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Wacken, Rockharz und Summer Breeze: Veranstalter ziehen Bilanz zum Sommer 2026

28. September 2026·Von Radio SchwarzeSeele Redaktion
Wacken, Rockharz und Summer Breeze: Veranstalter ziehen Bilanz zum Sommer 2026

Die großen deutschen Sommer-Festivals des Jahres 2026 – Wacken Open Air, Rockharz und Summer Breeze – haben nach ihren Editionen Bilanz gezogen. In ausführlichen Gesprächen mit dem METAL HAMMER blicken die Veranstalter Thomas Jensen (Wacken), Buddy Kohlrausch (Rockharz) und Achim Ostertag (Summer Breeze) auf Wetterextreme, bauliche Veränderungen, wirtschaftliche Entwicklungen und emotionale Höhepunkte ihrer Veranstaltungen zurück.

Das Wacken Open Air meldete auch 2026 den Ausverkauf – allerdings erst kurz vor dem eigentlichen Festivalstart. Geschäftsführer Thomas Jensen relativiert das im Interview: Die Masse der Tickets sei wie jedes Jahr innerhalb von 24 Stunden verkauft worden, der finale Ausverkauf sei lediglich „die Kirsche auf der Torte“. Bereits 2018 habe es länger gedauert, bis alle Tickets vergriffen waren. Für Jensen ist das wirtschaftlich kein Problem, da die letzten rund 10.000 Tickets im großen Gesamtbild keinen Unterschied machten. Er verweist zugleich auf den Ticketpreis von 350 Euro, der für viele – insbesondere junge Fans – eine erhebliche finanzielle Hürde darstelle. Aus diesem Grund wird es für 2027 erstmals ein gesondertes Ticket für Jugendliche geben. Diese Maßnahme sei jedoch keine kurzfristige Reaktion, sondern bereits seit vier Jahren in Planung.

Wacken investiert in Infrastruktur und neue Visionen

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die massive Investition in die Infrastruktur des Geländes: Kilometerweise wurden Schotterwege und Bodenplatten verlegt, um das Festival witterungsunabhängiger zu machen. Dass es 2026 kaum regnete, sieht Jensen nicht als vergebliche Mühe. Im Gegenteil: Die Maßnahmen seien eine bleibende Investition in die Zukunft und der Startschuss für die langfristige Vision „Wacken 360°“. Ziel sei es, den landwirtschaftlichen Kulturraum rund um das Festivalgelände in einen dauerhaften Metal-Kulturraum zu verwandeln – mit mehr Liveshows im örtlichen Landgasthof, der zugleich als kommunale Begegnungsstätte für Hochzeiten und Beerdigungen dienen soll. Shareholder, Bauern und Behörden hätten bei der schnellen Umsetzung der Straßenbauprojekte mitgezogen. Auch das Catering auf dem Gelände sei komplett regional aus einem Umkreis von 50 Kilometern organisiert.

Auf dem Gelände selbst gab es weitere sichtbare Veränderungen: Die Louder-Bühne wurde leicht gedreht, das Wasteland-Areal komplett verlegt und neu gestaltet. Jensen berichtet, dass er gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Andre Jürgens und seinem Kollegen Holger während der Aufbautage viel Zeit im neu gestalteten Bereich verbracht habe und den Eindruck gewann, das Areal wirke aufgeräumter und schöner als zuvor. Eine endgültige Bewertung soll aber erst nach ausführlicher Auswertung und Feedback der Besucher erfolgen.

Musikalisch fiel das Line-up 2026 besonders divers aus: Während der Donnerstag mit der „Night To Remember“ ganz im Zeichen alter Metal-Helden stand, entwickelte sich der Mittwoch zu einem modernen Party-Tag. Jensen selbst verbrachte diesen Abend bei einem Auftritt von Rose Tattoo – für ihn der Inbegriff von Rock’n’Roll. Sänger Angry Anderson wird im kommenden Jahr 80 Jahre alt, was Jensen als Beispiel dafür anführt, dass auf dem Wacken Open Air sowohl langjährige Rockveteranen als auch junges Publikum ihren Platz finden sollen. Als weiteres Highlight nennt er die für 2027 angekündigte große Rückkehr von Electric Callboy, die einst am Aufbau des Festivals beteiligt waren.

Rockharz: Hochzeiten, Hitze und neue Partnerschaft

Auch das Rockharz-Festival blickt auf eine ereignisreiche Ausgabe 2026 zurück. Veranstalter Buddy Kohlrausch, der im April selbst während des Festivals geheiratet hat, betont im Gespräch die besondere familiäre Atmosphäre des Events. Standesamtliche Trauungen auf dem Gelände gehören inzwischen zur Tradition des Rockharz und sind für Kohlrausch ein Baustein einer Philosophie, die auf Respekt, Freundlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme setzt.

