METAL
Wolf Hoffmann bedauert Absage ehemaliger ACCEPT-Mitglieder beim Jubiläumsalbum

Wolf Hoffmann, Gitarrist und einziges verbliebenes Gründungsmitglied der deutsch-amerikanischen Heavy-Metal-Institution ACCEPT, hat sich in einem neuen Interview enttäuscht darüber gezeigt, dass ehemalige Bandmitglieder – darunter Sänger Udo Dirkschneider – eine Einladung zur Mitwirkung am frisch erschienenen Jubiläumsalbum "Teutonic Titans 1976–2026" ausgeschlagen haben. Die Aussagen fielen im Rahmen von "The David Ellefson Show", die vom ehemaligen MEGADETH-Bassisten David Ellefson moderiert wird.
Wie von BLABBERMOUTH.NET transkribiert, erklärte Hoffmann: "Wir haben jedes einzelne der alten Mitglieder, der Originalmitglieder, eingeladen, Teil davon zu sein. Aber wie es nun mal kommt, wollte niemand etwas damit zu tun haben, was ich für ziemlich traurig halte, weil es eine großartige Möglichkeit gewesen wäre, wieder Kontakt aufzunehmen oder zumindest eine freundliche Geste zu setzen. Aber nein, es sollte nicht sein." Weiter führte der Gitarrist aus, dass es für ihn nach wie vor ein trauriges und merkwürdiges Phänomen sei, dass man von ehemaligen Bandmitgliedern nach deren Ausstieg praktisch nie wieder etwas höre. E-Mails blieben unbeantwortet, und wer einmal draußen sei, sei in der Regel für immer draußen. Er wünsche sich, dass es anders wäre, denn unabhängig von Meinungsverschiedenheiten oder Beweggründen für eine Trennung könne man doch eigentlich Freunde bleiben und in Kontakt bleiben – doch genau das funktioniere in der Praxis nie.
Das Jubiläumsalbum "Teutonic Titans 1976–2026"
Hintergrund der Aussagen ist das am 4. September 2026 über Napalm Records veröffentlichte Album "Teutonic Titans 1976–2026", mit dem ACCEPT ihr fünfzigjähriges Bandbestehen feiert. Auf der Platte wird die Band von sage und schreibe 50 Gästen begleitet, die gemeinsam an 19 neu interpretierten Versionen der größten ACCEPT-Klassiker mitgewirkt haben. Chronologisch arbeitet sich das Album durch die Diskografie der Band, beginnend bei "I'm A Rebel" von 1980 bis hin zu "Eat The Heat" aus dem Jahr 1989. Dabei bleibt die aktuelle Besetzung um Sänger Mark Tornillo und Hoffmanns unverkennbares Riffing der klangliche Anker des Projekts, während zahlreiche Gastmusiker den einzelnen Songs neue Facetten verleihen.
Eine außergewöhnliche Gästeliste
Die Liste der beteiligten Musiker liest sich wie ein Who-is-Who der Rock- und Metal-Szene. Tobias Forge von GHOST liefert eine eindrucksvolle Performance beim Song "Save Us" (vom Album "I'm A Rebel", 1980), unterstützt von Schlagzeuger Ray Luzier. Auf dem Speed-Metal-Klassiker "Fast As A Shark" ("Restless And Wild", 1982) treffen mit Philip Anselmo von PANTERA, Kirk Hammett von METALLICA und Mikkey Dee von SCORPIONS gleich drei absolute Genre-Größen aufeinander. "Balls To The Wall" wird durch die kraftvolle Stimme von Rob Halford (JUDAS PRIEST) sowie das Gitarrenspiel von Matthias Jabs (SCORPIONS) veredelt, während die neu eingespielte Version von "Love Child" von Billy Corgan (SMASHING PUMPKINS) und David Ellefson (MEGADETH) getragen wird – beide Songs stammen ursprünglich vom 1983er Album "Balls To The Wall".
Weitere prominente Gäste auf der Veröffentlichung sind K.K. Downing (JUDAS PRIEST), Bobby "Blitz" Ellsworth (OVERKILL), Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN), Chris Jericho (FOZZY), Ralf Scheepers (PRIMAL FEAR), Billy Sheehan (MR. BIG), Ola Englund (THE HAUNTED) und Jeff Loomis (NEVERMORE). Die Neuaufnahme von "Hellhammer" (vom Album "Eat The Heat", 1989) wurde hingegen komplett von der aktuellen ACCEPT-Besetzung eingespielt: Wolf Hoffmann, Bassist Martin Motnik, Gitarrist Philip Shouse und Schlagzeuger Christopher Williams, ergänzt durch Jason McMaster von DANGEROUS TOYS am Gesang.
