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Tony Iommi über neues Soloalbum, Brian May und das Vermächtnis von Black Sabbath

28. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Tony Iommi über neues Soloalbum, Brian May und das Vermächtnis von Black Sabbath

Tony Iommi, Gitarrist und Mitbegründer von Black Sabbath, hat sich in einem ausführlichen Interview mit Full Metal Jackie zu seinem neuen Soloalbum "From the Dark" geäußert, das am 23. Oktober erscheint und ab sofort vorbestellt werden kann. In dem Gespräch spricht der Musiker nicht nur über die Entstehung seines neuen Werks, sondern auch über seine langjährige Freundschaft mit Brian May, die wiederentdeckten frühen Earth-Demos von Black Sabbath, die Pläne der Osbourne-Familie für einen KI-Avatar von Ozzy Osbourne sowie darüber, wie es sich anfühlt, nach Jahrzehnten im Musikgeschäft noch immer als prägender Einfluss auf ganze Generationen von Musikern gewürdigt zu werden.

Iommi erklärte, dass die Grundlage für den Erfolg und Zusammenhalt von Black Sabbath stets der ehrliche Glaube an die eigene Musik gewesen sei. "Es ist schön, das zu hören, denn was wir geglaubt und getan haben, haben wir getan, weil es natürlich war. Wir haben es geliebt, das zu tun", so der Gitarrist. Die Band habe damals bewusst anders gespielt und dabei nie an Geld oder Erfolg gedacht, sondern ausschließlich aus Leidenschaft für die Musik gehandelt. Da es zu jener Zeit weder MTV noch das Internet gegeben habe, sei der Durchbruch nur durch physische Auftritte und Mundpropaganda möglich gewesen – ein Prozess, der viel Zeit in Anspruch genommen habe. Bis heute werde er von Fans und Musikerkollegen angesprochen, die ihm sagen, dass sie ohne Black Sabbath nicht in der Musik gelandet wären, was er als etwas Besonderes empfindet.

Die Entstehung von "From the Dark"

Wie Iommi im Gespräch erläuterte, sollte das neue Album ursprünglich rein instrumental werden. Er habe drei Instrumentalstücke geschrieben, sich dann aber entschieden, zusätzlich ein Stück mit Gesang aufzunehmen und das Projekt als vollwertige Band-Produktion anzugehen. Für den Gesang habe er von Anfang an an Jorn Lande gedacht, mit dem er bereits zuvor zusammengearbeitet hatte und dessen stimmliche Ausdruckskraft ihm für die gewünschte musikalische Richtung passend erschien.

An den Drums ist Karl Brazil zu hören, der vor allem als Schlagzeuger von Robbie Williams bekannt ist, aber auch in härteren musikalischen Kontexten aktiv ist. Iommi hatte Brazil bereits zuvor für ein Instrumentalstück engagiert, das er für das Iommi-Parfüm von Xerjoff komponiert hatte, und war von dessen Spiel und Einstellung überzeugt. Da Brazil regelmäßig mit Robbie Williams auf Tour ist, mussten die Aufnahmetermine entsprechend geplant werden.

Eine weitere Musikerin auf dem Album ist Becky Baldwin, die Iommi über seinen langjährigen Toningenieur und nunmehrigen Produzenten Mike Exeter kennenlernte. Iommi kannte Baldwin zunächst nicht, ließ sich jedoch von Exeter einige ihrer Instruktionsvideos zeigen und war von ihrem Können beeindruckt. Nach einer gemeinsamen Session in seinem Studio bat Baldwin um ein Foto mit den Worten, sie könnte ihn ja nicht wiedersehen, da sie nicht dachte, gut genug für das Projekt zu sein. Iommi versicherte ihr jedoch, dass sie ihn schon in der folgenden Woche wiedersehen werde – eine Anekdote, die er im Interview mit sichtlicher Freude schilderte.

Kreative Freiheit ohne Zeitdruck

Im Gegensatz zu den meisten Black-Sabbath-Produktionen, bei denen stets Termine für Tourneen oder Veröffentlichungen im Nacken saßen, konnte Iommi bei "From the Dark" völlig frei und ohne Druck arbeiten. Zusammen mit Mike Exeter habe er sich einen losen Zeitplan gesetzt, nach dem sie in der Regel montags und dienstags im Studio arbeiteten, wobei auch Wochen ausgelassen werden konnten. Diese Freiheit habe es ihm erlaubt, Ideen tagelang liegen zu lassen, um sie später mit frischem Ohr zu überarbeiten – ein Luxus, den er bei früheren Sabbath-Alben aufgrund fester Album- und Tourtermine nie hatte.

Als besonderen Höhepunkt der Aufnahmen nannte Iommi die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Freund Brian May von Queen, der als Gastmusiker auf dem Stück "Death Wake" zu hören ist. Die beiden Gitarristen kennen sich nach eigenen Angaben seit 56 bis 58 Jahren und pflegen eine enge, ehrliche Freundschaft, in der sie sich gegenseitig unterstützen. Wenn May zu Besuch komme, verbrächten sie gemeinsame Zeit im Studio, spielten zusammen und sprächen über Musik, Gitarren und das Leben. Neben May habe Iommi über die Jahre nur mit einer weiteren Person einen derart engen Kontakt gepflegt: dem verstorbenen Eddie Van Halen.