Der Bühnenaufbau fiel in eine Periode mit Rekordtemperaturen, die das erfahrene Team vor erhebliche Herausforderungen stellte. Um die Belastung der Crew zu reduzieren, wurden unter anderem Wasserkanonen aufgestellt, isotonische Getränke verteilt, Hüte ausgegeben und Arbeitszeiten in kühlere Nachtstunden verlegt. Während des eigentlichen Festivals konnten sich rund 25.000 Gäste dann über nahezu perfektes Open-Air-Wetter freuen – allerdings sorgte heftiger Wind, besonders am Donnerstag und Freitag, für zusätzliche Risiken bei Sound und Bühnenbetrieb. Durch das Öffnen der Bühnenplanen zur Reduzierung der Windlast konnte eine Unterbrechung des Bühnenbetriebs vermieden werden.

Organisatorisch hat sich beim Rockharz seit vergangenem Herbst einiges verändert: Das Festival ist nun Teil der DEAG Festivals GmbH, wird jedoch weiterhin von Kohlrausch und seiner Partnerin Dani als Geschäftsführer der Veruga GmbH geleitet. Nach eigener Aussage habe sich am äußeren Erscheinungsbild des Festivals nichts Gravierendes verändert; die Zusammenarbeit mit der DEAG ermögliche jedoch den Austausch mit anderen Festivalveranstaltern und den Zugriff auf zusätzliches Branchen-Know-how, ohne dass dem Rockharz etwas aufgezwungen werde. Das Festival verfolgt weiterhin eine Strategie des langsamen, nachhaltigen Wachstums, um die charakteristische Atmosphäre zu bewahren – auch wenn theoretisch deutlich mehr Tickets verkauft werden könnten. Der Vorverkauf für 2027 lief zum Zeitpunkt des Interviews bereits seit zwei Stunden, wobei 75 Prozent der verfügbaren Tickets abgesetzt waren – erstmals ohne Servercrash.

Als persönliche Highlights nennt Kohlrausch das Backstage-Treffen mit dem 78-jährigen Alice Cooper, den überraschend guten Auftritt von P.O.D. sowie die Show von Mittel Alta. Ein besonders emotionaler Moment war zudem der Auftritt von Knorkator, die Kohlrausch und seine Partnerin auf die Bühne baten, um ihnen live zur Hochzeit zu gratulieren.

Summer Breeze feiert 20 Jahre in Dinkelsbühl

Das Summer Breeze Open Air beging 2026 sein 20-jähriges Jubiläum am Standort Dinkelsbühl. Veranstalter Achim Ostertag beschreibt im Interview, wie sich das Festival seit der ersten Ausgabe 2006 verändert hat: Damals kamen rund 11.000 Fans in die mittelalterliche Kleinstadt und sorgten zunächst für Vorbehalte bei den Einheimischen. Heute gehöre das Festival fest zum Stadtbild dazu.

Auch beim Summer Breeze war das Wetter 2026 ein zentrales Thema: Es war laut Ostertag das bislang heißeste Festival in der Geschichte des Events. Vorbereitet war man mit zusätzlichen Schattenflächen wie dem großen „Magic Sky“-Sonnenschirm, Kühlmöglichkeiten und Wasserkanonen, deren Einsatz nach den Hitzeproblemen im Juni noch einmal deutlich verstärkt wurde. Ostertag lobt zudem das umsichtige Verhalten der rund 50.000 Gäste, die aufeinander geachtet und Hinweise ernst genommen hätten.

Auch die Anreise verlief trotz der großen Besucherzahl bemerkenswert reibungslos. Möglich machte dies ein über Jahre entwickeltes Verkehrskonzept mit Anreise-Slots an den Hauptanreisetagen, das die Verkehrsströme entzerrt. Ostertag betont, dass ein Festival dieser Größenordnung nie vollständig „gelöst“ sei, doch die langfristige Analyse potenzieller Probleme habe sich bewährt.

Für 2027 kündigt Ostertag das 30-jährige Jubiläum des Summer Breeze an, das mit einem neuen Festival-Logo und einer besonderen Produktion gefeiert werden soll: der „Summer Breeze Legends & Orchestra“-Show. Die Idee dazu sei bereits kurz nach dem 25. Jubiläum entstanden, die konkrete Umsetzung laufe seit rund einem Jahr. Geplant ist keine gewöhnliche „Metal meets Orchestra“-Show, sondern eine musikalische Zusammenfassung von 30 Jahren Festivalgeschichte mit einer eigens zusammengestellten All-Star-Band, zahlreichen Gastkünstlern und einem 40-köpfigen Orchester der Philharmonie Leipzig. An der musikalischen Leitung sind unter anderem Chris Harms und Corvin Bahn beteiligt.

Die Rückblicke der drei Veranstalter zeigen, wie unterschiedlich die großen deutschen Metal- und Rockfestivals mit den Herausforderungen von Klimawandel, wirtschaftlichem Druck und Publikumserwartungen umgehen – und wie sehr dabei Investitionen in Infrastruktur, nachhaltige Wachstumsstrategien und familiäre Werte im Mittelpunkt stehen. Ob durch bauliche Weichenstellungen wie in Wacken, die behutsame Partnerschaft des Rockharz mit der DEAG oder das ambitionierte Jubiläumsprogramm des Summer Breeze: Alle drei Events setzen auf langfristige Konzepte, um ihre jeweils eigene Festivalkultur auch in Zukunft zu bewahren.

Quelle: Metal Hammer DE· Originalartikel ↗

Zuletzt aktualisiert: 30.9.2026, 10:36:34

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