Die Absage der ehemaligen Mitglieder
Gerade vor diesem Hintergrund wiegt die kollektive Absage der ehemaligen ACCEPT-Musiker für Hoffmann schwer. Trotz der Einladung an alle originalen Bandmitglieder, sich an dem Projekt zu beteiligen, entschied sich niemand von ihnen zur Mitwirkung – ein Umstand, den Hoffmann als "traurig" bezeichnete, weil er eine echte Chance zur Versöhnung oder zumindest zu einer freundlichen Geste gewesen wäre. Bereits im April 2024 hatte Hoffmann in einem Interview mit Riff X's "Metal XS" ähnliche Gedanken geäußert, als er gefragt wurde, ob er ehemalige Bandmitglieder vermisse. Er antwortete damals, er vermisse in gewisser Weise alle von ihnen, habe keinerlei Animositäten gegenüber irgendjemandem und vermisse insbesondere Peter Baltes, den langjährigen ACCEPT-Bassisten, sehr als Person und Freund, da man gemeinsam fantastische Zeiten erlebt habe. Es erscheine ihm merkwürdig, dass eine Freundschaft nach dem Ausstieg aus der Band nicht fortbestehen könne – stattdessen begännen häufig hasserfüllte Kommentare, ohne dass jemals etwas Positives über die gemeinsame Zeit gesagt werde.
Der lange Schatten von Peter Baltes' Ausstieg
Peter Baltes, der über drei Jahrzehnte an der Seite von Hoffmann Bass spielte, verließ ACCEPT im Jahr 2018. In mehreren Interviews äußerte er sich in den Folgejahren zu den Gründen seines Abschieds. Gegenüber Portugals Metal Global erklärte er im Oktober 2023, dass sich die Band im Laufe der Zeit von einer Gruppe befreundeter Musiker zu einem Konstrukt entwickelt habe, in dem geschäftliche und musikalische Interessen zunehmend von Einzelnen dominiert worden seien. Sobald man selbst nicht mehr an Entscheidungen beteiligt gewesen sei, habe es für ihn keinen Sinn mehr ergeben, weiterzumachen.
In einem Interview mit Rock And A Hard Place im Juni 2023 sagte der heute 68-jährige Baltes, er sei in ACCEPT zuletzt nicht mehr glücklich gewesen und wolle sein Leben nun genießen, ohne Dinge zu tun, die ihm keine Freude bereiteten. Auf die Frage, ob Udo Dirkschneiders Ausstieg mit Konflikten zwischen ihm, Wolf Hoffmann und dessen damaliger Ehefrau Gaby Hoffmann zusammenhänge, die ACCEPT über Jahrzehnte gemanagt hatte, antwortete Baltes, das Problem habe stets zwischen Wolf, dessen Frau und Udo bestanden – er selbst habe nie ein Problem mit Udo gehabt. Er bezeichnete das 1989er Album "Eat The Heat" mit dem amerikanischen Sänger David Reece als größten Fehler der Bandgeschichte, weil man mit dem Verlust von Udos charakteristischer Stimme die eigentliche musikalische Identität verraten habe.
Baltes berichtete zudem, während einer Reunion-Tour 2005 mit Udo weiterhin über den ehemaligen Schlagzeuger Stefan Kaufmann Kontakt zu Dirkschneider gehalten zu haben, während Wolf und Gaby ihre Auseinandersetzungen mit Udo öffentlich in den Medien austrugen. Er habe sich stets aus diesen Streitigkeiten herausgehalten, sei aber emotional zwischen den Lagern gefangen gewesen – schließlich habe man einen Großteil des Lebens gemeinsam verbracht, und Vertrauen sei letztlich gebrochen worden. In weiteren Gesprächen mit dem finnischen Magazin Chaoszine sowie mit Scott Itter von Dr. Music schilderte Baltes, er habe in den letzten Jahren seiner Mitgliedschaft unangenehme Dinge über die internen Strukturen erfahren und sich zunehmend wie ein bloßer "hired gun" statt wie ein echtes Bandmitglied gefühlt. Nach seinem Ausstieg übernahm Martin Motnik den Bassposten bei ACCEPT.
Im Januar 2021 gestand Hoffmann gegenüber Australiens Metal Mal, er sei über Baltes' Abgang "ein bisschen am Boden zerstört" gewesen und habe dies als traurigen Tag nicht nur für ACCEPT, sondern für den Rock und Heavy Metal insgesamt empfunden. Dennoch habe man entschieden, dass die Show weitergehen müsse.