Die erste Singleauskopplung "World Alone"

Die erste Vorabsingle des Albums, "World Alone", zeichnet laut Iommi ein düsteres Bild, das durch Text und Video verstärkt wird. Die Texte für das gesamte Album stammen von Jorn Lande, der Ideen entwickelte und diese anschließend nach England schickte, wo gemeinsam weiter daran gearbeitet wurde. Iommi betonte, dass es für einen Sänger stets von Vorteil sei, seine eigenen Texte zu schreiben, da er dadurch am besten wisse, wie er die Worte präsentieren müsse. Er verglich Landes Fähigkeit, bestimmten Wörtern die richtige Kraft zu verleihen, mit der einzigartigen Ausdrucksweise des verstorbenen Sabbath-Sängers Ronnie James Dio.

Die wiederentdeckten Earth-Demos

Ein weiteres zentrales Thema des Interviews waren die kürzlich wieder aufgetauchten frühen Demoaufnahmen der Band unter ihrem ursprünglichen Namen Earth, über deren Besitz Sharon Osbourne die Band informiert hatte. Iommi beschrieb, wie ihn das erneute Anhören dieser Aufnahmen direkt in die Anfangszeiten der Band zurückversetzt habe, an Auftritte und musikalische Gewohnheiten, die er selbst teilweise vergessen hatte. Die Klangqualität sei naturgemäß sehr durchwachsen, da die Aufnahmen in Clubs unter den technischen Bedingungen jener Zeit entstanden seien. Dennoch habe es ihn beeindruckt, die Band in ihrer ursprünglichen Form zu hören, mit langen Jams, ausgedehnten Gitarrensoli und Drum-Solos. Auf Nachfrage bestätigte Iommi, dass es Pläne gebe, diese Demos zu veröffentlichen, wobei er selbst nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden sei und keinen konkreten Zeitpunkt nennen konnte.

Ozzy Osbourne, künstliche Intelligenz und das Erbe der Band

Im Zusammenhang mit den technologischen Entwicklungen der Musikbranche kam auch die von der Familie Osbourne angekündigte Idee eines KI-Avatars von Ozzy Osbourne zur Sprache, mit dem Fans interagieren und Fragen stellen könnten, die auf Basis früherer Aussagen Ozzys beantwortet würden. Iommi zeigte sich in dieser Frage zurückhaltend und erklärte, er wolle sich dazu nicht eindeutig positionieren, da es für manche Menschen hilfreich, für andere aber nichts sein könnte. Klar sei für ihn jedoch, dass das Erbe von Ozzy Osbourne unabhängig von jeglicher KI-Technologie fortbestehen werde.

Auf die Frage, worauf er in seiner langen Karriere am wenigsten vorbereitet gewesen sei, antwortete Iommi ohne Umschweife: auf künstliche Intelligenz. Er betonte, dass er selbst stets den natürlichen Sound bevorzuge – live auf der Bühne, ohne Tonbänder, einfach als Band, die tatsächlich spielt. Das sei zwar nicht jedermanns Sache, aber für ihn persönlich der einzige Weg.

Rückblick auf "Back to the Beginning" und die Zukunft

Iommi blickte im Interview auch auf die Abschiedstournee von Black Sabbath sowie auf das Konzertereignis "Back to the Beginning" im vergangenen Jahr zurück. Er zeigte sich überwältigt von der Zahl an großen Bands, die zu dieser Gelegenheit angereist waren, um Sabbath zu unterstützen und ihren Respekt zu erweisen. Die Reichweite und der Einfluss, den Black Sabbath über die Jahrzehnte auf das Metal-Genre und unzählige Bands ausgeübt hat, sei für ihn nach wie vor kaum zu fassen.

Auf die Frage nach seinen weiteren Plänen erklärte Iommi, dass er auch künftig weiter schreiben und kreativ arbeiten wolle, da dies das sei, was er kenne und liebe. Er habe zudem Anfragen erhalten, bei Shows anderer Bands als Gastmusiker aufzutreten, was ihn freue. Ohne jeglichen Druck könne er heute frei entscheiden, welche Projekte er annehme – ein Zustand, den er als befreiend beschreibt.

Das Interview mit Tony Iommi zeigt einmal mehr, welch zentrale Rolle Ehrlichkeit und Leidenschaft für die eigene Musik im Schaffen des Gitarristen spielen – ob bei Black Sabbath oder nun bei seinem Soloprojekt. Mit "From the Dark", das am 23. Oktober erscheint, sowie den angekündigten, aber noch terminlich offenen Veröffentlichungsplänen für die frühen Earth-Demos bleibt Iommi auch abseits der aufgelösten Band ein aktiver und einflussreicher Teil der Metal-Geschichte, dessen Werk und Vermächtnis weit über seine eigene Karriere hinausreichen.

Quelle: Loudwire· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 14:15:59

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