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Vom Black-Sabbath-Cover zur KI-Rockoper: Louisa Livingstones 'Alice'-EP

Louisa Livingstone, jene Frau, die einst als Model für das legendäre Debütalbum von Black Sabbath aus dem Jahr 1970 posierte, hat unter ihrem Künstlernamen Indreba (kurz für The Incredible Dream Band) eine neue EP veröffentlicht. Das Werk trägt den Titel "Alice" und verbindet die Fantasiewelt aus Lewis Carrolls Klassikern "Alice im Wunderland" mit einer nachdenklichen Auseinandersetzung über künstliche Intelligenz. In einem aktuellen Interview mit Rolling Stone sprach Livingstone ausführlich über die Entstehung des Projekts, ihre musikalische Entwicklung und ihr Verhältnis zu KI-Technologie.
Livingstones Name ist Musikfans vor allem durch das Artwork des selbstbetitelten Debütalbums von Black Sabbath bekannt, das 1970 erschien und als eines der Gründungsdokumente des Heavy Metal gilt. Seit einigen Jahren tritt sie jedoch selbst als Musikerin in Erscheinung. Auf Spotify findet sich mittlerweile eine wachsende Diskografie unter dem Projektnamen Indreba: Dazu zählen zwei Metal-Songs, die direkt von ihrer Verbindung zu Black Sabbath inspiriert sind – "Witch Woman" und "Woman by the Mill" – sowie das Album "Valley of Bliss", mehrere Einzeltitel und nun die EP "Alice".
Von Sabbath-Ikone zu eigenständiger Künstlerin
Die Wurzeln von "Alice" reichen weit in Livingstones Kindheit zurück. Wie sie im Gespräch mit Rolling Stone erklärte, las ihr Vater ihr die beiden Original-Romane von Lewis Carroll, "Alice's Adventures in Wonderland" (1865) und "Through the Looking-Glass, and What Alice Found There" (1871), regelmäßig vor. Diese frühe Prägung durch die surreale, traumhafte Welt der Geschichten blieb offenbar über Jahrzehnte präsent und bildete schließlich die Grundlage für ihr neues musikalisches Konzept.
Die Idee hinter der Mini-Rockoper
Den konkreten Anstoß für die EP lieferte laut Livingstone ein Gespräch über Panpsychismus – jene philosophische Vorstellung, dass allen Dingen eine Form von Bewusstsein innewohnt, selbst solchen, die nach klassischem Verständnis nicht lebendig sind. Aus diesem Gedankenaustausch heraus entwickelte sie das Konzept für eine kleine Rockoper, in der sich eine Figur in einen KI-Chatbot verliebt. Am Ende der Geschichte stellt sich jedoch heraus, dass diese Liebe nur eine schöne Illusion ist – genau wie vieles andere im Internet. Die Erzählung mündet, so Livingstone, in eine Rückkehr zu sich selbst und zur Natur.
Dieser thematische Bogen spiegelt sich bereits im Eröffnungstrack der EP wider, der den Titel "Feed Your Head" trägt. Der Songtitel ist eine bewusste Anspielung auf Jefferson Airplanes psychedelischen Klassiker "White Rabbit" aus dem Jahr 1967. Die Textzeilen greifen das bekannte Motiv der Pillen aus dem Original auf, übertragen es aber in die digitale Gegenwart: "One pill makes you scroll for hours / And one pill buys the lie / And the ones that mother gives you / Don't even tell you why / Go ask Alice / When she's 10 feet tall / Staring at the digital wall." Damit verknüpft Livingstone die psychedelische Bildsprache der 1960er-Jahre unmittelbar mit der Kritik an digitaler Reizüberflutung und dem endlosen Scrollen in sozialen Medien.
Musikalische Umsetzung: Rückkehr zum Psychedelic Rock
Während frühere Veröffentlichungen von Indreba eher elektronisch geprägt waren, schlägt "Alice" klanglich eine andere Richtung ein. Die EP orientiert sich hörbar am psychedelischen Rock der 1960er-Jahre und setzt damit auf ein Klangbild, das thematisch eng mit der Alice-im-Wunderland-Erzählung und ihrer traumartigen, teils verstörenden Atmosphäre korrespondiert.
Livingstones musikalischer Werdegang begann vor gut einem Jahrzehnt, als sie damit anfing, Musik direkt am Computer aufzunehmen. Den entscheidenden Impuls dafür lieferte die Entdeckung der Wizdom-Music-Apps von Jordan Rudess, dem Keyboarder der Progressive-Metal-Band Dream Theater. "Er glaubt fest daran, dass jeder Musik genießen und selbst Musik machen können sollte, egal auf welche Weise", sagte Livingstone gegenüber Rolling Stone über Rudess. Sie beschrieb das iPad als überraschend vielseitiges Instrument, das in den richtigen Händen enorme kreative Möglichkeiten biete.
Künstliche Intelligenz als Werkzeug statt Bedrohung
Über die inhaltliche Ebene hinaus spielt künstliche Intelligenz für Livingstone auch ganz praktisch eine Rolle im Entstehungsprozess ihrer Musik. Sie erklärte, dass sie inzwischen mit KI-Unterstützung an ihrem Gesang experimentiere. Ihre grundsätzliche Haltung gegenüber der Technologie hat sich dabei im Laufe der Zeit gewandelt: "Ich war früher sehr kritisch gegenüber KI, wie viele Menschen es sind, aber es ist ein Werkzeug, mit dem man entweder völligen Müll – oder ‚Slop', wie es genannt wird – erzeugen kann, oder aber etwas wirklich Gutes und Interessantes. Es hängt immer vom Nutzer und seinem Input ab… Es wird immer die Person widerspiegeln, die es benutzt, und wie gut oder schlecht sie es einsetzt, sowie ihren musikalischen Geschmack und ihr Wissen", so Livingstone.
Einordnung
Mit "Alice" gelingt Louisa Livingstone der Spagat zwischen persönlicher Kindheitserinnerung, philosophischer Reflexion und aktueller Technologiedebatte. Die EP zeigt, wie eine Figur, die durch ein ikonisches Album-Cover der Rockgeschichte bekannt wurde, heute eigenständige künstlerische Wege geht und dabei zeitlose literarische Stoffe mit hochaktuellen gesellschaftlichen Fragen verknüpft. Die Verbindung von psychedelischem Rock-Erbe und kritischer Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz macht "Alice" zu einem Projekt, das weit über eine bloße Hommage an Black Sabbath oder Lewis Carroll hinausgeht und Livingstones Position als eigenständige Musikerin unterstreicht.
Quelle: Loudwire· Originalartikel ↗
Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 13:34:12
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