Das zerrüttete Verhältnis zu Udo Dirkschneider
Besonders angespannt bleibt das Verhältnis zwischen Wolf Hoffmann und Udo Dirkschneider, der ACCEPT einst mitbegründete. In einem Interview mit Italiens LyonRock im März dieses Jahres stellte Udo klar, dass keinerlei Beziehung mehr zu Hoffmann bestehe. Er wolle keine schlechten Kommentare abgeben, betonte aber, dass es zwischen beiden schlicht keine Verbindung mehr gebe. Auf die im April 2024 gegenüber The Logan Show gestellte Frage, ob eine Reunion mit Udo für ein letztes gemeinsames Konzert denkbar wäre, antwortete Hoffmann, dass ihn ohnehin niemand danach gefragt habe und Udo selbst öffentlich erklärt habe, eine solche Reunion niemals in Betracht zu ziehen. Auf Nachfrage, ob er und Udo überhaupt keinen Kontakt mehr pflegten, bestätigte Hoffmann, man verbringe definitiv keine gemeinsamen Weihnachtsfeiern.
Auch 2022 äußerte sich Hoffmann gegenüber Griechenlands Rock Overdose zu Udos wiederholter Aussage, die aktuelle Besetzung sei "nicht mehr ACCEPT", da er als einziges Originalmitglied übrig sei. Hoffmann konterte, wer ständig über Ereignisse aus vor 30 Jahren spreche, offenbare damit vor allem etwas über die eigene aktuelle Karriere. Man müsse einfach gute Musik machen, dann kläre sich der Rest von selbst.
Umgekehrt erklärte Udo im April 2022 gegenüber dem australischen "Scars And Guitars"-Podcast, er habe seit Jahren keinen Kontakt zu Wolf und wolle diesen auch nicht. Mit Peter Baltes sei er dagegen inzwischen wieder gut befreundet, auch zu Ex-Schlagzeuger Stefan Kaufmann bestehe weiterhin eine gute Beziehung. Einzig mit Wolf wolle er aus verschiedenen Gründen nichts mehr zu tun haben, wünsche ihm aber alles Gute als "großartigen Gitarristen".
Der Streit um die Namensrechte
Ein zentraler Streitpunkt zwischen Udo und Wolf betrifft die Rechte am Namen ACCEPT. Im Dezember 2021 erklärte Dirkschneider gegenüber Simfonia Metàl·lica, der Verlust der Namensrechte sei der größte Fehler seiner beruflichen Laufbahn gewesen. Er habe die Band selbst mitgegründet, doch um 1980/81 herum seien im Rahmen umfangreicher Vertragsunterzeichnungen die Rechte am Namen ACCEPT an Wolf Hoffmann übertragen worden – ein Umstand, den er erst bemerkt habe, als er später aus "seiner eigenen Band" hinausgeworfen wurde. In einem weiteren Interview mit TNT Radio Rock wiederholte Udo diesen Vorwurf und machte dabei vor allem Gaby Hoffmann, die damalige Managerin der Band, für die geschickte Einbindung entsprechender Klauseln in die Verträge verantwortlich. Trotz seines Ärgers über diesen Vorgang bezeichnete Udo Wolf weiterhin als großartigen Gitarristen und guten Menschen, betonte jedoch, dass ihn dieser Vorgang bis heute wütend mache.
Bereits 2015 hatte Hoffmann öffentliche Kritik Dirkschneiders zurückgewiesen, wonach die damalige Besetzung mit Baltes und Tornillo live "ohne jede Emotion" auftrete. Hoffmann tat dies mit Humor ab und bezeichnete Udo scherzhaft als eine Art "Pressesprecher", der die Band durch seine Kommentare immer wieder in die Schlagzeilen bringe.
Einordnung
Die erneuten Aussagen Wolf Hoffmanns werfen ein Schlaglicht auf die tief verwurzelten persönlichen und geschäftlichen Konflikte, die die Geschichte von ACCEPT seit Jahrzehnten begleiten. Während das Jubiläumsalbum "Teutonic Titans 1976–2026" mit seiner beeindruckenden Riege internationaler Gaststars musikalisch die Bedeutung und den Einfluss der Band eindrucksvoll unterstreicht, macht die Absage der ehemaligen Mitglieder deutlich, wie tief die Gräben zwischen den einstigen Weggefährten weiterhin reichen. Für Fans der deutschen Metal-Legende bleibt damit die schmerzhafte Erkenntnis, dass eine echte Versöhnung der klassischen Besetzung – allen voran zwischen Wolf Hoffmann und Udo Dirkschneider – auch fünfzig Jahre nach Bandgründung in weiter Ferne liegt.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:32:14

