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Frank Bello: Warum das neue Anthrax-Album "Cursum Perficio" so düster klingt

Anthrax-Bassist Frank Bello hat in einem neuen Interview mit Gino Alache von Rockum TV ausführlich über das zwölfte Studioalbum der Band, "Cursum Perficio", gesprochen. Es handelt sich um die erste Anthrax-Platte seit zehn Jahren – der Vorgänger "For All Kings" erschien 2016 und stieg damals in die Top 10 der Billboard 200 ein. Im Gespräch erläuterte Bello, wie schwierig es für ihn und seine Bandkollegen war, überhaupt die Zeit für ein neues Album zu finden, und warum "Cursum Perficio" seiner Ansicht nach deutlich düsterer klingt als das Vorgängerwerk.
Bello machte deutlich, dass die größte Herausforderung heutzutage schlicht die Logistik ist. Gitarrist Scott Ian lebt in Los Angeles, Schlagzeuger Charlie Benante in Chicago und er selbst in New York. Da alle drei über das ganze Land verteilt leben, reist die Band traditionell nach Los Angeles, mietet sich dort einen Proberaum und schreibt gemeinsam vor Ort an neuen Songs. Genau dieses Modell kam auch bei "Cursum Perficio" wieder zum Einsatz, allerdings über einen längeren Zeitraum verteilt und immer dann, wenn alle Beteiligten gleichzeitig verfügbar waren.
Schreibprozess unter erschwerten Bedingungen
Ein zentrales Hindernis war die Corona-Pandemie. Bello beschrieb, wie die Band versuchte, per FaceTime gemeinsam Riffs zu entwickeln – ein Vorhaben, das komplett scheiterte. Durch die technische Latenz und das Fehlen der direkten Interaktion habe schlicht die notwendige Atmosphäre gefehlt. Für Anthrax sei es essenziell, dass sich die drei Songwriter im selben Raum gegenüberstehen und sich gegenseitig ansehen können, wenn Songideen entstehen. Diese unmittelbare Kommunikation lasse sich durch Videotelefonie nicht ersetzen, weshalb der Schreibprozess während der Pandemie faktisch zum Stillstand kam. Erst als persönliche Treffen wieder möglich waren, kam die Arbeit an der Platte wirklich in Fahrt.
Bello betonte zugleich, wie sehr er sich über die bisherigen Reaktionen freut. Drei Songs des Albums waren bereits vor der Veröffentlichung verfügbar, und laut Bello hätten mehrere Journalisten, die das komplette Album vorab hören durften, betont, wie sehr sie die verbleibenden Tracks überrascht hätten. Diese Rückmeldungen würden ihn mehr begeistern als alles andere, da er selbst genau wisse, welche weiteren "Bangers" noch auf der Platte folgen. Er unterstrich mehrfach, dass er dies nicht sage, um das Album zu bewerben, sondern weil er als Fan selbst kaum erwarten könne, dass die Songs endlich bei den Hörern ankommen.
Ein natürlich gewachsener, düsterer Sound
Auf die Frage, ob die Band von Beginn an eine klare Klangvorstellung für das neue Album hatte, antwortete Bello, dass sich der Sound eher organisch entwickle. Man wisse zwar immer, dass ein Anthrax-Album heavy und aggressiv klingen werde, da dies im Wesen der Band liege, doch man plane diesen Charakter nicht bewusst. Vielmehr entstehe die Musik im gemeinsamen Songwriting-Prozess, wenn alle Beteiligten im Raum spürten, dass ein Riff oder ein Part "funktioniert". Die Band verstehe sich dabei selbst zuerst als Fans, die von ihrer eigenen Musik überzeugt sein müssten, bevor sie sie veröffentlichen.
Im direkten Vergleich zu "For All Kings" beschrieb Bello "Cursum Perficio" als deutlich düstereres Album. Er könne selbst keinen konkreten Grund dafür benennen, warum die neue Platte aus einem dunkleren Ort heraus entstanden sei, vermutete jedoch, dass die Band – wie jeder Mensch – ein Schwamm für die Ereignisse und Stimmungen der Welt sei, die sich unweigerlich in der Musik niederschlagen. Diese Düsternis komme laut Bello der Heaviness des Albums zugute. Er wies zudem darauf hin, dass die bereits veröffentlichten drei Singles nur einen Vorgeschmack auf den "Heavy-Faktor" der restlichen Songs geben würden.
Für Bello markiert "Cursum Perficio" zugleich eine neue Entwicklungsstufe für Anthrax, die inzwischen auf über 40 Jahre Bandgeschichte zurückblickt. Trotz des Bandalters fühle er sich selbst nach wie vor jung und energiegeladen und freue sich riesig darauf, mit dem neuen Material auf Tour zu gehen. Für ihn sei genau dieser Moment – das gemeinsame Erleben von Konzerten mit den Fans, das Verschmelzen von Energie zwischen Band und Publikum – die eigentliche Essenz seiner Arbeit als Musiker.
