspunkt für die Handlung von SOLARIS markiert.
Genau an diesem Punkt knüpft das neue Album an: Es beschreibt, so Staps, eine Flucht auf einem kosmischen Rettungsboot. Interessanterweise verzichtet die Band dabei auf die naheliegende Science-Fiction-Bildsprache eines klassischen Raumschiffs, wie man sie aus zahllosen Filmen des Genres kennt. Stattdessen erzählen The Ocean ihre Geschichte, als würden sie diese Reise auf einem alten Segelschiff antreten – aus der Perspektive von Entdeckern des 16. Jahrhunderts.
Inspiration aus echten Reisetagebüchern
Die ungewöhnliche erzählerische Perspektive ist kein Zufall, sondern das Ergebnis intensiver Recherche. Robin Staps hat nach eigener Aussage über das vergangene Jahr hinweg zahlreiche echte Reisetagebücher historischer Entdecker gelesen und daraus Inspiration für die fiktive Geschichte des Albums gezogen. „Wir haben viele Parallelen aus diesen Erlebnisberichten für unsere eigene fiktive Geschichte genutzt. Das Thema des Albums ist eine Art kosmischer Eskapismus“, erklärt der Bandleader.
Diese Herangehensweise verleiht SOLARIS eine besondere erzählerische Tiefe: Statt auf futuristische Technologie und klassische Weltraum-Tropen zu setzen, verbindet die Band historische Entdeckergeschichten mit kosmischen Themen und schafft so eine eigene, in sich stimmige Mythologie für das Album.
Ziel der Reise: Der Ozean aus Tarkovskys SOLARIS
Der titelgebende Bezugspunkt des Albums ist der gleichnamige Film SOLARIS von Andrej Tarkovsky. Ziel der im Album beschriebenen Expedition ist der extraterrestrische, intelligente Ozean namens Solaris aus diesem Science-Fiction-Klassiker. Im Film – und offenbar auch im thematischen Konzept des Albums – werden Menschen, die sich diesem Ozean nähern, von ihm manipuliert und mit ihren eigenen Erinnerungen und Traumata konfrontiert, wie Staps erläutert.
Tarkovskys Film ist bekannt dafür, seine Zuschauer mit vielen offenen Fragen und nur wenigen klaren Antworten zurückzulassen. Genau diese Eigenschaft scheint für Robin Staps der eigentliche künstlerische Wert zu sein: „Ich erwarte von Kunst, dass man durch sie anfängt, über Dinge nachzudenken und sich Fragen zu stellen, die man sich vorher nicht gestellt hat, ohne jedoch konkrete Antworten geliefert zu bekommen“, meint er. Dieses Prinzip überträgt die Band offenbar bewusst auf ihr eigenes Werk: Auch SOLARIS soll den Hörern keine fertigen Antworten liefern, sondern vielmehr zum eigenen Nachdenken anregen.
Weitere Details im ausführlichen Interview
Über die hier beschriebenen konzeptionellen Grundlagen des Albums hinaus geht Robin Staps im vollständigen Interview noch auf weitere Aspekte der Band und des neuen Werks ein. Darin erklärt er unter anderem, warum er Musiker grundsätzlich als eine Art Entdecker begreift, weshalb The Ocean als Band offenbar nie wirklich zur Ruhe kommt, und welche frischen Perspektiven neue Band-Mitglieder in den kreativen Prozess eingebracht haben. Das komplette Gespräch mit der Band ist in der METAL HAMMER-Oktoberausgabe 2026 nachzulesen, die am Kiosk erhältlich ist oder bequem nach Hause bestellt werden kann.
Einordnung
Mit SOLARIS vollzieht The Ocean einen bemerkenswerten konzeptionellen Schritt: Nach Jahren, in denen sich die Band intensiv mit der Erdgeschichte und geologischen Zeitaltern auseinandergesetzt hat, wagt sie sich nun erstmals explizit ins Reich der Science-Fiction – und verbindet dabei kosmische Themen mit der Bildsprache historischer Entdeckungsreisen sowie dem philosophischen Erbe von Andrej Tarkovskys Filmklassiker. Für Fans der Band bedeutet dies eine spannende thematische Weiterentwicklung, die zugleich durch die direkte textliche Verbindung zum Vorgängeralbum HOLOCENE erkennbar in der bisherigen Werkgeschichte der Band verwurzelt bleibt.
Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 5.10.2026, 08:05:26

