ALBEN

Wolfbrigade schärfen ihren D-Beat-Metal auf neuem Album weiter zu

09. Oktober 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Review: Wolfbrigade :: HOWL FROM UNDERGROUND
Bild: Thorsten Zahn

Die schwedischen D-Beat-Veteranen Wolfbrigade melden sich mit ihrem zwölften Studioalbum HOWL FROM UNDERGROUND zurück und liefern dabei keine müde Pflichtübung, sondern einen Angriff mit voller Wucht. Am 9. Oktober erscheint die Platte über Metal Blade Records und bringt es auf zwölf Songs in knapp 31 Minuten – kompromisslos, dreckig und ohne jede Anlaufzeit. Wer die Band kennt, weiß: Wolfbrigade machen keine Gefangenen, und auch dieses Album bildet da keine Ausnahme.

Nach dem bereits als starkes Comeback gefeierten Vorgängeralbum LIFE KNIFE DEATH legen die Schweden nun noch einmal an Intensität und Wucht zu. HOWL FROM UNDERGROUND klingt fetter, dreckiger und unmittelbarer als fast alles, was die Band zuvor veröffentlicht hat – und das, obwohl die rohe Punk-Attitüde der Anfangstage dabei keineswegs verloren geht. Im Gegenteil: Die Mischung aus D-Beat, Crust, Hardcore und metallischen Gitarrenwänden, die Wolfbrigade seit jeher unter dem Begriff „Lycanthro Punk“ zelebrieren, wird auf diesem Album in ihrer brachialsten Form präsentiert.

Produktion und Besetzung

Für den Sound von HOWL FROM UNDERGROUND zeichnet erstmals seit Jahren wieder ein externer Produzent verantwortlich: Lawrence Mackrory, der bereits mit Bands wie Meshuggah, Katatonia und Bloodbath zusammengearbeitet hat. Diese Entscheidung, die Produktion nicht mehr komplett in Eigenregie zu stemmen, zahlt sich hörbar aus. Die Songs klingen massiv und transparent zugleich, ohne dabei an roher Energie einzubüßen – genügend „Dreck unter den Fingernägeln“ bleibt erhalten, wie es in Kritikerkreisen treffend formuliert wird.

Einen zusätzlichen Schub dürfte auch die Rückkehr von Schlagzeuger David „Dadde“ Stark gebracht haben. Seine Wiederkehr hinter dem Kit sorgt für zusätzlichen Druck im Rhythmusgerüst der Band und trägt maßgeblich zur geballten Energie bei, die das Album durchzieht. Die Kombination aus einem erfahrenen externen Produzenten und einem wiedervereinten Line-up scheint Wolfbrigade spürbar beflügelt zu haben.

Musikalische Ausrichtung: Vertraut und doch erweitert

An der musikalischen Grundformel der Band wird grundsätzlich nicht gerüttelt – wer schnellen, metallischen D-Beat mit Crust- und Hardcore-Einflüssen erwartet, wird auch auf HOWL FROM UNDERGROUND voll bedient. Dennoch erweitern Wolfbrigade ihren Radius behutsam und lassen an einigen Stellen neue Facetten aufblitzen. Der Song ‘When Dogs Cry’ etwa setzt auf eine überraschend melancholische Note, die so in dieser Form bislang nicht zum typischen Wolfbrigade-Repertoire gehörte. Auch ‘Cold War Bootlicker’ arbeitet mit atmosphärischen Momenten, die dem sonst so geradlinigen Songwriting der Band zusätzliche Tiefe verleihen.

Trotz dieser punktuellen Ausflüge in ruhigere, atmosphärischere Gefilde bleibt der Gesamteindruck des Albums unmissverständlich: Energiegeladen, stoisch und unaufhaltsam walzt sich HOWL FROM UNDERGROUND nach vorne. Die neuen Elemente wirken dabei nicht wie ein Stilbruch, sondern fügen sich organisch in das gewohnt brachiale Klanggewand der Band ein, ohne die grundlegende Aggressivität zu verwässern.

Thematischer Kern: Widerstand und das Animalische

Inhaltlich dreht sich das Album um den Widerstand gegen die Dressur des Menschen, gegen gesellschaftlichen Gehorsam und um den Wunsch, das Animalische im Menschen wieder freizulegen. Diese Thematik passt nicht nur hervorragend zum Wolfsmotiv, das die Band seit jeher begleitet und das sich auch im Bandnamen widerspiegelt, sondern korrespondiert auch unmittelbar mit dem rauen, ungezähmten Sound des Albums. Die Botschaft von Freiheit, Ungebundenheit und dem Aufbegehren gegen gesellschaftliche Normen zieht sich wie ein roter Faden durch die zwölf Songs und verleiht dem Album eine inhaltliche Geschlossenheit, die über reine Genre-Standards hinausgeht.

Einordnung in das Wolfbrigade-Universum

HOWL FROM UNDERGROUND versteht sich dabei explizit nicht als Neuerfindung der Band, sondern vielmehr als konsequente Verschärfung des bereits etablierten Wolfbrigade-Universums. Nach zwölf Alben und Jahrzehnten im D-Beat-Metal-Kosmos zeigen die Schweden, dass sie ihre musikalische DNA nicht infrage stellen müssen, um relevant und frisch zu klingen. Stattdessen setzen sie auf eine Zuspitzung ihrer bewährten Elemente, garniert mit punktuellen neuen Nuancen wie den melancholischen Momenten in ‘When Dogs Cry’ oder den atmosphärischen Passagen in ‘Cold War Bootlicker’.

Das Ergebnis ist ein Album, das wütend, kompakt und verdammt bissig daherkommt – Attribute, die laut Kritik genau das definieren, wie D-Beat-Metal im Jahr der Veröffentlichung klingen muss. Die Kombination aus roher Energie, durchdachter Produktion und einer klaren thematischen Ausrichtung macht HOWL FROM UNDERGROUND zu einem Album, das sowohl langjährige Fans der Band als auch Neueinsteiger in die Welt des schwedischen D-Beat überzeugen dürfte.

Für die Szene bestätigt dieses Album einmal mehr, dass Wolfbrigade zu den verlässlichsten Institutionen im D-Beat-Metal-Bereich gehören. Mit der Rückkehr von David „Dadde“ Stark am Schlagzeug, der erstmaligen Zusammenarbeit mit einem externen Produzenten von internationalem Format und einer klaren thematischen Linie setzt die Band ein weiteres Ausrufezeichen in ihrer langjährigen Karriere. HOWL FROM UNDERGROUND reiht sich damit nahtlos in die Diskografie einer Band ein, die auch nach über einem Dutzend Alben nichts von ihrer Dringlichkeit und Wut verloren hat.

Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 9.10.2026, 14:37:23

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