ALBEN
Zebra kündigen nach 23 Jahren neues Studioalbum „V“ an

Die US-amerikanische Power-Trio-Legende ZEBRA hat nach mehr als zwei Jahrzehnten Wartezeit ein neues Studioalbum angekündigt. Das Werk mit dem schlichten Titel „V" soll am 13. November 2026 über Flatiron Recordings erscheinen und markiert damit die erste Sammlung neuen Materials seit „Zebra IV" aus dem Jahr 2003. Die Ankündigung fällt zudem mit dem 50-jährigen Bandjubiläum zusammen, das ZEBRA in diesem Jahr feiert. Die Besetzung besteht unverändert aus Gitarrist und Sänger Randy Jackson, Bassist und Keyboarder Felix Hanemann sowie Schlagzeuger Guy Gelso.
Aufgenommen wurde „V" in den Heimstudios von Jackson und Gelso, wobei ein Teil der Produktion in den Händen von Jack Douglas lag. Douglas ist der Band seit ihren Anfängen vertraut: Er hatte bereits das selbstbetitelte Debütalbum von 1983 sowie den Nachfolger „No Tellin' Lies" von 1984 produziert. Die Zusammenarbeit nach rund 40 Jahren beschrieb Jackson als nahtlos. Gegenüber Jimmy Kay vom kanadischen Portal The Metal Voice erklärte er: „Unser neuer Manager Dave Rothstein hat uns quasi Feuer unterm Hintern gemacht und vorgeschlagen, wieder Kontakt zu Jack Douglas aufzunehmen. Das hat einen großen Unterschied gemacht. Es war großartig und aufregend, wieder mit Jack zu arbeiten. Es fühlte sich an, als hätten wir nie aufgehört."
Die Tracklist von „V"
Das neue Album umfasst insgesamt elf Songs: „Dog Day Night", „The Conqueror Worm", „All Your Love", „Walk With You", „Love, Sex", „I'll Be There Beside You", „She's Waiting For You", „Direction", „Louisiana Way", „The Last Time" und „Eulalie". Wie Jackson verriet, handelt es sich bei drei dieser Stücke um alte Ideen, die nun endlich einen Platz auf einer offiziellen Studioaufnahme gefunden haben. Besonders hervorzuheben ist „The Last Time", der allererste Originalsong, den die Band jemals live gespielt hat. Obwohl zahlreiche frühe Kompositionen im Laufe der Jahre verworfen wurden, hielt sich dieser Song hartnäckig im Repertoire, ohne jemals offiziell eingespielt worden zu sein. Ein weiterer lang erwarteter Track ist „She's Waiting For You", den Jackson als das bislang härteste Stück der Bandgeschichte bezeichnet. „Die Leute sagen immer, diese Band ist Heavy Metal, und das hier ist der Song dazu. Fans haben schon sehr lange danach gefragt, und ich glaube, die Version, die wir gemacht haben, werden die Leute lieben", so Jackson.
Neue Wege: China-Rain-Material und Edgar Allan Poe
Auf die Frage, was ZEBRA diesmal anders gemacht habe, erklärte Jackson, dass er mit mehreren verschiedenen Co-Autoren zusammengearbeitet habe. Darunter befinden sich auch Songideen aus seiner Zeit bei dem Nebenprojekt China Rain, die nie auf einem Album verwendet wurden, aber laut Jackson „wirklich großartige Songs" waren. Zwei von ihnen schafften es nun auf „V". Darüber hinaus wagte sich Jackson an ein ungewöhnliches Experiment: Er vertonte zwei Gedichte von Edgar Allan Poe. „The Conqueror Worm" ist eines davon, ein Gedicht, das vielen Lesern bekannt sein dürfte. Das zweite, „Eulalie", überraschte Jackson selbst, da es sich entgegen der sonst morbiden Thematik Poes um ein reines Liebeslied ohne schaurigen Ausgang handelt.
Jackson schilderte den Entstehungsprozess als echte Herausforderung, da er normalerweise keine Musik zu bereits bestehenden Texten schreibt. Die ungewohnte Sprache, der Satzbau und die Wortwahl Poes erschwerten die Suche nach Refrain und Hook erheblich. Dennoch sei das Ergebnis überzeugend geworden – bei beiden Stücken übernahm er den Text nahezu wortgetreu vom Anfang bis zum Ende. Eine ähnliche Vertonung hatte Jackson bereits früher einmal mit akustischer Gitarre für eine Poe-Hommage eines gewissen Dennis Daniel realisiert, diesmal jedoch mit kompletter Bandbesetzung inklusive Streichern.
Musikalische Ausrichtung und der Vergleich zu früheren Alben
Zur klanglichen Einordnung von „V" verglich Jackson das Album mit „3.V" aus dem Jahr 1986, da viele der neuen Songs eingängige Hooks und Refrains besitzen, insgesamt aber eine härtere Gangart als das dritte ZEBRA-Album einschlagen. Er betonte die Vielseitigkeit des Albums, ohne dass dabei Verwirrung entstehe. Auf die Frage, warum gerade Metal-Fans die Musik von ZEBRA seit jeher schätzen, verwies Jackson auf seine eigenen musikalischen Einflüsse, darunter Led Zeppelin und The Moody Blues, die sich deutlich in den Kompositionen widerspiegeln würden. Zudem lobte er die technische Qualität der Band, insbesondere die Präzision von Schlagzeuger Guy Gelso, die es ermögliche, sowohl experimentell als auch kommerziell eingängig zu klingen. Der Song „Direction" etwa gehe in eine progressive Richtung und dürfte besonders jene Fans ansprechen, die die progressive Seite der Band schätzen.