Video, Singles und Veröffentlichung
Anfang des Monats veröffentlichte Anthrax das offizielle Musikvideo zu "Cursum Perficio", dem titelgebenden vierten Single-Auskopplung des Albums. Regie führte der Dokumentarfilmer Don Argott, der bereits den Lamb-of-God-Film "As The Palaces Burn" inszenierte und bei Taylor Swifts Film "The End Of An Era" Co-Regie führte. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Clip zeigt London May, der als gelegentlicher Schlagzeuger und Bassist von Glenn Danzigs früherer Band Samhain bekannt ist.
Der Single "Cursum Perficio" gingen bereits drei weitere Veröffentlichungen voraus: "It's For The Kids" erschien im Mai, "The Edge Of Perfection" folgte im Juli, und "Everybody's Got A Plan" kam im August heraus. Das komplette Album "Cursum Perficio" erschien schließlich am 18. September über Megaforce in den USA und über Nuclear Blast in Europa. Der lateinische Albumtitel bedeutet übersetzt so viel wie "Meine Reise ist zu Ende" oder "Ich vollende meine Reise".
Das Album ist in zahlreichen Formaten erhältlich: als Standard-CD, als Target-exklusive CD mit einem Stoffpatch des Covermotivs, als schwarzes Doppel-Vinyl mit Pop-up-Gatefold, als Target-exklusives rotes Zoetrop-Doppel-Vinyl mit Pop-up-Gatefold, als Amazon-exklusives lila Zoetrop-Doppel-Vinyl, als merch-exklusives lilafarbenes Doppel-Vinyl, als bei Metal Injection exklusives weißes Doppel-Vinyl, als bei Talk Shop Live signiertes rotes Ripple-Vinyl sowie als Indie-exklusive Variante in Rot, Orange und Gelb – jeweils mit Pop-up-Gatefold.
Entstehung im Studio 606
Die eigentlichen Aufnahmen zu "Cursum Perficio" begannen im Jahr 2022 im Studio 606 von Dave Grohl in Los Angeles. Dort setzte die Band Stück für Stück ihr neues Album zusammen, das sowohl auf die eigene Bandgeschichte zurückgreift als auch den charakteristischen Anthrax-Sound erweitert. Produziert wurde die Platte von Jay Ruston gemeinsam mit Anthrax selbst. Laut Ankündigung präsentiert sich das Ergebnis ebenso zornig, aggressiv und lebendig wie die gefeiertsten Werke der Bandgeschichte.
Anthrax: Vier Jahrzehnte Thrash-Geschichte
Anthrax feierte 2021 sein 40-jähriges Bestehen mit mehreren Sonderaktionen. Gegründet wurde die Band am 18. Juli 1981 in Queens, New York, von Gitarrist Scott Ian und Bassist Dan Lilker. Als eine der ersten Thrash-Metal-Bands der US-Ostküste avancierte Anthrax rasch zu einer der prägenden Kräfte des Genres, gemeinsam mit Metallica, Slayer und Megadeth – jenen Bands, mit denen Anthrax später als Teil des legendären "Big Four"-Pakets auftrat, unter anderem im Rahmen eines Konzerts im Yankee Stadium.
Über die vergangenen fünf Jahrzehnte hat Anthrax zwölf Studioalben veröffentlicht, mehrere Gold- und Platin-Auszeichnungen erhalten sowie sechs Grammy-Nominierungen gesammelt. Seit 1984 ist die Band durchgehend auf Tour und hat tausende Shows gespielt, darunter auch als Headliner im Madison Square Garden. Die Veröffentlichung von "For All Kings" im Jahr 2016 folgte auf eine fünfjährige Phase der Wiederbelebung, die mit der Teilnahme an der "Big Four"-Tour begann und sich mit dem Comeback-Album "Worship Music" fortsetzte.
Mit "Cursum Perficio" knüpft Anthrax nun an diese Erfolgsgeschichte an und liefert nach zehnjähriger Pause ein Album, das laut Frank Bello bewusst düsterer und schwerer ausfällt als sein Vorgänger. Für die Band markiert die Platte nicht nur eine musikalische Weiterentwicklung, sondern auch einen emotionalen Neustart nach Jahren, in denen persönliche Verpflichtungen und eine weltweite Pandemie den kreativen Prozess erheblich erschwert hatten. Für Fans des klassischen Thrash-Sounds dürfte das neue Werk damit ein interessanter Gradmesser dafür sein, wie sich eine der einflussreichsten Bands des Genres nach über vier Jahrzehnten weiterhin neu erfindet.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:19:16
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