ROCK
Rikki Rockett über die einzigartige Chemie von Poison und sein Tribute-Projekt

POISON-Schlagzeuger Rikki Rockett hat sich in einem neuen Interview mit Troy Culpan vom australischen Portal May The Rock Be With You ausführlich zur musikalischen Chemie seiner Band geäußert und erklärt, warum POISON auch Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch in den 1980er-Jahren noch immer funktioniert. Gleichzeitig sprach Rockett über sein aktuelles Nebenprojekt THE ROCKETT MAFIA, mit dem er derzeit das POISON-Debütalbum "Look What The Cat Dragged In" live nachspielt, sowie über sein kürzlich erschienenes Buch "Ghost Notes: My Life In Poison".
Auf die Frage, was den entscheidenden Faktor für den Erfolg von POISON auf dem Höhepunkt ihrer kommerziellen Karriere ausgemacht habe, antwortete Rockett mit bemerkenswerter Offenheit: "Ich wünschte, ich könnte diesen Blitz in einer Flasche einfangen, wirklich, denn dann könnte ich ihn für sehr viel Geld verkaufen. Aber ich weiß es nicht genau. Ich glaube einfach, dass es eine Synergie zwischen uns vieren gibt, und ich habe versucht, das aufzuschlüsseln. Ich denke, es beginnt bei den Persönlichkeiten. Wir sind alle unterschiedliche Charaktere, aber gleichzeitig ergänzen wir uns, glaube ich, gegenseitig."
Die Rollenverteilung innerhalb der Band
Rockett ging näher darauf ein, wie sich die einzelnen Bandmitglieder auf der Bühne gegenseitig ausbalancieren. Gitarrist C.C. DeVille spiele stets sehr weit vor dem Beat und dränge nach vorne, während er selbst als Schlagzeuger die Ruhe bewahre. Dadurch entstehe live der Eindruck von Unberechenbarkeit, als könnte jederzeit alles aus dem Ruder laufen – was aber nie tatsächlich geschehe. Bassist Bobby Dall halte währenddessen alles in der Mitte zusammen und sorge für Stabilität, während Sänger Bret Michaels als "M.C." den gesamten "Zirkus mit drei Manegen" zum Laufen bringe, wie Rockett es bildhaft formulierte.
Der Schlagzeuger erklärte weiter, dass er und Bret Michaels bei der Gründung von POISON eine ganz bestimmte Vision verfolgt hätten: Sie wollten eine Band schaffen, von der sie selbst Fans gewesen wären. Dabei hätten sie sich gefragt, wie eine solche Band aussehen, klingen und in Interviews auftreten müsste. Am Ende sei ihnen klar geworden, dass sich so etwas nicht künstlich konstruieren lässt. Man könne kein Drehbuch dafür schreiben, wie eine Band sein solle, denn das ließe sich auf Dauer nicht durchhalten. Stattdessen hätten sie beschlossen, ihre eigene Einstellung und die Dinge, die sie wirklich liebten, zusammenzubringen und daraus die Band zu formen, die sie sein wollten.
Wie C.C. DeVille die Formel komplettierte
Genau diese Eigenschaften hätten sie schließlich in Bobby Dall und in C.C. DeVille wiedergefunden. Der ursprüngliche Gitarrist Matt Smith sei zwar ebenfalls ein guter Musiker gewesen, doch habe stets das Gefühl bestanden, dass noch etwas fehle, um das Bandgefüge zu vervollständigen. Erst als C.C. DeVille zur Band stieß, sei laut Rockett "alles komplett" gewesen – ein Moment, den er scherzhaft als das Entstehen eines "vollständigen Proteins" beschrieb.
THE ROCKETT MAFIA und die Hommage an "Look What The Cat Dragged In"
Neben der POISON-Chemie sprach Rikki Rockett auch ausführlich über sein neues Bandprojekt THE ROCKETT MAFIA, mit dem er dem POISON-Debütalbum "Look What The Cat Dragged In" in kompletter Länge Tribut zollt. Die Shows finden überwiegend in Clubs statt, ergänzt durch einige Festivalauftritte. Rockett beschrieb es als große Freude, den Zuschauern in die Gesichter zu blicken und zu sehen, wie die Musik sie in eine andere Zeit zurückversetze. Er habe zunächst befürchtet, dass viele Fans dieses Erlebnis lieber mit POISON selbst als mit seiner neuen Besetzung teilen wollten. Doch die Reaktionen hätten ihn eines Besseren belehrt.
Als Beispiel nannte er einen Auftritt in New Jersey, bei dem mehrere Besucher nach der Show zu ihm gekommen seien und ihm gesagt hätten, sie seien zunächst skeptisch gewesen, fänden aber, dass die Band die Songs auf die richtige Art und Weise interpretiere. Rockett zeigte sich überzeugt, mit THE ROCKETT MAFIA eine eigene, funktionierende musikalische Formel gefunden zu haben. Zudem verriet er, dass viele Fans ihn dazu ermutigt hätten, künftig auch komplette Shows mit ausschließlich selten gespielten POISON-Songs, sogenannten Deep Cuts, zu bestreiten. Diese Idee reize ihn sehr, und er könne sich gut vorstellen, ein solches Format tatsächlich umzusetzen.
THE ROCKETT MAFIA eröffnete die Konzertreihe zu Ehren von "Look What The Cat Dragged In" am 21. Mai im Vixen in McHenry, Illinois. Neben dem POISON-Material spielt die Band nach eigenen Angaben zudem eine kraftvolle Mischung aus klassischem Rock der 1970er- und 1980er-Jahre, wobei bekannte Songs jener Ära häufig in einer schwereren, zeitgemäßeren Version neu interpretiert werden.
Geplatzte Jubiläumstour und interner Streit
Hintergrund der aktuellen Aktivitäten Rocketts ist auch eine gescheiterte Tourplanung von POISON selbst: Anfang des Jahres hatte die Band ursprünglich Pläne für eine Tour im Jahr 2026 zum 40-jährigen Jubiläum von "Look What The Cat Dragged In" verfolgt, diese jedoch wieder verworfen. Rockett hatte im Januar öffentlich behauptet, Sänger Bret Michaels habe verlangt, für jeden Dollar, den seine Bandkollegen bei den Shows verdienen würden, selbst sechs Dollar zu erhalten. Michaels wies diese Darstellung später zurück und erklärte, man sei in den Verhandlungen nie an diesen Punkt gelangt.
POISON wurde 1983 gegründet und veröffentlichte ihr Debütalbum "Look What The Cat Dragged In" im Mai 1986 – jenes Werk, dem Rikki Rockett nun mit THE ROCKETT MAFIA huldigt.
Rocketts Memoiren erschienen
Parallel zu den musikalischen Aktivitäten hat Rikki Rockett auch literarisch ein lange erwartetes Projekt abgeschlossen: Seine Autobiografie "Ghost Notes: My Life In Poison", die er gemeinsam mit dem Autorenduo Leif Eriksson und Martin Svensson verfasst hat, erschien Anfang des Monats über Rare Bird Books.
Die Aussagen Rocketts zeichnen das Bild eines Musikers, der trotz interner Spannungen innerhalb von POISON weiterhin mit großer Wertschätzung auf die Chemie der Originalbesetzung zurückblickt, gleichzeitig aber mit THE ROCKETT MAFIA und seinem Buch eigene Wege geht, um das musikalische Erbe der Band lebendig zu halten und den Fans nahezubringen.
Quelle: Blabbermouth· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:48:49
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