Die Vorab-Single „Walk With You" und die Paul-Stanley-Verbindung
Als erste Singleauskopplung aus „V" ist der Song „Walk With You" vorgesehen, dessen Veröffentlichung vorläufig für den 13. Oktober angesetzt ist. Die Besonderheit: Der Song wurde vor mehr als drei Jahrzehnten gemeinsam mit KISS-Gitarrist und Sänger Paul Stanley geschrieben. Entstanden ist das Stück während der Arbeiten am China-Rain-Album, schaffte es damals jedoch nie auf eine Platte. Jackson erinnerte sich, dass er beim Durchsehen alten Materials erkannte, wie gut der Song eigentlich war, und beschloss, ihn mit ZEBRA umzusetzen. Er kontaktierte Stanley erneut, der sofort zustimmte. Die eigentliche Schreibsession fand um 1989/1990 in Stanleys Wohnung in Manhattan statt und dauerte nur etwa zwei Stunden. Jackson fertigte damals bereits eine Demoaufnahme an, die als Grundlage für die neue Version diente – mit leicht veränderten Arrangements und unter der Produktion von Jack Douglas, der den Song laut Jackson „liebte" und für großartig hielt. Insgesamt produzierte Douglas fünf Songs des Albums, darunter auch die beiden Poe-Vertonungen.
Wie es überhaupt zur Zusammenarbeit mit Stanley kam, erklärte Jackson damit, dass sein damaliger Manager Scott Ross die Verbindung hergestellt habe. Persönlich habe er Stanley zuvor kaum gekannt. Allerdings war KISS mit ZEBRA bereits vertraut, da beide Bands einst gemeinsam im Superdome in New Orleans aufgetreten waren und KISS als New Yorker Band die lokale Szene rund um Twisted Sister und ZEBRA aufmerksam verfolgt hatte.
Das Kiss-Vorsprechen von Randy Jackson
In einem interessanten Nebenaspekt des Interviews erinnerte sich Jackson zudem an ein Vorsprechen bei KISS, das vermutlich 1978 stattfand, nachdem Ace Frehley die Band verlassen hatte. KISS flog Jackson damals nach Kalifornien, wo er jedoch ohne Band und lediglich mit einem kleinen Verstärker vorspielen musste. Obwohl er einige KISS-Songs einstudiert hatte, zeigte sich die Band daran kaum interessiert. Das Vorsprechen verlief sehr kurz, und Jackson erhielt in der Folge keinen Rückruf. Dennoch sei er geschmeichelt gewesen, überhaupt angefragt worden zu sein. Auf die Bemerkung, er sei für KISS eigentlich überqualifiziert gewesen, antwortete Jackson scherzhaft, man könne zwar „nach unten", aber nicht „nach oben" spielen – er hätte die Aufgabe also durchaus bewältigen können.
Neue Dokumentation zum 50-jährigen Bestehen
Neben dem neuen Album arbeitet ZEBRA auch an einer Dokumentation mit dem Arbeitstitel „Tell Me What You Want: 50 Years Of Zebra". Der Film soll neue Interviews und Auftrittsmitschnitte jüngerer Touren enthalten sowie bislang unveröffentlichtes Archivmaterial zeigen, das die Geschichte der Band von ihren Wurzeln in Louisiana bis zu ihrem Status als feste Größe der Musikszene auf Long Island, New York, nachzeichnet. Laut Jackson wird seit einigen Jahren an dem Projekt gearbeitet, ein konkretes Erscheinungsdatum steht jedoch noch nicht fest – zumindest in diesem Jahr werde die Dokumentation nicht veröffentlicht. Im Gegensatz zur früheren DVD „Zebra: The DVD" aus dem Jahr 2007, die die komplette Bandgeschichte abdeckte, sollen diesmal auch Personen zu Wort kommen, die beim Entstehen der Band dabei waren und bislang nicht befragt werden konnten. Gerade diese Zeitzeugenberichte, so Jackson, seien am interessantesten, da sie authentische Geschichten aus der Anfangszeit liefern würden, statt nur allgemeine Erinnerungen der Bandmitglieder selbst.
Die Geschichte von ZEBRA
ZEBRA wurde Anfang 1975 in New Orleans gegründet. Der Bandname geht auf ein Vogue-Magazin-Cover aus dem Jahr 1926 zurück. Schon früh eroberte das Trio den Süden und die Ostküste der USA. Das selbstbetitelte Debütalbum, veröffentlicht am 21. März 1983, erreichte Goldstatus und war zu jener Zeit das am schnellsten verkaufte Debütalbum in der Geschichte von Atlantic Records – nicht zuletzt dank des intensiven Radio- und MTV-Airplays der Singles „Tell Me What You Want" und „Who's Behind The Door?". Für ihre Verdienste wurde die Band 2010 in die Louisiana Music Hall of Fame aufgenommen und von der Louisiana Music Commission offiziell als die Nummer-eins-Rock'n'Roll-Band des Bundesstaates gewürdigt. Am 18. Oktober 2012 folgte zudem die Aufnahme in die Long Island Music Hall of Fame.
Mit „V" schließt ZEBRA nach 23 Jahren eine lange Lücke in der Diskografie und liefert pünktlich zum 50-jährigen Bestehen ein Album, das sowohl alte, lange gehegte Songideen als auch völlig neue kreative Ansätze wie die Vertonung von Edgar-Allan-Poe-Gedichten vereint. Die Zusammenarbeit mit Paul Stanley verleiht der Veröffentlichung zusätzliches historisches Gewicht, während die parallel entstehende Dokumentation die Bedeutung des Jubiläums zusätzlich unterstreicht. Für Fans klassischen amerikanischen Rocks dürfte „V" damit zu einem der mit Spannung erwarteten Comeback-Alben des Jahres 2026 werden.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 5.10.2026, 08:05:19
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